„Erdverbunden“ heißt die Ausstellung von Karin Gier und Walter Schmitt, die am Sonntagabend im Kunstraum Neuss eröffnet wurde. Die Exponate ergänzen sich, korrespondieren zum Teil miteinander, scheinen wie „Verwandte“ und doch gibt es zahlreiche Unterschiede. Die Grevenbroicherin arbeitet überwiegend mit Materialien, die im Braunkohle-Tagebau zu finden sind. Walter Schmitt findet seine Motive nicht ausschließlich im heimischen Tagebau, sondern auch in fernen Ländern.

Die Exponate von Walter Schmitt sind Landschaftsfotografie im weiteren Sinne. Er widmet sich den Details, hält mit seinen Fotos Strukturen fest, die die Zeit gebildet hat. Es geht ihm eher um Naturgewalten, als um die Verformung der Natur durch den Menschen, beispielsweise durch den Braunkohletagebau. Dieser ist zwar auch für ihn ein Thema, aber enger dran ist da Karin Gier. Strukturen und Oberflächen faszinieren beide Künstler. Bei Karin Gier ist das besonders an den vier Quadraten ablesbar.

„Diese Landschaften sind menschengemacht, doch sie sind keine Kultur-, sondern wahre Un-Kulturlandschaften“, so Laura Flöter, die in die Ausstellung einführte. Und sie ergänzt: „Der Ab-Raum als Un-Raum, als Nicht-Raum oder Leer-Raum, der nicht aus Schöpfung, sondern aus Zerstörung entsteht, und in dem nichts gedeihen kann.“ Die Arbeiten von Karin Gier vergleicht sie in ihrer Urtümlichkeit mit Höhlenmalereien.

Walter Schmitt ist unter anderem in Namibia auf Motive gestoßen, die er mit seiner Spiegelreflex-Kamera aufgenommen hat. Der promovierte Physiker liebt die klaren Strukturen, die auch charakteristisch sind für die Architekturaufnahmen, die in dieser Ausstellung aber nicht zu sehen sind. Karin Gier verwendet Naturmaterialien wie Braun- und Steinkohle, aber auch Sand und Lehm. Walter Schmitz Werke wirken vergleichsweise farbenfroh. Durch die Nähe der Grevenbroicherin zum Tagebau hat Karin Gier einen besonderen emotionalen Zugang zu ihren Arbeiten.

Die Ausstellung ist bis zum 5. Juli zu folgenden Zeiten geöffnet: dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, sonntags von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung. Am Sonntag, den 28. Juni um 16 Uhr gibt es die Möglichkeit, sich mit Karin Gier und Walter Schmitt über ihre Arbeiten zu unterhalten.