Wo könnte eine Ausstellung über Glas aus Gerresheim besser präsentiert werden, als in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Glashütte? Dort, wo heute noch viele Menschen leben, die hier gearbeitet haben – an der Straße, die den Namen des Gründers der Glashütte trägt: der Heyestraße.
Gezeigt werden ab Samstag, 27. Juni, in fünf Schaufenstern an der Heyestraße 142 Objekte aus Glas, die sich unter dem schlichten Begriff „Behälterglas“ zusammenfassen lassen und deren Funktion im Alltag sich nicht immer direkt erschließt: Flaschen in verschiedenen Größen und Formen, Einmachgläser, Glasbausteine, Schütten, Glas für Lebensmittel. Die gezeigten Stücke veranschaulichen die Vielfalt und Leistungsfähigkeit der Glasproduktion, die Gerresheim über viele Jahrzehnte ausgezeichnet hat. Die Ausstellungsidee: den Blick auf die Produkte selbst zu lenken, auf die oft unscheinbaren Alltagsgegenstände, die heute als Erinnerungsstücke von großer persönlicher und lokaler Bedeutung die Geschichte der Gerresheimer Glashütte lebendig halten.
Jahrzehntelang in Kellerregalen verstaubt und vergessen, wurden diese gläsernen (Er-)Zeugnisse der Gerresheimer Glashütte bei Abbrucharbeiten wiederentdeckt – und sie teilen eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit: Rein materiell gesehen sind sie nicht wertvoll – dafür haben sie aber einen hohen ideellen Wert. Und sie zerbrachen eben nicht im Glascontainer.
Hinter der Ausstellung „Kein Altglas!“ steht ein hochmotiviertes Team aus Freunden: Thomas Boller ist der Hüter der Glassammlung geworden und hatte die Idee, diese in einer Ausstellung zu präsentieren. Boller liebt es, mit Freunden „etwas auf die Beine zu stellen“. Der Gerresheimer Banksy – ganz nach dem britischen Vorbild möchte er seinen Namen hier nicht nennen – hat den Blick für den „Gerrix“-Schriftzug und das „G“ mit Krone. Bescheiden, wie er ist, würde er es kaum wahrhaben wollen, aber ihm ist wahrscheinlich eine der größten privaten Sammlungen aus Gerresheimer Glasprodukten zu verdanken.
Melanie Eigenrauch von den „Raumgefährten“ ist Kommunikationsdesignerin, Innenarchitektin, leidenschaftliche Gestalterin und Entwicklerin professioneller Ausstellungskonzepte. Thomas Boller hat ihr Stichwörter geliefert, Melanie hat sie „in den Raum transformiert“. Rüdiger Preiss von der „Sign Factory“ weiß, was worauf gedruckt oder verklebt werden kann: vom kleinsten Schildchen bis zur großen Schaufensterscheibe. Preiss erhält von Melanie Eigenrauch digitale Daten und bringt diese in Farbe auf Papier, Folien oder Textilien. Manfred und Andrea Hoffmann vom A la Casa del Fiore schließlich schaffen aus Blumen und Pflanzen Kunstwerke. Ohne die beiden würde in den Schaufenstern an der Heyestraße 142 kein Glas stehen.