TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Detmold (NRW) – Mehrere Vermummte drangen in das Hermannsdenkmal bei Detmold ein, stiegen nach oben, zündeten Pyrotechnik und rollten Banner mit politischen Parolen vom Balkon des Hermanns herab. Der Staatsschutz ermittelt, da es sich bei den Besetzern um Anhänger einer rechtsextremen Gruppierung handeln soll.

Schon kurz nach der Aktion gegen 11 Uhr am Sonntagvormittag flüchteten die meisten der Anhänger der Identitären Bewegung. Nur ein Mann war oberhalb des Balkons auf das Denkmal am Rand des Teutoburger Waldes in Nordrhein-Westfalen geklettert und hatte sich dort mit Seilen gesichert. Wie die Polizei berichtet, verblieb er dort mehrere Stunden und zeigte sich gegenüber den herbeigerufenen Einsatzkräften „unkooperativ“. Fotos zeigen, dass auch Spezialkräfte vor Ort waren.

Die Polizei war am Sonntag mit starken Kräften am Hermannsdenkmal in Detmold im Einsatz

Die Polizei war am Sonntag mit starken Kräften am Hermannsdenkmal in Detmold im Einsatz

Foto: die Blaulichtfotografen

Rechter Aktivist rund 6 Stunden auf dem Hermann

Erst gegen 17 Uhr stieg der Mann, zuvor von einem Elitepolizisten fixiert, vom Denkmal ab und wurde zur Wache gebracht. Den ersten Erkenntnissen zufolge handelt es sich um einen 21-Jährigen aus der Schweiz. Nach der Vernehmung sollte er wieder entlassen werden. Es werde nun geprüft, welche Straftaten er konkret begangen hat. Er steht laut Polizei im Verdacht, Hausfriedensbruch begangen und illegale Pyrotechnik abgebrannt zu haben.

Das Hermannsdenkmal ist Deutschlands größte Statue

Das Hermannsdenkmal ist Deutschlands größte Statue

Foto: Friso Gentsch/dpa

Zudem besteht der Verdacht der Volksverhetzung. Weil die Aktion einen politischen Hintergrund hat, ermittelt nun der Staatsschutz. Zeugen, die Videos oder Fotos gemacht haben, werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden. „Für Außenstehende bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr“, heißt es.

Die Identitäre Bewegung ist eine rechtsextreme Gruppierung, die in mehreren europäischen Ländern aktiv ist und vor allem junge Menschen über soziale Medien, provokante Aktionen und ein modernes Auftreten anspricht. Inhaltlich warnt sie vor einer angeblichen „Islamisierung“ oder einem „Bevölkerungsaustausch“ und richtet sich besonders gegen Migration und eine offene Gesellschaft. Sie vertritt die Ideologie des sogenannten Ethnopluralismus: Kulturen und Bevölkerungsgruppen sollten angeblich „getrennt“ bleiben. In Deutschland wird die Identitäre Bewegung vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft.