Heatmap von München zeigt Gefahrenstellen
Mitmachen kann jeder, der ein Smartphone und eine Halterung fürs Fahrrad hat. Bisher gibt es die App in London, Amsterdam – und München. Die Betreiber wollen sie in weiteren bayerischen Städten anbieten. In München machen bislang etwa 400 Radfahrende mit, mehr als 900 Gefahrenorte hat Buschings Team verifiziert.
Busching sieht erste Muster: „Stellen, die schlecht ausgebaut sind, wo enge Fahrradwege und Baustellen sind, da kommt es zu sehr vielen Risikosituationen.“ Die Heatmap zeige aber auch: „Stellen, die gut ausgebaut sind, mit breiten Radwegen, da passiert deutlich weniger. Man sieht, dass Maßnahmen wirklich Wirkung zeigen.“
Mehr Fahrradunfälle 2025 in Bayern
In Bayern passierten 2025 mehr Unfälle mit Fahrradfahrern: Laut der Verkehrsunfallstatistik wurden etwa 18.500 Radfahrende verletzt, 600 mehr als im Jahr zuvor. 82 kamen ums Leben. Die meisten Radunfälle passierten laut Innenministerium in München: 3.026, sechs Radfahrer starben. Danach folgen Nürnberg und Augsburg.
Die Unfallstatistik ist die Handlungsgrundlage für die Stadt München. Denn diese Daten seien „objektiv und gerichtsfest“, teilte das Mobilitätsreferat auf Anfrage mit. Ergebnisse von „Go-Bike“ nutzt sie bisher nicht. Auch perspektivisch könne die App nur „nützliche zusätzliche Hinweise“ bieten.
Radentscheid: Infrastruktur verbessern, bevor Unfall passiert
Für Holger Quick vom Bündnis Radentscheid München greift das zu kurz: „Verbesserungen in der Infrastruktur auf dokumentierte Unfälle zu basieren, das ist für uns ein Unding. Wenn ein Unfall passiert ist, ist das immer eine Stufe zu spät.“
Die App biete einen Mehrwert, indem sie eine objektive Grundlage für Verbesserungen liefere. „Wenn wir jemals die Vision Zero erreichen wollen, müssen wir reagieren und die Radinfrastruktur verbessern“, sagt Quick mit Blick auf das Ziel der Stadt, dass niemand im Straßenverkehr getötet oder schwer verletzt werden soll. Er hofft, dass die Stadt die Daten künftig doch nutzt.
Wissenschaft: Sicherheitsgefühl entscheidend für Radfahrer
Auch die Wissenschaft arbeitet mit den Daten und Videos der App, etwa die Mobilitätsexpertin Monika Popp von der LMU München. Sie will herausfinden, wann Radfahrende sich unsicher fühlen. Denn manchmal werde auch eine gute Infrastruktur als unsicher erlebt, etwa durch Hindernisse auf dem Fahrradweg: Mülltonnen, Einfahrten oder aufgehende Türen führten dazu, dass Fahrradfahrer in Alarmbereitschaft seien, sagt Monika Popp. Sie betont: „Wir sehen, dass in Deutschland die Hälfte der Menschen gar nicht oder sehr selten Fahrrad fährt. Ein entscheidender Grund dafür ist das Sicherheitsgefühl, das fehlt.“
Die App biete die Möglichkeit, das flächendeckend zu untersuchen. Die Fahrradinfrastruktur zu verbessern, nennt Popp „eine Mammutaufgabe“. Oft könnten schon kleine Schritte helfen: So könnten auf Basis der Daten sichere Routen für Radfahrende vorgeschlagen werden. „Da braucht es eine andere App als eine ursprünglich für Autos entwickelte“, sagt die Expertin. Als ersten Schritt plant sie für Studierende ab Herbst eine Karte mit konfliktarmen Wegen für Radfahrende.