Rund eine Minute Spielzeit stand auf der riesigen „Play-Clock“, also Spieluhr, als alle Beteiligten im Glutofen Rosenaustadion sich einig waren, dass man es um kurz nach 19 Uhr gut sein lassen konnte. Die GFL2-Footballer der Augsburg Centurions, die uneinholbar 31:17 (10:7, 14:3, 7:7, 0:0) führten, ihre Gegner, die Gießen Golden Dragons, die ihre Niederlage anerkannten und die Schiedsrichter. Also ließ man die Zeit einfach herunterlaufen. Über 30 Grad im Schatten und über 40 Grad auf dem Spielfeld hatten die Spieler ausgezehrt. Nur einer schien eine unerschöpfliche Kraftquelle zu haben: Jalin Goodman.

Augsburg Centurions jagen die Wiesbaden Phantoms

Und so präsentierte der Augsburger Wide Receiver vor der Haupttribüne einen spektakulären Flickflack und animierte die 543 Zuschauer zum letzten Mal an diesem Tag zu Standing Ovations. Die bekamen dann auch seine Mitspieler nach dem vierten Sieg in Folge. Plötzlich ist der Aufsteiger nach zwei Niederlagen zu Beginn des Abenteuers GFL2 einziger Verfolger der Wiesbaden Phantoms, die ungeschlagen mit sechs Siegen die Tabelle anführen.

Zwei Touchdowns durch Jalin Goodman

Schon zuvor hatte Goodman, der nur 1,67 Meter große Offensivspieler, mit seinen Qualitäten die Centurions-Fans immer wieder begeistert. Vor allem in der ersten Halbzeit, als der 25-Jährige mit zwei Touchdowns und viel Raumgewinn die Basis für den vierten Sieg in Folge legte.

Egal, ob mit seinen Fangkünsten nach den weiten Pässen von Quarterback Luis Wittmann oder mit seinen unwiderstehlichen Läufen, bei denen der quirlige US-Amerikaner den massigen Verteidigern der Golden Dragons immer wieder entwischte. Oft war er nur von fünf oder sechs Gegnern zu stoppen.

Starspieler Khalfani Mohamad fehlte mit Sprunggelenkproblemen

Die große Verantwortung, die an diesem Samstag auf seinem schmächtigen Körper lag, machte dem Sonnyboy gar nichts aus. Denn Centurions-Headcoach Eugen Haaf hatte kurzfristig auf seinen Starspieler, Khalfani Mohamad, verzichten müssen. Der Runningback mit NFL-Erfahrung, wenn auch nur im Trainingsbetrieb, ist mit seinem Laufspiel für die Liga eigentlich überqualifiziert und kaum zu stoppen. Das gelang aber diesmal einer Sprunggelenkverletzung.

Khalfani Muhamad fehlte gegen Gießen verletzt.

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Khalfani Muhamad fehlte gegen Gießen verletzt.
Foto: Augsburg Centurions

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Khalfani Muhamad fehlte gegen Gießen verletzt.
Foto: Augsburg Centurions

Eine enorme Schwächung, die die Centurions aber gut kompensieren konnten. Jetzt gab es außer den Auftritten von Goodman eben keine Football-Kunst, sondern solide Arbeit. Khalfani-Ersatz Patrick Cosby (ein Touchdown) versuchte eben nicht gazellenartig die Gießen-Defense zu durchsprinten, sondern sie rustikal zu durchbrechen. Aber auch so zeigte sich zunächst, dass die Centurions zwar keinen riesigen Kader haben, aber einen, der in der GFL2 zu den Besseren gehört.

Drei Centurions-Spieler schwer verletzt

Und so führten die Centurions zur Halbzeit gegen das GFL-Topteam aus Gießen deutlich mit 24:10. Doch in der Kabine war die Stimmung gedrückt. Denn mit Passverteidiger (Defense Back) Alexander Weissbeck, Stamm-Quarterback Luis Wittmann und Widereceiver Timo Benschuh waren drei wichtige Spieler schon in der ersten Hälfte der harten Gangweise der Gäste zum Opfer gefallen. Sowohl Benschuh als auch Wittmann waren nach Beendigung des Spielzugs attackiert worden.

Schiedsrichter sprechen eine Strafe nach der anderen aus

Die Augsburger erhöhten auf 31:10 (Touchdown durch Ferdinand Schmid), Gießen verkürzte noch auf 31:17, doch dann brach der Spielfluss völlig zusammen. Die Schiedsrichter schienen überfordert, sprachen eine Strafe nach der anderen aus, vorwiegend gegen die Augsburger Offensive, was zu viel Kopfschütteln aller Beteiligten führte. Am Ende waren alle froh, dass die Hitzeschlacht nach dreieinhalb Stunden Spielzeit zu Ende war.

Wie bei einer Arztvisite in der Uniklinik

Die Fans feierten mit den Spielern den vierten Sieg in Folge, doch die Laune von Chef-Trainer Eugen Haaf war auf Gefriertemperatur. Seine ersten Sätze hörten sich an, wie bei einer Arztvisite in der Uniklinik. „Tim Benschuh muss im Mund an mehreren Stellen genäht werden, an der Unterlippe, am Zahnfleisch, an der Zunge. Viel Spaß.“ Haaf weiter: „Luis Wittmann hat eine gebrochene Rippe und Alexander Weissbeck eine abgerissene Bizepssehne.“

Nicht nachvollziehen konnte Haaf die Spielleitung der Schiedsrichter. „Nur so viel: Wenn vier oder fünf Spieler von uns bei Tackles ihren Helm verlieren, dann kann etwas nicht stimmen.“ Er verstand auch nicht die, aus seiner Sicht, übermotivierte Aggressivität des Gegners bei einigen Aktionen: „Wenn ein Play vorbei ist, dann ist es doch nicht mehr notwendig, da noch voll reinzugehen. Und schon gar nicht mit dem Helm voraus.“

Nächstes Punktspiel der Centurions erst wieder am 18. Juli

Haaf ist jetzt erst einmal froh, dass sein Team vier Wochen Punktspielpause hat. Erst am 18. Juli müssen die Centurions in Montabaur wieder antreten. „Die Pause brauchen wir dringend. Die Spieler haben jetzt erst einmal zwei Wochen komplett trainingsfrei. Und dann schauen wir, wer dann wieder fit ist.“ Jalin Goodman auf jeden Fall.