Eine Aktion der Düsseldorfer Jonges gegen Obdachlose am Ratinger Tor hat die Stadtverwaltung auf den Plan gerufen: Der Heimatverein hatte Schilder aufgehängt mit dem Aufdruck „Privatgrundstück – Lagern unter den Ratinger Tor-Arkaden ist verboten“. Die Stadt ist irritiert, der Verein will die Sache „im konstruktiven Dialog klären“.

Die Jonges (mehr als 3400 Mitglieder) nutzen und unterhalten den Nordflügel des ehemaligen Zolltors am Rand des Hofgartens seit mehr als 40 Jahren. In dem aufwendig hergerichteten „Haus des Brauchtums“ gibt es unter anderem einen Saal für 20 Personen.

Die andere, südliche Seite des Ratinger Tors steht leer. Früher war dort ein Atelier des Künstlers Markus Lüpertz, zuletzt hatten dort der Cellist Thomas Beckmann und seine Frau gelebt. Beide sind verstorben. Die Stadt will das südliche Gebäude als Kulturort ausschreiben.

Rund um den leeren Teil des Ratinger Tors haben sich mehrere Obdachlose niedergelassen. Am nördlichen Haus, wo die Jonges residieren, liegen keine Schlafsäcke. Ob es an den Aushängen liegt, ist unklar.

Die Stadt als Besitzerin der beiden Häuser am Ratinger Tor ist dem Vernehmen nach von den Plakaten wenig begeistert. Offiziell hieß es dazu von einem Rathaus-Sprecher: „Das Anbringen des betreffenden Aushangs im Säulenvorraum des Ratinger Tores war der Verwaltung im Vorfeld nicht bekannt. In der Sache wird unverzüglich Kontakt mit dem Heimatverein Düsseldorfer Jonges e. V. aufgenommen.“

Die Jonges ließen ausrichten: „Die Angelegenheit wird derzeit gemeinsam mit allen beteiligten Stellen erörtert. Als Mieter des Ratinger Tores sehen wir uns in der Verantwortung, das historische Gebäude sorgsam zu behandeln und zu seinem Erhalt beizutragen.“

Zugleich arbeite man „seit Jahrzehnten vertrauensvoll mit der Landeshauptstadt Düsseldorf zusammen. Wir gehen davon aus, dass sich auch dieser Sachverhalt im konstruktiven Dialog klären wird.“

Das Thema Obdachlosigkeit liegt Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) am Herzen. Vor einem Jahr kündigte er im Wahlkampf an, dass er die Straßenobdachlosigkeit beenden wolle. Allerdings nicht durch Verbote, sondern genug Wohnungen und Betreuung. Erst vor wenigen Tagen besuchte Keller das Projekt „Housing First“, mit dem 150 Menschen von der Straße geholt wurden.

So einen Ansatz würde sich Oliver Ongaro von der Obdachlosen-Hilfe „fiftyfifty“ auch von den Jonges wünschen: „Eine großzügige Spende für Housing First würde den Jonges besser zu Gesicht stehen als so ein Aushang, der nur sagt: Obdachlosigkeit bitte nicht vor meiner Haustür.“ Der Verein solle gerade wegen seiner Bedeutung in der Stadtgesellschaft eine Vorbildfunktion übernehmen, so Ongaro – „und etwas tun, damit weniger Menschen auf der Straße leben.“