Am Wochenende hatte die Galerie Judith Dielämmer etwas zu feiern. Seit 25 Jahren existiert sie in der jetzigen Form und betreibt ehrenamtliche Kulturarbeit durch regelmäßige Ausstellungen. Zum Jubiläum lud man mit einer Gemeinschaftsausstellung der Galeriemitglieder in deren Räume auf der Karl-Oberbach-Straße. Die Nähe zur Erft brachte am heißen Samstagnachmittag keine echte Kühlung, so dass die Getränke sehr begehrt waren.
Noch vor Beginn des Festprogramms erzählte Werner Franzen die Geschichte dieser außergewöhnlichen Vereinigung, die für die Stadt Grevenbroich ein bedeutsames kulturelles Signal setzt und deshalb als gemeinnützig anerkannt ist. Franzen gehört zu den Gründungsmitgliedern von Judith Dielämmer. Da ist einmal der seltsame Name: „Judith sollte unsere erste Tochter eigentlich heißen, aber stattdessen kam Philipp. Und DieLämmer war meine erste Werkstatt, also das Dilemma. Am Anfang lief unsere private Kunsteinrichtung prima, aber dann gab es finanzielle Probleme.“
Die Lösung aus der Klemme brachten zahlreiche Kolleginnen und Kollegen. Sie schlugen 2001 die Gründung einer Produzentengalerie vor. Alle beteiligten Künstler stellen ihre neuen Werke seither dort aus. „Wir nehmen auch Fremde“, betont Franzen. Einmal im Monat trifft sich die gesamte Gruppe und beredet alles. Wenn ein Künstler aus der Region auffällt, sucht man den Kontakt, und am Ende findet sich jedes Jahr ein neuer Kunstpreisträger der Galerie Judith DieLämmer.
Janne Gronen, als Galeriemitglied von Anfang an dabei, ergänzt: „Wir kommen aus verschiedenen Orten und kennen uns insgesamt gut in der regionalen Kunstszene aus.“ Insgesamt umfasst die Gruppe rund 20 Mitglieder.
Die Maler, Bildhauer, Fotografen und Gestalter wollen avantgardistische Kunst präsentieren. Viele Disziplinen kommen hier zusammen. Der schöne Katalog zum 20-jährigen Jubiläum zählt einige Beispiele auf: Inge Harms widmet sich Objekten wie zum Beispiel Schmuck, aber auch der Fotografie und Performances. Helga Weidenmüller präsentiert Installationen. Malen, Zeichnen und Fotografie sind Techniken, die Uwe Dressler bevorzugt anwendet. Mit Fotografie beschäftigt sich auch Dieter Stürmann, außerdem mit Installationen und Objekten, die Werner Franzen ebenfalls angeht. Janne Gronen hat neben der Malerei außerdem Textarbeiten in ihrem Repertoire. Im Schnitt zählt eine Ausstellung über die Dauer von vier Wochen rund 100 Besucher.
Zwar geht es nicht um Kommerz – ohne Geld geht es aber auch nicht. Die größte Herausforderung seien die Kosten von mehr als 6000 Euro im Jahr, sagen die Künstler, die viel eigene Zeit in die Gestaltung der Ausstellungen, Unterhalt und Instandhaltung investieren. Zumal die Künstler finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. Kann man von der Arbeit leben? „Wenn man gut verheiratet ist, schon“, meint Werner Franzen und blinzelt fröhlich mit den Augen. Jedenfalls freut sich die Galerie immer über Kunstförderer, die die Arbeit mit einer Spende unterstützen.
Die Jubiläumsausstellung heißt „Appelkitsch“. Das ist auch das Logo der Gruppe: „Er symbolisiert für uns die Schönheit des Restes, meist weggeworfen, aus dem aber kraftvoll Neues erwächst. Ohne Apfelkerne keine neuen Bäume, keine Weiterentwicklung.“ Mit ihren Ausstellungen wollen die Galeriemitglieder weniger in die Vergangenheit zurückschauen als vielmehr einen Beitrag zur Auseinandersetzung mit aktuellen und zukünftigen gesellschaftlichen Themen vor Ort leisten: „Die Apfelstadt Grevenbroich und die gesamte Region stecken in tiefgreifenden Prozessen der Umstrukturierung. Selbstverständlich gewordene Gewohnheiten müssen neu hinterfragt werden. Vielleicht reicht es nicht mehr aus, den Apfel einfach vom Baum fallen zu lassen. Vielleicht ist es an der Zeit, erneut vom Baum der Erkenntnis zu essen.“
Für die Vernissage hatte man sich einiges einfallen lassen. Zur Begrüßung erschien Steffen Büttgenbach als Vorsitzender des Kulturausschusses der Stadt Grevenbroich. Es gab eine spannende Tombola mit Glückskarten und Kunstpreisen sowie Musik der Gruppe Cruel Beauty, zum ersten Mal in neuer Formation. Und natürlich viel zu trinken.