Halle. Alexander Zverev ist nach seiner Niederlage gegen Taylor Fritz in Halle sichtbar enttäuscht. „Mein Tennis war da, aber ich war physisch nicht in der Lage, es zu zeigen.“ Und tatsächlich hatte der Hamburger im Halbfinale der Terra Wortmann Open extrem erschwerte Bedingungen. Der Profispieler, der seit seinem vierten Lebensjahr unter Diabetes Typ 1 leidet, hatte sich im Vorfeld wie gewohnt auf seinen Diabetes-Sensor verlassen.

Womit er nicht gerechnet hat – das Gerät zeigte einen zu hohen Wert an. Das sei noch nie passiert, sagt der Alexander Zverev im Interview kurz nach dem Spiel. Für seine sportliche Leistung war dieser Fehler fatal. „Ich habe viel zu viel Insulin gespritzt“, berichtet der Tennisprofi. Die Folge: Eine Unterzuckerung, auf die er während des Spiels reagieren musste.

Er habe während des Matches knapp 350 Gramm Zucker zu sich genommen: „Ich habe mich scheußlich gefühlt. Ich war körperlich nicht da im zweiten Satz. Und auch im dritten Satz war es schwierig, überhaupt physisch da zu sein. Aber ich habe gekämpft und ich habe alles gegeben.“ Diesen Kampf konnten die Fans live miterleben. Der Spieler war sichtbar erschöpft, verließ mehrmals den Platz und sank zwischenzeitlich zu Boden, kniete und stürzte sich auf seinen Schläger.

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Zverev muss in Halle 350 Gramm Zucker während des Spiels zu sich nehmen


Sichtlich erschöpft: Alexander Zverev muss im Halbfinale der Terra Wortmann Open in Halle mehrfach pausieren. - © Nicole Donath

Sichtlich erschöpft: Alexander Zverev muss im Halbfinale der Terra Wortmann Open in Halle mehrfach pausieren.
| © Nicole Donath

Kein Wunder. Als sportlicher Typ-1-Diabetiker muss er sich nicht nur regelmäßig Insulin spritzen, weil sein Körper keins oder zu wenig produziert, sondern auch immer darauf achten, dass er nicht unterzuckert – was leicht durch eine zu hohe Insulindosis passieren kann. Zittern, Schwitzen, Heißhunger, Herzklopfen, Verwirrtheit, Sprach- und Sehstörungen können laut dem Diabetesinformationsportal Diabinfo die Folge sein.

350 Gramm Zucker (das entspricht etwa 115 Zuckerwürfeln) sind für den menschlichen Körper extrem viel. Zur Einordnung: Gesunden Menschen wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen täglich nicht mehr als 50 Gramm Zucker zu sich zu nehmen. Laut der Uniklinik RWTH Aachen isst der Durchschnittsdeutsche jedoch mehr als das Doppelte pro Tag. Für einen Diabetiker Typ 1 kann der Bedarf jedoch abhängig von den Lebensumständen höher sein. Sportliche Leistungen können dies beispielsweise beeinflussen.

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Für Alexander Zverev ist es nicht ungewöhnlich vor oder während eines Turniers, den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Bei den French Open hatte dies 2023 für Aufregung gesorgt. Damals hatte sich der Spieler wie gewohnt bei den Seitenwechseln auf dem Platz Insulin spritzen wollen.

In Paris sollte er dazu den Platz verlassen, heißt es im Spiegel – Zverev wird zitiert: „Mir wurde gesagt, dass das als Toilettenpause gilt. Da habe ich gesagt: Leute, es kann sein, dass ich vier-, fünfmal vom Platz laufen muss.“ Er habe jedoch nur zwei Toilettenpausen. „Das heißt, dass mir eine gewisse Sache nicht erlaubt ist, die notwendig für mein Leben ist.“ Sein Widerstand hatte Erfolg. Das Prozedere wurde bei den French Open angepasst, sodass sowohl auf dem Platz als auch wann immer nötig in der Kabine spritzen durfte.

Taylor Fritz habe laut Zverev verdient gewonnen


Nach dem umkämpften Halbfinale bei den Terra Wortmann Open in Halle zeigt Alexander Zverev trotz gesundheitlicher Probleme Größe und gratuliert seinem Gegner Taylor Fritz zum verdienten Sieg. - © Nicole Donath

Nach dem umkämpften Halbfinale bei den Terra Wortmann Open in Halle zeigt Alexander Zverev trotz gesundheitlicher Probleme Größe und gratuliert seinem Gegner Taylor Fritz zum verdienten Sieg.
| © Nicole Donath

Trotz seiner erschwerten Bedingungen durch die Stoffwechselerkrankung redet der 29-jährige Leistungssportler den Erfolg seines amerikanischen Kontrahenten Taylor Fritz nicht klein – auch als Ausrde wollte er das nicht gelten lassen: „Er hat besser gespielt als ich. Er war mehr da, frischer und hat sich besser bewegt. Er hat verdient gewonnen“, sagte der Weltranglistendritte.