Mit einer außergewöhnlichen musikalischen Darbietung hat am Wochenende der Ökumenische Kantorenkonvent Neuss mit Unterstützung des Fördervereins der Lichtkirche Neuss die Besucher der Landesgartenschau am „Platz für das Wir“ unterhalten.
Dort stand eine, nach Angaben des Orgelbauers, seit 26 Jahren weltweit einzigartige Lkw-Orgel, die in Zwanzig-Minuten-Zeitfenstern von Kantoren, Organisten, Musikern oder Musikschülern aus dem ganzen Rhein-Kreis Neuss bespielt wurde – organisiert von David Jochim, Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde Am Norfbach. Am Samstagnachmittag spielte der bekannte Organist Wolfgang Seifen ein Konzert, den Kontakt hatte Miroslawa Cieślak, Kantorin in St. Marien, hergestellt. Das Instrument angefragt hatte der katholische Regionalkantor Michael Landsky.
Wie bei einem Foodtruck ist die Orgel mit 1432 Pfeifen auf einen Lkw gebaut. Wenn man die Klappen nach oben und unten öffnet und die „Ohren“ – Klangabstrahler für eine bessere Akustik – ausklappt, sieht man direkt die außen liegenden Pfeifen. Wenn gerade nicht gespielt wird, erlaubt eine kleine Leiter den Blick ins Innere der Orgel. Der Spieltisch stand am „Platz für das Wir“ unter einem der Sonnenschirme und war per Kabel mit der eigentlichen Orgel verbunden.
„Die Idee zum Bau der Open-Air-Orgel entstand nach einem schwach besuchten Orgelkonzert“, erinnert sich Dominik Schindler von Orgelbau Hoffmann und Schindler in Ostheim/Rhön, „wenn die Menschen nicht zu Konzerten in die Kirche kommen, bringen wir die Orgel eben zu Menschen,“ sei das Resümee seines Vaters Christoph und Günter Hoffmann gewesen. Nach Überlegungen, wie eine große Orgel mit 29 Registern auf einem Lkw fest installiert werden könne, entschied man sich für ein luftgefedertes Fahrzeug mit Hebebühne für den schweren Spieltisch und großen seitlichen Türen als Prospekt und Klangaustrittsöffnung. Eine weitere Vorgabe für die Konstruktion war die Einhaltung des zulässigen Gesamtgewichts von 7,5 Tonnen, um das Fahrzeug auch ohne Lkw-Führerschein fahren zu können. Dies gelang durch den Einsatz von Kupfer und Feinzink als Material für das Pfeifenwerk. Beim Auf- und Abbau sind der Orgelbau-Meister und seine Frau Jana Zapala ein eingespieltes Team.
Nach dem Konzert von Wolfgang Seifen nahm Felicitas Weihmann-Grote am Spieltisch Platz und spielte unter anderem den „Blumenwalzer“ von Tschaikowski. „Bis zu 50 Zuhörer hat unsere Lkw-Orgel angelockt und sie ist auf durchgehendes Interesse gestoßen,“ resümiert Katja Ulges-Stein, Kantorin der Evangelischen Stadtgemeinde, glücklich. Bei gutem Wind war die Musik bis zum Römerspielplatz und Eingang West zu hören und verbreitete festliche Stimmung auf dem Gelände.