Kein anderer einzelner Architekt hat die Neustadter Stadtlandschaft nach 1945 mehr geprägt als Gerhard Dürr, der aber auch an vielen anderen Orten in der Pfalz vor allem mit öffentlichen Gebäuden Akzente setzte. Jetzt ist er im Alter von 93 Jahren gestorben.
Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium, Hetzelstift, Schulzentrum Böbig, Paul-Gerhardt-Haus, die Verbandsgemeinderathäuser von Maikammer und Deidesheim, das Werner-Heisenberg-Gymnasium in Bad Dürkheim , das Amtsgericht in Grünstadt – die Liste der Bauten, die Gerhard Dürr in mehr als 50 Jahren allein in der näheren Umgebung realisiert hat, ist lang. 43 Preise bei Wettbewerben stehen auf dem Konto seines 1960 in Neustadt gegründeten Büros, hat er vor einigen Jahren einmal ausgerechnet. Fragte man ihn nach seinem wichtigsten und liebsten Gebäude, fiel ihm die Antwort trotzdem nie schwer: Es war das KRG, das er 1966-69 auf dem Gelände der alten Stadtgärtnerei im Neustadter Osten errichtete, ein strenger, innen wie außen klar gegliederter Sichtbetonbau in Form einer um ein großes Atrium herumgeführten quadratischen Vierflügelanlage. Umso stolzer war, als das Gymnasium 2020 zum Denkmal erklärt wurde.
Dass sich der 1932 in Linkenheim nördlich von Karlsruhe geborene Sohn einer traditionell im Bauhandwerk tätigen Familie als gerade einmal 32-Jähriger beim Wettbewerb für diesen prestigeträchtigen Auftrag durchsetzte, hatte nicht zuletzt mit den Erfahrungen zu tun, die er sich bis dahin schon auf diesem Gebiet erworben hatte: Bereits seine allererste Aufgabe – 1954, noch als Student am Staatstechnikum, der späteren Fachhochschule in Karlsruhe realisiert – war ein Schulprojekt: die Landwirtschaftsschule im mittelbadischen Lahr. 1957-59 betreute er, noch als Angestellter des Karlsruher Büros Hirsch & Bohne, den Neubau der Volksschule in Neidenfels. Dieses Projekt war für Dürr die Eintrittskarte in die Pfalz. Bis ins hohe Alter suchte er regelmäßig sein Büro in der Neustadter Pfalzgrafenstraße auf, wo zuverlässig seine Sekretärin auf ihn wartete. Diese Weltzugewandtheit habe er sich auch bis zuletzt bewahrt, sagt sein Sohn Martin Dürr, der gleichfalls Architekt ist, sein Büro allerdings nach Karlsruhe verlegte. Seine Schwester steht als Professorin für Städtebau an der Hochschule in Karlsruhe kurz vor der Emeritierung. Außerdem hinterlässt Dürr noch einen weiteren Sohn und sechs Enkel. Die Beerdigung findet am Mittwoch, 24. Mai, um 15 Uhr auf dem Hambacher Friedhof statt. Voraus geht ein Trauergottesdienst um 13 Uhr in der Pauluskirche.