Seine Familie und Freunde hätten ihm einen Tag nach dem Spiel im Hotel gesagt, er habe „eigentlich ein gutes Spiel gemacht“, sagte Schlotterbeck jüngst in der ARD-Dokumentation „WM-Wahnsinn und Titelträume – Deutschland bei der Mega-WM“ – trotz der Beteiligung am 1:2. Dennoch wurde die Situation für den Defensivakteur innerlich zur Zerreißprobe.

„Das mediale Echo war so groß, dass ich mir nach ein, zwei Tagen dachte: Entweder meine Familie lügt mich an und meine Freunde, oder, ich war wirklich scheiße.“ Auch lange Zeit später konnte er die Partie nicht aus seinen Gedanken streichen. „Mich hat das Tage verfolgt, auch Wochen, Monate“, so Schlotterbeck.

Das „Katar-Trauma“ endete erst bei der EM

Wie schlecht es ihm nach dem Ausscheiden in Katar ergangen war, hatte heute 26-Jährige derweil schon einmal offenbart. Im vergangenen Dezember erklärte er bei Prime Video, dass die Monate nach der WM „sehr, sehr hart“ gewesen seien. „Ich habe Kritik abbekommen, sehr, sehr viel Kritik“, erklärte Schlotterbeck.

Wirklich losgeworden sei er die für ihn belastende Thematik dann auch erst beim EM-Achtelfinale 2024 gegen Dänemark (2:0). Die ersten zwei Gruppenspiele saß Schlotterbeck noch auf der Bank, im dritten wurde er in der zweiten Hälfte eingewechselt. Gegen Dänemark stand er erstmals wieder in der Startelf, weil Jonathan Tah gelbgesperrt fehlte. Auf der Pressekonferenz vor dem Achtelfinale wurde er darauf angesprochen, ob das Spiel gegen Japan noch etwas mit ihm mache. „Und da hat man gesehen, was das noch für Auswirkungen hat. Es ist anderthalb Jahre her, aber die Leute, die sprechen das immer noch mit mir an.“

Im Video | Sie ist die Frau an Schlotterbecks Seite

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Im Spiel selbst habe er sich dann „extrem viel Druck gemacht und auch extrem viel Druck verspürt“, sagte Schlotterbeck. Doch eine überzeugende Leistung gegen die Skandinavier veränderte alles. „Die Leute haben gesehen, der kann was“, erinnerte er sich. Das „Katar-Trauma“, wie Schlotterbeck es selbst nannte, war damit beendet.

Die Weltmeisterschaft 2026 sollte für ihn dementsprechend noch einmal zu einem Neuanfang im DFB-Dress werden, zu einem Turnier, an dessen Ende er nach einem unglücklichen ersten WM-Auftritt 2022 als großer Gewinner dasteht. An der Seite von Abwehrboss Jonathan Tah wollte der Linksfuß als einer der Schlüsselspieler von Bundestrainer Julian Nagelsmann mit dem DFB-Team nach dem Titel greifen. Dabei eine prominente Rolle zu spielen, wäre für Schlotterbeck letztlich die endgültige Erlösung von emotionalen Altlasten gewesen. Die bleibt ihm nun jedoch mindestens weitere vier Jahre verwehrt.