Das Bayerische Kabinett hat heute den Weg für ein milliardenschweres Bauprogramm freigemacht. Das haben Ministerpräsident Markus Söder und Wissenschaftsminister Markus Blume (beide CSU) in München bekannt gegeben. Bestandteil des Pakets ist der Neubau der Uniklinik in Augsburg, für den ebenso wie für die Unikliniken in München und Würzburg grünes Licht gegeben wurde. Allerdings sind auch nach diesen Ankündigungen viele Details offen.

Augsburg, Würzburg, München: Diese drei Unikliniken will Bayern bauen

Insgesamt will Bayern bis Ende des kommenden Jahrzehnts drei neue Unikliniken betriebsbereit haben. Neben Augsburg stehen die Großkrankenhäuser in Würzburg und München-Großhadern zunächst mit einem ersten Bauabschnitt auf dem Programm. Strittig waren aber innerhalb der Staatsregierung bis zuletzt die baulichen und finanziellen Dimensionen. Im Raum stand ein zweistelliger Milliardenbetrag. Genaue Zahlen hielten die Koalitionspartner sorgsam unter Verschluss. Erst am Montagabend haben sich CSU und Freie Wähler in einer langen und teilweise kontrovers geführten Sitzung auf eine gemeinsame Marschroute geeinigt – danach sollen die Kosten für alle drei Häuser unter zehn Milliarden Euro liegen. Allein für Augsburg seien fünf Milliarden vorgesehen.

Überdies will der Freistaat für Bau und Betrieb des Uniklinikums in Augsburg einen privaten Partner suchen. Diese Form eines Joint Ventures ist neu in Bayern. Die Uniklinik in Würzburg wird dagegen vom Freistaat ausgebaut und betrieben, in München-Großhadern soll ein privater Generalunternehmer den Bau übernehmen. 

Mit dem Bau der Uniklinik in Augsburg, die das marode Hauptgebäude ersetzen soll, sind in Augsburg hohe Erwartungen verbunden. Der Milliardenbau soll das neue Herzstück der Universitätsklinik werden, mit der der Freistaat die medizinische Versorgung auf höchstem Niveau in der Stadt sichert. Geplant ist bislang eine Großklinik mit mehr als 1500 Betten, die zu den modernsten in Europa zählen soll. Eigentlich sollen es sogar zwei Kliniken werden: eine für Akutmedizin, die andere für geplante Eingriffe. Das vereinfacht die Abläufe und dient dem Wohl von Patienten und Krankenhaus. Daneben bringt das Großprojekt Arbeitsplätze und Studierende in die Stadt. Schon heute hat die Uniklinik, die aus dem einst kommunalen Augsburger Klinikum hervorgegangen ist, an die 7800 Beschäftigte.

CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek bezeichnete die Augsburger Uniklinik gegenüber unserer Redaktion als „immens wichtig für die Versorgung der Menschen auch auf dem Land“. Die Uniklinik werde Innovation und Forschung voranbringen und für wirtschaftliche Impulse sorgen. „Das wird ein echtes Leuchtturm-Projekt für Schwaben.“ Deutlich weniger euphorisch klingt der Finanz-Experte der Freien Wähler, Bernhard Pohl: „Wir brauchen die Uniklinik, das ist keine Frage. Wir müssen sie uns aber auch leisten können.“ Pohl warnt schon länger vor den ausufernden Kosten für den Bau der Großkrankenhäuser. Nun seien diese auf „ein erträgliches Maß“ begrenzt worden. „Das ist positiv.“

Erste Reaktionen auf den geplanten Neubau der Uniklinik in Augsburg

Teil des Kabinettsbeschlusses vom Dienstag ist zudem ein großes Sanierungsprogramm für Universitätsgebäude in ganz Bayern. Hier will der Freistaat auf Geld aus dem schuldenfinanzierten Sondervermögen des Bundes zurückgreifen. Für den Bau der Unikliniken ist die Finanzierung bislang bis 2029 gesichert. Danach hofft die Regierung auf höhere Steuereinnahmen. Bleiben die aus, muss Bayern möglicherweise das machen, was bislang tabu war: neue Schulden.