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Hamburg damals: English Theatre wird 50 (4 Min)

Stand: 23.06.2026 05:00 Uhr

1976 war es, als zwei US-amerikanische Schauspieler eine damals recht verwegene Idee hatten: In Hamburg sollen englischsprachige Stücke auf der Bühne aufgeführt werden. Längst ist das English Theatre eine Institution.

von Christian Papesch

Es ist eines der ersten und einzigen seiner Art: das Englische Theater in Hamburg. Eine Bühne, auf der britische Schauspieler englischsprachige Stücke darbieten – für ein überwiegend deutschsprachiges Publikum.

Die Überraschung war, wie viel Englisch sie verstanden. Unsere Erwartung war, dass sie nur die visuellen Witze verstehen würden.

Schauspieler des English Theatre

„Wir hatten zwei volle Berufe“

Schauspieler John Walther, der allererste Hauptdarsteller des English Theatre in Hamburg

Schauspieler John Walther ist der allererste Hauptdarsteller des Theaters.

Das Drehbuch für den Erfolg schreiben sie: Robert Rumpf und Clifford Dean – zwei Profi-Schauspieler aus San Francisco, die im Sommer 1976 an einer Hamburger Sprachschule unterrichten. Dort finden sie das passende Ensemble für ihren großen Traum: ein Theater. Schauspieler John Walther, der allererste Hauptdarsteller, beschreibt die Lage damals so: „Alles was wir damals gemacht haben, war außerhalb der Arbeitszeit. Nachmittags, abends, am Wochenende. Wir hatten eigentlich zwei volle Berufe damals. Aber wir wussten, wofür wir das machen: Wir bauen ein Theater auf.“

Kinder entern die Bühne

Zunächst ist das Theater ohne feste Bühne. Zwei Jahre lang spielt die Gruppe in Schulen und Konzerthallen wie etwa der Markthalle. Im Kulturzentrum Fabrik muss sich Hauptdarsteller John Walther die Bühne sogar teilen. Dort wuseln während einer Aufführung Kinder umher. „Es war sehr voll und sehr heiß. Und da waren lauter kleine Menschen – Kinder, die rumgelaufen sind. Ich habe meinen Text gesprochen und die Kinde sind immer näher an die Bühne gekommen. Und plötzlich standen sie auf der Bühne mit mir“, sagt Walther.

Mehrfachbesetzungen hinter den Kulissen

Darsteller des English Theatre

Neben den Schauspielern auf der Bühne müssen auch die Rollen hinter den Kulissen besetzt werden.

Doch ein Theater braucht auch Menschen hinter der Bühne. Michael Medlinger wird gleich mehrfach besetzt: als Ticketverkäufer, Bühnenbildner, Regieassistent. Und in seiner dramatischsten Rolle: als Buchhalter. Zwischenzeitlich sieht es mal nicht gut aus. Medlinger erinnert sich so: „Dean sagte: ‚Das war’s wohl.‘ Und ich hab gesagt: ‚Nein, das warten wir ab. Ich bin zu meiner Bank gegangen, er ist zu seiner Bank gegangen. Wir haben Darlehen aufgenommen, persönliche Darlehen, um wieder etwas Kapital für das Theater zu haben.“

Feste Bühne an der Mundsburg kommt 1981

Altes Hammonia Bad in Hamburg, heute English Theatre

Das alte Hammonia Bad an der Mundsburg wird 1981 zu einem Theater umgebaut.

Auch für den schwersten Akt der Theatergeschichte gehen die Gründer in Vorkasse: die Verwandlung des Hammonia Bads an der Mundsburg in ein Theater im Jahr 1981. „Hier drin waren lauter Duschen und Badwannen. Es roch nach Seife. Ich konnte mir das nicht vorstellen, hier ein Theater zu installieren. Viele Menschen – Kollegen, Freunde und Familien – waren plötzlich da und haben geholfen“, beschreibt Walther die Situation beim Umbau.

Bühne aus Coca-Cola-Kisten mit Holz

Umbauarbeiten für das English Theatre in Hamburg

An den Umbauarbeiten beteiligen sich viele Freunde und Kollegen.

Hier und da wird auch improvisiert – zum Beispiel unter der Bühne: „Die Coca-Cola-Firma hat uns Cola-Kisten zur Verfügung gestellt. Da kam Holz drauf, das war die erste Bühne“, erläutert John Walther. Leute hätten sich teilweise darüber lustig gemacht, dass das Englische Theater seine Stücke auf Cola-Kisten aufführt.

Nach ein paar Jahren werden die Kunststoff-Kisten durch eine Holzbühne ersetzt – und Laien-Schauspieler wie John Walther durch Profis aus London. Walther hat sich damit arrangiert: „Ich hab als Sprachlehrer meine Bühne im Unterrichtsraum, das reicht mir vollkommen.“

„Wir können alles schaffen“

Michael Medlinger vom English Theatre Hamburg

Michael Medlinger beweist einen langen Atem bis zum Erfolg.

Michael Medlinger bleibt seiner Rolle hinter den Kulissen treu. Ob das Theater erfolgreich sein wird, weiß er lange nicht. Bis zur Premiere der Krimikomödie „Corpse“ (Leiche) 1987 und dem Gelingen einer aufwendigen, schwenkbaren Bühnenkonstruktion. „Als das erste Mal das Bühnenbild gewechselt wurde, gab es spontan Applaus“, erzählt Medlinger. Technisch sei das sehr schwierig gewesen. Zu Clifford Dean habe er damals gesagt: „Wenn wir das geschafft haben, können wir alles schaffen.“

Und dem Publikum gefällt der britische Humor des Stücks auch. Die Schauspieler schießen und stechen sich direkt in die Herzen der Hanseaten.

Traum lebt weiter

Und so lebt der Traum der beiden Amerikaner mittlerweile seit 1976. Auch, wenn auf der Bühne des English Theatre of Hamburg nach wie vor regelmäßig gestorben wird.

Andre Dassow verkauft im einzigen britischen Lebensmittelladen Hamburgs Marmite, Tee und Shepherds Pie . Auch sein Zuhause ist eine Art britisches Museum.

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