Entwicklungspotenzial sehe ich vor allem im Austausch. Ich würde mir wünschen, dass sich Kollektive, Veranstaltende, Kulturschaffende und Räume wie Clubs noch stärker miteinander vernetzen. Viele kämpfen mit ähnlichen Herausforderungen, oft aber nebeneinander statt miteinander. Außerdem sollten wir Clubsterben nicht nur aus einer wirtschaftlichen Perspektive betrachten, sondern auch aus einer sozialen. Natürlich spielen steigende Kosten, Gentrifizierung und fehlende Freiräume eine große Rolle. Gleichzeitig sollten wir uns aber auch fragen, warum Menschen teilweise wegbleiben.

Ich glaube, dass sowohl die zunehmende Vereinzelung unserer Gesellschaft als auch die wachsende Einsamkeit vieler Menschen dabei eine Rolle spielen. Gerade junge Menschen stehen unter finanziellem Druck, verbringen mehr Zeit online und haben oft weniger feste soziale Räume als frühere Generationen. Dazu kommen Unsicherheiten und negative Erfahrungen im Nachtleben, die Menschen davon abhalten können, auszugehen.

Dadurch wird es schwieriger, neue Menschen kennenzulernen, Gemeinschaft zu erleben und Kultur aktiv mitzugestalten. Clubs und kulturelle Orte sind deshalb nicht nur Orte zum Feiern, sondern auch wichtige soziale Räume. Wenn sie verschwinden, verlieren wir nicht nur Veranstaltungsorte, sondern auch Orte der Begegnung, Zugehörigkeit und Gemeinschaft.

Umso wichtiger finde ich Initiativen wie die Tanzdemo Stuttgart oder das Sunny High. Sie zeigen, dass Themen wie Subkultur, Freiräume, Sicherheit, kulturelle Teilhabe und Community zusammengedacht werden können. Genau solche Orte und Netzwerke brauchen wir, wenn wir möchten, dass Menschen wieder Lust bekommen, sich zu begegnen, gemeinsam zu feiern und Kultur aktiv mitzugestalten.

Ich glaube, Stuttgart hat unglaublich viel Potenzial. Die Menschen und die Ideen sind da. Jetzt müssen wir stärker zusammenarbeiten und die Strukturen schaffen, die diese Energie langfristig tragen können.