„..Weil mehr als ein Ich in jedem von uns steckt.“ Das ist die einfache Erklärung von Rita Szeibert für den Wunsch und die Absicht von Menschen, sich zu verkleiden und sich anders zu geben. Die Fachbuchautorin für Mode- und Kostümgeschichte führte in die Ausstellung des Fotografen Peter Wilson mit dem Titel „My other Me“, den zweiten Teil der Wilson-Reihe „Two in One“ im Altstadtsaal der VR-Bank Landsberg-Ammersee ein.

Mehr als ein Ich: Viele Menschen verbergen, verstecken diesen Teil ihres Lebens. Sie zeigen nur das, was sie präsentieren wollen. Es gibt aber auch diejenigen, die Freude daran haben, sich mit Kleidung, Schmuck und weiteren Accessoires auf eine andere Ebene zu begeben, ihr Alter Ego – auf unterschiedliche Art sichtbar zu machen und dabei zu einer anderen Person mutieren. Solche Menschen hat Peter Wilson, bekannt über seine Porträtreihe „Landsberger Leute“ – gesucht.

Auch Tochter Lily zeigt sich in zweierlei Gestalt

Gefunden hat er sie nicht nur auf Mittelaltermärkten, sondern auch in der Familie. Tochter Lilly zum Beispiel: „Sie sieht immer gut aus, egal, wie lang ich sie für Fotos beanspruche“ – schwärmt der Fotograf. Entsprechend darf sie sich bei neuen Ideen ihres Vaters regelmäßig als Versuchskaninchen zur Verfügung stellen. Und wird natürlich auch ausgestellt: mit einem Porträt als dunkle Frau des Mittelalters, mit beeindruckendem Kopfschmuck von Lova Rimini. Und sie zeigt sich zu Hause, in ihrem Zimmer, als Lilly und als Anime-Girl.

Das ist auch der Hintergrund der Schau: Peter Wilson hat alle Personen in ihrer gewohnten Umgebung zweimal fotografiert. Einmal befinden sie sich in ihrem „normalen“ Leben, einmal posieren sie als Alter Ego. Diese zwei Porträts wurden zu einem Bild zusammengefügt, quasi auf eine gleiche Ebene gestellt. Dem Betrachter bleibt es überlassen, sich zu entscheiden oder die beiden Identitäten der jeweiligen Person visuell zu mischen, Gemeinsamkeiten zu entdecken.

Andere Kleidung, andere Haltung

Da ist zum Beispiel „Michi“, ein freundlicher Herr, der als Schaffner früherer Zeiten nicht nur anders gekleidet ist. Auch Haltung und Mimik sind plötzlich anders. Oder die blinde Karin: Im hellen Hosenanzug hat sie es sich auf ihrer Couch gemütlich gemacht. Daneben mimt sie eine Kurfürstin in opulenter Robe. Bei fast allen Bildern fällt auf, dass die jeweiligen Zimmereinrichtungen eher zum Alter Ego als zur Zivilperson passen. Kommen diese Menschen aus einer anderen Zeit? Haben sie schon einmal gelebt? Alles sehr spannend.

Öffnungszeiten

„My other Me“: Fotografien von Peter Wilson; bis Sonntag, 5. Juli während der Öffnungszeiten der VR-Bank sowie des benachbarten Lokals. Peter Wilson ist samstags von 10 bis 15 Uhr anwesend.