Seit Oktober 2024 ist bekannt: Nach 76 Jahren wird der Produktionsstandort für Vliesstoffe des Vileda-Werks im Martini-Park geschlossen. Ende Juni ist es nun so weit: Der letzte große Textilproduzent verabschiedet sich aus Augsburg. Die Werksschließung läuft, Maschinen werden abgebaut.

Betroffen sind rund 120 Beschäftigte. Viele haben laut Freudenberg bereits eine neue berufliche Perspektive gefunden. Zwölf Mitarbeitende hätten eine Altersteilzeitregelung in Anspruch genommen, fünf seien zu einer anderen Freudenberg-Gesellschaft gewechselt. Zudem sei ein größerer Teil der Belegschaft rentennah und könne – unterstützt durch Abfindungsregelungen – in den Ruhestand wechseln. Ferner sei die Belegschaft aktiv bei der Arbeitsplatzsuche unterstützt worden.

Vileda-Mitarbeiter haben größtenteils neue Perspektiven gefunden

Nach Ankündigung der Schließung im Oktober 2024 wurde der Betrieb im Martini-Park bis April 2026 weitergeführt. „Unser besonderer Dank gilt allen Mitarbeitenden, die in dieser herausfordernden Phase mit großem Engagement, hoher Professionalität und großer Verbundenheit ihren Beitrag geleistet haben“, heißt es von Freudenberg. Aufgrund dieses Engagements hätten die Mitarbeitenden bereits ab März beziehungsweise April freigestellt werden können, da alle offenen Aufträge abgearbeitet waren.

Ganz überraschend kam die Schließung nicht. Bereits 2014 und 2018 hatte der Technologiekonzern Freudenberg in seiner Augsburger Sparte „Home and Cleaning Solutions“ im Martini-Park – besser bekannt durch die Marke Vileda – größere Umstrukturierungen vorgenommen. Teile von Fertigung und Logistik wurden ausgelagert, insgesamt mehr als 100 Stellen abgebaut. Später folgte Kurzarbeit.

Vileda-Hallen könnten einmal für Wohnbebauung Platz machen

In den vergangenen Jahren sei die Nachfrage nach Vileda-Produkten auf Basis von Vliesstoffen deutlich gesunken. Grund sei der wachsende Marktanteil von Mikrofasern im Wischtuch- und Bodenreinigungsbereich. Diese Entwicklung habe die Auslastung der Produktionskapazitäten in Augsburg zunehmend belastet. Aus wirtschaftlichen Gründen sei es daher nicht sinnvoll gewesen, die Produktion am Standort aufrechtzuerhalten.

Seit 1948 wurden in Augsburg Vliesstoffe hergestellt. Der Werksbetrieb erfolgte zunächst als Joint Venture mit Martini, 1990 übernahm Freudenberg das Werk vollständig. Mit dem Standort verbunden sind bekannte Produkte wie das Vileda-Fenstertuch, der Vileda-Wischmopp oder der Glitzi-Schwamm.

Bis Mitte 2028 übergibt Freudenberg vier große Hallen. Mittelfristig werde die Fläche weiterhin gewerblich genutzt, erklärte die Martini Park-Geschäftsführung zuletzt. Perspektivisch sei jedoch auch der Bau neuer Wohnungen eine Option für die Weiterentwicklung des Gewerbeparks.