Skurriler Auftritt beim Digitalfestival

Dieser Mann hat eine Antenne im Kopf und hört Farben

23.06.2026 – 18:08 UhrLesedauer: 3 Min.

Neil Harbisson unter anderem eröffnet das Nürnberger Digital-Festival.Vergrößern des Bildes

Neil Harbisson bei der Eröffnung des Nürnberger Digitalfestivals: Sein interaktiver Vortrag beeindruckte viele im Publikum. (Quelle: Meike Kreil/t-online)

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Neil Harbisson bezeichnet sich selbst als „Cyborg“, einer Mischung aus Mensch und Maschine. In einer außergewöhnlichen Performance demonstriert er beim Digitalfestival, was das bedeutet.

Er wirkt zunächst unscheinbar, als er die Bühne der Kleinen Meistersingerhalle vor Hunderten von Menschen betritt. Ein kleiner, ruhiger Mann, mit einem extravaganten Haarschmuck, der zunächst nicht auffällt. Es dauert nicht lange, bis Neil Harbisson das Publikum zum Staunen bringt. Denn der scheinbare Haarschmuck ist eine Antenne: Harbisson versteht sie als Teil seines Körpers, als zusätzliches Sinnesorgan. Am Ende staunt das Publikum ob eines kleinen Konzerts, das der „Cyborg“ aus Menschen erschafft.

Zum Auftakt des Nürnberg Digital Festival 2026 kommt die Digital- und Tech-Community der Metropolregion am Montagabend in der Meistersingerhalle zusammen. Im Foyer geht es um Austausch und die Präsentation neuester Technik. Zur Eröffnung stellt Bayerns Digitalminister Fabian Mehring etwa die Bedeutung Nürnbergs als Tech-Standort dar. Christian Kroll von Ecosia präsentiert eine umweltbewusste Antwort auf Google aus Europa. Und später dann konfrontiert Harbisson das Publikum mit der grundsätzlichen Frage: Was passiert, wenn Technik nicht mehr nur benutzt wird, sondern mit dem Körper verschmilzt?

Von der Fabrik bis unter die Haut

Harbisson beginnt mit einem kurzen Gang durch die Technikgeschichte. Erst sei Technologie in die Städte gekommen, sagt er sinngemäß auf Englisch: in Form von Fabriken, Maschinen, Zügen. Später zog sie in die Wohnungen ein, mit Radios und Fernsehern. Dann begannen Menschen, Technik am Körper zu tragen, etwa Walkmans und Telefone.

Nun, sagt Harbisson, gehe es um den nächsten Schritt. Technik sei nicht mehr nur um den Menschen herum, sie werde Teil des Menschen selbst. Harbisson ist eines der bekanntesten Beispiele für diese Idee. Er bezeichnet sich selbst als Cyborg.

Neil Harbisson kann Menschen in Farben und Klängen hören - das beweist er in einem kleinen Konzert.Vergrößern des BildesNeil Harbisson kann Menschen in Farben und Klängen hören – das beweist er in einem kleinen Konzert. (Quelle: Meike Kreil/t-online)

Geboren wurde er 1982, aufgewachsen ist er in Katalonien. Von Geburt an sieht er die Welt wegen Achromatopsie – einer angeborenen Farbenblindheit –, in Grautönen. Seit 2004 nutzt er eine Antenne, die er sich in den Kopf hat implantieren lassen und mit der er Farben als Klänge beziehungsweise Schwingungen wahrnimmt. Bekannt wurde er auch, weil britische Behörden ihm schließlich erlaubten, auf seinem Passfoto mit der Antenne zu erscheinen.

Keine KI, sondern neue Sinne

Für Harbisson gehe es nicht mehr nur um künstliche Intelligenz. Vielmehr spricht er von künstlichen Sinnen. Das zeigt er an mehreren Beispielen: Es gibt Menschen, die seismische Aktivität als Vibration im Körper spüren, kosmische Strahlung wahrnehmen oder mit einem Implantat körperlich erfassen können, wo Norden ist.