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Berlin und Guns N’ Roses – sie haben sich wieder lieb.
Rückblick: Es war Juni 2018. Ein Abend, den viele Fans im Berliner Olympiastadion am liebsten vergessen würden. Guns N’ Roses lieferten damals beim Tourauftakt eine legendäre Show ab, legendär schlecht. BILD titelte gnadenlos: „Axl Rose – das ging in die Hose“.
Acht Jahre folgte später die Rückkehr in die deutsche Hauptstadt. Zwei Konzerte in Berlin. Die große Frage: Können die Rock-Giganten es noch?
Die Antwort donnerte um Punkt 19.45 Uhr aus den Boxen.
„Welcome to the Jungle!“
Und plötzlich war klar: Die Gunners sind zurück.
Drei Stunden lang verwandelten Axl Rose (64), Slash (60) und Duff McKagan (62) die Uber Arena in einen Hexenkessel aus Gitarren, Schweiß und Stadion-Rock. Eine Hitzeschlacht zwischen Welthits, Wahnsinn und ganz viel Nostalgie.
Doch von vorne.
Schon die Vorband Mammoth machte klar, dass dieser Abend kein Warm-up werden würde. Wolfgang Van Halen (35), Sohn der verstorbenen Gitarren-Legende Eddie Van Halen (†2020), fegte mit seiner Band über die Bühne. Die Folge: Überraschend leere Bierstände. Berlin wollte Rock. Und Mammoth servierte die perfekte Vorspeise.
Dann der Hauptgang. Pünktlich auf die Minute. Früher gehörte Axls legendäre Unpünktlichkeit fast schon zur Show. Diesmal nicht. Der Startknopf wird gedrückt – und die Band legt mit „Welcome to the Jungle“ los. Einfach so. Als Opener. Weil sie es können.
Natürlich richteten sich alle Blicke auf den Frontmann. Hält die Stimme? Der Opener liefert die Antwort. Jaaaa!
Die Erleichterung in der Arena ist fast greifbar. Der Sound drückt gewaltig, Axl trifft – fast immer – die Töne, und die Fans drehen durch. Die ersten 45 Minuten sind eine einzige Machtdemonstration. „Mr. Brownstone“, „It’s So Easy“, das frenetisch gefeierte „Live and Let Die“ und das brachiale „You Could Be Mine“ jagen durch die Halle. Willkommen zurück in der goldenen Ära von Guns N’ Roses. Mit dem epischen „Estranged“ endet das erste Kapitel eines Abends, der immer größer wird.
Hommage an Ozzy
Danach wird’s wild. Bob Dylan bekommt gleich zwei Ehrenrunden spendiert, darunter natürlich „Knockin’ On Heaven’s Door“. Dazu ein düsteres „Sabbath Bloody Sabbath“ samt bewegender Ozzy-Osbourne-Hommage auf den Leinwänden.
Und dann kommen die neueren Songs wie „Atlas“ und „Nothin“. Axl weiß selbst, dass nicht jeder Fan darauf gewartet hat. „Keine Angst, das geht schnell“, grinst er. Die Uber Arena lacht. Berlin hat das Debakel von 2018 längst vergessen.
Als ein Fan „Axl, ich liebe dich!“ brüllt, kommt die Antwort sofort zurück: „Ich liebe euch auch!“
Kitschig? Ja. Aber genau solche Momente wollen wir. Auch Bassist Duff McKagan bekommt seine Bühne. Mit der Misfits-Nummer „Attitude“ wird es rotzig – stilecht im Muskelshirt des deutschen Nationalteams.
Nach zwei Stunden wird endgültig die Hit-Kanone gezündet. „Sweet Child O’ Mine“ beendet den etwas verspielten Mittelteil des Konzerts. Tausende Luftgitarren gehen in die Höhe. Berlin singt jede Zeile mit. Und dann kommt er. Der Moment. „November Rain“.
Gänsehaut bei „November Rain“
Axl sitzt am Flügel. Slash steht vor einer gigantischen Regenwand und lässt sein Solo durch die Berliner Nacht fliegen. Im Hintergrund explodiert eine Kirche auf den Leinwänden. Weniger wäre bei Guns N’ Roses auch irgendwie verdächtig.
Nach zweieinhalb Stunden folgt das Finale. „Paradise City“. Die Halle springt. Singt. Brüllt. „Take me down to the Paradise City …“ Niemand will nach Hause.
Für ein paar Minuten verschwinden Alltag, Krisen und schlechte Nachrichten. Stattdessen feiern 15.000 Menschen ihre Jugend, ihre Helden und das gute Gefühl, dass manche Dinge einfach unsterblich bleiben. Auch wenn die Welt sich verändert.
Guns N’ Roses und Berlin? Das ist wieder Liebe. Und weil Liebe bekanntlich süchtig macht, gibt’s am Donnerstag direkt Nachschlag.
Wieder Mammoth. Wieder Guns N’ Roses. Wieder: „Welcome to the Jungle.“