Ebenfalls bis zum 10. Juli gibt es auf der linksrheinischen Bahntrasse zwischen Köln und Mainz umfangreiche Bauarbeiten mit Sperrungen, Schienenersatzverkehr und Umleitungen.
Noch massiver sind die Auswirkungen, wenn die Deutschbahn im Januar endlich das neue elektronische Stellwerk in Betrieb nimmt. Dann geht zwei Wochen fast gar nichts mehr am Kölner Hauptbahnhof, der nur noch von S-Bahnen angefahren werden kann. Der erste Versuch, die neue Technik an den Start zu bringen, war Ende 2025 wegen Problemen mit der Software gescheitert. Wer gehofft hatte, dass nun alles schneller geht, wird enttäuscht. Die Sperrung vom 8. bis zum 19. Januar dauert genau elf Tage, soll aber rechtzeitig vor dem Straßenkarneval und der Handball-WM in Köln beendet sein.
Die neue Technik soll den Zugverkehr stabilisieren
Die DB InfraGO modernisiert den Kölner Bahnknoten und führt dafür im Januar 2027 gebündelt umfangreiche Arbeiten durch. Zum einen geht dann das neue elektronische Stellwerk (ESTW) Köln Hauptbahnhof ans Netz. Die moderne, digitale Technik soll für einen stabileren Zugverkehr sorgen.
Zum anderen nutzt die DB InfraGO die Sperrpause im Januar gleich für viele andere Arbeiten, um so weitere Einschränkungen für die Fahrgäste zu vermeiden: Am Bahnhof Köln Messe/Deutz werden die Bahnsteigdächer an den drei Regionalverkehrsgleisen 1/2, 4/5 und 7/8 zurückgebaut, damit sie im Anschluss erneuert werden können.
Am Betriebsbahnhof Hansaring wird ein altes, mit Inbetriebnahme des neuen ESTW nicht mehr benötigtes Stellwerksgebäude abgerissen. Am Kölner Hauptbahnhof verbauen die Experten der DB InfraGO an Gleis 2/3 ein taktiles Leitsystem, an weiteren Bahnsteigen installieren sie eine moderne LED-Bahnsteigdachbeleuchtung.
Am Kölner Hauptbahnhof werden während der Sperrung zusätzlich Instandhaltungsmaßnahmen an mehreren Gleisen durchgeführt. Außerdem schließt die DB InfraGO planmäßig Restarbeiten aus der Inbetriebnahme des ESTW „Linker Rhein“ ab.
„Wir wollen den Kölner Bahnknoten langfristig robuster und stabiler machen. Ich bin froh, dass wir eine Lösung gefunden haben, einige komplexe Vorhaben mit der Inbetriebnahme des neuen elektronischen Stellwerks zusammenzulegen. Die Belastung für die Reisenden wird damit komprimiert und wir sind rechtzeitig fertig, bevor die Handball-WM und der Karneval in Köln losgehen. Dennoch bedeutet auch die jetzt geplante Sperrung eine erhebliche Einschränkung für unsere Kundinnen und Kunden. Dafür bitten wir ausdrücklich um Entschuldigung“, sagt Matthias Gramer, Leiter Fahrweg West der DB InfraGO.
Die DB InfraGO hat die Eisenbahnverkehrsunternehmen sowie die für den Nahverkehr zuständigen Aufgabenträger über die erforderlichen Arbeiten am Kölner Hauptbahnhof und in Köln Messe/Deutz informiert. Die Arbeiten finden in der Zeit von Freitag, 8. Januar 2027, 21 Uhr, bis Dienstag, 19. Januar 2027, 21 Uhr statt.
Im nächsten Schritt werden gemeinsam die Verkehrskonzepte für die Sperrpause erarbeitet. Ziel ist es, an beiden Bahnhöfen den S-Bahn-Verkehr, für den die elektronische Stellwerkstechnik bereits 2021 in Betrieb genommen wurde, durchgehend aufrechtzuerhalten. Auch die Fernverkehrsgleise 11 und 12 von Köln Messe/Deutz (tief) bleiben in Betrieb. Gleichzeitig wird der Kölner Hauptbahnhof für den Regional- und Fernverkehr gesperrt.
Am Bahnhof Köln Messe/Deutz können die Regionalverkehrsgleise während der Abbrucharbeiten nicht genutzt werden. Das genaue Verkehrskonzept wird rechtzeitig veröffentlicht. Fahrgäste erhalten diese Informationen über die bekannten Auskunftsmedien, an den Bahnhöfen und online.
Als vorbereitende Maßnahme für den Rückbau der Bahnsteigdächer in Köln Messe/Deutz installiert die Bahn bereits in den kommenden Wochen zunächst eine Holzkonstruktion unter den drei betroffenen Bahnsteigdächern. Nach dem vollständigen Rückbau im Januar wird die DB InfraGO einen provisorischen Ersatz an den Gleisen in Köln Messe/Deutz errichten. Dieser umfasst Wetterschutz, Beleuchtung, Lautsprecher und Anzeigen für die Reisendeninformation. Gleichzeitig laufen die Planungen für einen dauerhaften Ersatz der Bahnsteigdächer.
Die Inbetriebnahme des ESTW Köln Hauptbahnhof erfolgt nach intensiven Abstimmungen mit Experten des Herstellers Hitachi. Hierbei wurden umfassende Anpassungen an der Software des ESTW durchgeführt. Die Sperrpause wurde auf Anfang Januar gelegt, um ab dem 20. Januar das hohe Verkehrsaufkommen während der Austragung der Handball-WM in Köln und der sich anschließenden Karnevalstage bewältigen zu können. Eine Sperrung nach der Karnevalszeit wäre nach Angaben der Bahn mit dem weiteren Baugeschehen in NRW nicht kompatibel.
Gesteuert wird der Bereich der beiden neuen ESTWs nach Abschluss der Bauarbeiten vom Zentralstellwerk in der Innenstadt. In die beiden neuen ESTW wurden von der Bahn insgesamt 360 Millionen Euro investiert, davon fallen 170 Millionen Euro auf die beiden Baustufen im Hauptbahnhof, wo täglich 1300 Züge ein- und ausfahren.
Die neue Technik soll laut der Deutschen Bahn für einen zuverlässigeren und robusteren Zugverkehr im Bahnknotenpunkt Köln sorgen. Die alte Relaistechnik stammte noch aus dem Jahr 1975. Sie wird nun mit den modernen ESTWs mittels Server und Mausklick vom Zentralstellwerk gesteuert, wo 65 bis 70 Mitarbeitende ihren Arbeitsplatz haben. Durch das zentrale Stellwerk soll auch die Kommunikation am Bahnknotenpunkt verbessert werden. Außerdem gilt die neue Technik als deutlich weniger störanfällig und verursacht so auch geringere Instandhaltungskosten.
Die Erneuerung wird künftig auf der linken Rheinschiene bis 2028 fortgesetzt. So werden die Stellwerke unter anderem in Brühl, Bonn Hbf und Bonn Bad Godesberg auf den neuesten Stand gebracht. Bis 2029 folgt dann auch noch Aachen. Bis Ende 2027 bekommt zudem auch die S-Bahn in Bergisch Gladbach die neue Technik.