Architektur ist wesentlich mehr als Planung und Errichtung neuer Gebäude. Bauwerke können Kunst sein, stilprägend und sinnstiftend, aber sie geben auch Auskunft über den jeweiligen Zeitgeist, was Menschen zum Zeitpunkt der Erbauung eigentlich ansprechend fanden. Was war sinnvoll, was war vernünftig, was verrückt oder gar schräg? Neue Bauwerke rückt der Tag der Architektur bundesweit am kommenden Sonntag, 28. Juni, in den Fokus der Öffentlichkeit. Auch in Kleve sind zwei Neubauten an diesem Tag für die Öffentlichkeit zu besichtigen.
Den Auftakt macht die Erweiterung der Willibrord-Grundschule in Kellen. Die Schule wurde durch einen zweigeschossigen Holzbau ergänzt, der mehrere Clusterbereiche, eine Mensa sowie Räume für den Offenen Ganztag umfasst. Die neuen Bereiche sind um offene Lernzonen angeordnet und schaffen Raum für flexibles Arbeiten, Kommunikation und inklusives Lernen. Der Holztafelbau mit Holzfassade und Gründach setzt konsequent auf nachhaltige Materialien. Auch im Inneren prägen natürliche Oberflächen und sichtbare Holzkonstruktionen die Gestaltung. Das teilte das Architekturbüro Kremer und Partner aus Bochum mit, das den Neubau geplant und umgesetzt hat. Architekt ist Nils Schäfer.
Am Nachmittag steht der Neubau des Funktionsgebäudes am Sportzentrum Oberstadt im Mittelpunkt. Auch dieses Projekt hat das Büro Kremer und Partner verantwortet. Mit dem Sportzentrum ist in Kleve eine neue Sportanlage entstanden, deren Funktionsgebäude ebenfalls in Holztafelbauweise errichtet wurde. Ergänzt wird das nachhaltige Konzept durch ein Gründach und eine Photovoltaikanlage. Natürliche Materialien und Sichtholzoberflächen bestimmen sowohl die Fassadengestaltung als auch die Innenräume. Neben Umkleiden und Sanitärbereichen bietet das Gebäude multifunktional nutzbare Versammlungsräume, die von den ansässigen Sportvereinen flexibel genutzt werden können.
Die Besichtigung des Sportzentrums Oberstadt ist möglich am Sonntag, 28. Juni, von 13 bis 15 Uhr, Führungen beginnen um 13 Uhr und 14 Uhr. Die Adresse: Materborner Allee 71, 47533 Kleve. Für den Bau des Funktionsgebäudes auf dem Gelände der ehemaligen Siegfried-Kampfbahn rechnete die Stadt mit Kosten in Höhe von knapp 5,1 Millionen Euro. Zwei Millionen Euro sollten vom Bund als Fördermittel kommen. Die Tiefbauarbeiten haben weitere 1,8 Millionen Euro gekostet, insgesamt rechnet man mit Kosten in Höhe von mehr als sieben Millionen Euro.
Beide Gebäude sind auch für Kranenburg interessant. Denn das Architekturbüro Kremer und Partner ist aktuell auch in der Grenzgemeinde mit der Erweiterung der Grundschule in Nütterden tätig. Die Führungen im Rahmen des Tags der Architektur werden vom Architekten Nils Schäfer durchgeführt. Dabei erhalten die Besucher Einblicke in die architektonischen Konzepte, die nachhaltige Bauweise sowie die besonderen Anforderungen der jeweiligen Projekte. Beide Klever Bauprojekte stehen beispielhaft für nachhaltiges Bauen, den Einsatz nachwachsender Rohstoffe und moderne Nutzungskonzepte.
Die Teilnahme an den Besichtigungen und Führungen ist kostenfrei. Weitere Informationen zum Programm sowie zu allen teilnehmenden Projekten in Nordrhein-Westfalen gibt es unter www.aknw.de/tda. In NRW beteiligen sich insgesamt 141 Bauwerke in 76 Städten und Gemeinden am Tag der Architektur. Von Wohnungen in einer umgebauten Scheune über neue Wohnkomplexe auf ehemaligen Brachflächen bis hin zu universitären Forschungszentren, einem Campus für Digitalisierung, Kirchenumnutzungen und Experimentalbauten reicht die Vielfalt der Besichtigungsobjekte, wie die Architektenkammer mitteilte.
„Was mich an den 141 Projekten dieses Jahrgangs besonders freut: Die Mehrzahl sind keine Neubauten, sondern entwickeln den Gebäudebestand weiter“, sagt Katja Domschky, Präsidentin der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. „Die Planenden haben Bestehendes weitergedacht – klug, nachhaltig, mit Respekt vor dem, was schon da war. Das ist kein Kompromiss, das ist Haltung.“