Der Brenner-Basistunnel (BBT) stellt ein gigantisches Bauprojekt dar. Als eines der größten und wichtigsten Eisenbahnprojekte Europas soll er den Güter- und Personenverkehr zwischen Österreich und Italien revolutionieren. Züge sollen die 64 Kilometer zwischen Innsbruck in Österreich und Franzenfeste in Italien in rund 25 Minuten überwinden können. Eine nachhaltige Verlagerung von der Straße – auf die Brennerautobahn entfallen laut der Tagesschau jedes Jahr rund 2,5 Millionen LKW-Transitfahrten – auf die Schiene erscheint dadurch möglich.
Damit auch der Güter- und Personenverkehr in Deutschland profitieren kann, soll der Brenner-Nordzulauf eine Verbindung bis nach München schaffen. In Österreich und Italien gehen die Bauarbeiten voran, doch in Deutschland wurde noch nicht einmal mit ihnen begonnen. Woran liegt das und wie sieht der Zeitplan aus?
Brenner-Nordzulauf: Wie sehen die aktuellen Pläne aus?
Die Strecke zwischen München und Verona gilt schon seit mehr als 150 Jahren als eine der wichtigsten Eisenbahnrouten Europas, blicken DB und ÖBB auf der offiziellen Website für das Projekt Brenner-Nordzulauf zurück. Pläne rund um ein Projekt wie den Brenner-Basistunnel gibt es schon seit mehr als 30 Jahren. Eine erste Machbarkeitsstudie geht auf das Jahr 1989 zurück. Nun soll es zum ersten Mal eine durchgehende Flachbahn zwischen München und Verona geben. Der Brenner-Nordzulauf ist dafür von zentraler Bedeutung.
Als die aktuellen Pläne Gestalt annahmen, gab es schon 2012 eine Einigung darüber, dass in Österreich und Deutschland ein Brenner-Nordzulauf in Form einer leistungsfähigen Bahnstrecke zwischen Innsbruck und München entstehen soll. Seit Mitte 2022 steht der Streckenlauf fest, nach langen Debatten und Planungen über die Trassenführung. „Die Variante wurde im Dialog mit der Region entwickelt. Dafür gab es über 270 Sitzungen von Dialogforen, sowie Infoveranstaltungen und hunderte Einzelgespräche“, berichtete eine Sprecherin der Deutschen Bahn dem Bayerischen Rundfunk (BR).
Das Bauprojekt teilt sich in sechs größere Planungsabschnitte auf, wie auf der Website des Projekts erklärt wird:
- Trudering-Grafing: Blockverdichtung
- Grafing-Ostermünchen: Neubau
- Ostermünchen-Innleiten: Neubau
- Innleiten-Kirnstein: Neubau
- Kirnstein-Schaftenau: Neubau im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Österreich
- Schaftenau-Knoten Radfeld: Neubau
Auch interessant: Auch jetzt gibt es schon einige Brenner-Alternativen, die unter bestimmten Umständen Zeit und Nerven sparen können. Bei einer der Alternativen wird aktuell allerdings eine Extra-Maut diskutiert.
Wann beginnt der Bau des Brenner-Nordzulaufs in Deutschland?
Obwohl der Streckenlauf seit mehreren Jahren feststeht, hat der Bau des Brenner-Nordzulaufs auf der deutschen Seite noch nicht begonnen. Das hat größtenteils mit starken Protesten von Anwohnerinnen und Anwohnern zu tun. Vor allem rund um Rosenheim haben sich mehrere Bürgerinitiativen gebildet. Eine davon ist die Bürgerinitiative Nordzulauf Kolbermoor, die sich den sofortigen Planungsstopp der Neubaustrecke zum Ziel gemacht hat.
Unterdessen sind die Planungen für das Bauvorhaben noch nicht abgeschlossen. Das Bundesverkehrsministerium hatte dem BR mitgeteilt, dass das Projekt im ersten Halbjahr 2026 in die parlamentarische Befassung gehen soll. Doch bislang wurde dem Bundestag nichts vorgelegt, was beschlossen werden könnte.
Selbst wenn der Bundestag das Projekt durchwinken sollte, muss bis zum Baubeginn noch viel passieren. Eine Bahn-Sprecherin teilte dem BR mit, dass Planung und Umsetzung von Infrastrukturprojekten komplexe Prozesse seien, die viel Zeit in Anspruch nehmen würden. Auch Anwohnerinnen und Anwohner könnten das Projekt nach einem Beschluss im Bundestag blockieren und den Rechtsweg einschlagen. Wann der Bau des Brenner-Nordzulaufs beginnen kann, ist daher momentan nicht abzusehen.
Wann könnte der Brenner-Nordzulauf fertiggestellt werden?
Die Arbeiten am Brenner-Basistunnel sind in den letzten Jahren gut vorangekommen. Laut der Projektseite wurden mittlerweile rund 90 Prozent der Tunnelbohrarbeiten abgeschlossen. Danach müssen die Innenarbeiten durchgeführt werden. Momentan rechnen die Verantwortlichen mit einer Fertigstellung im Jahr 2032. Zu Beginn des Bauprojekts war 2028 als Ziel ausgegeben worden.
Sollte der Brenner-Basistunnel Anfang der 2030er-Jahre eröffnet werden, dürfte der Weg zum Brenner-Nordzulauf noch immer weit sein. Der BR berichtet unter Berufung auf die Bahn, dass mit einer Fertigstellung vor dem Jahr 2040 nicht zu rechnen ist. Laut der Tiroler Politikerin Andrea Haselwanter-Schneider droht daher ein „milliardenteurer Geistertunnel“, zitiert der Focus. Der Unmut in Österreich wachse, da Deutschland bremse, während Österreich und Tirol zahlen würden.
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