In Oberhausen erinnert nichts mehr an die Szenen und Vorgänge aus dem vergangenen Jahr. An die Lokale fast nebeneinander, in denen, so lässt sich die Gemengelage deuten, eine Art Bandenkonflikt aufzog; an die Einschusslöcher in der Wand der „Loco Bar“; an die Polizeikontrollen. Die Gastwirtschaften sind verschwunden, die Löcher zugespachtelt, die Polizei ist lange nicht mehr so präsent. Zwei Männer, die von den Ermittlern für zentrale Figuren in dem Komplex gehalten werden, sind nun zu Haftstrafen verurteilt worden. Es handelt sich um die Betreiber der kleinen Bar in der Donauwörther Straße, die nahe der Wertachbrücke lag. Sie sollen unter anderem aus dem Lokal heraus mit Kokain gehandelt haben.

Zwei syrische Brüder sollen ab März 2025 gedealt haben

Konkret sollen die beiden syrischen Brüder, 27 und 31 Jahre alt, laut Anklage ab März 2025 gedealt haben; im Prozess ging es auch um die Frage, ob die Angeklagten Frauen, mit denen sie sexuelle Beziehungen hatten, in die Rauschgiftdeals eingespannt hatten. Einer der Angeklagten, der 27-jährige Syrer, soll gegenüber den Frauen gewalttätig geworden sein; zudem warf ihm die Staatsanwaltschaft auch vor, einen anderen Mann verprügelt zu haben. Ganz schön deftige Vorwürfe also, und das ganz ohne den möglichen Anlass, der möglicherweise zu den Schüssen auf die „Loco Bar“ geführt hatte.

Laut Anklage nämlich beauftragte der jüngere der beiden Brüder im März 2025 andere Männer, einen Karton aus dem benachbarten Restaurant „Prizreni“ zu stehlen. Inhalt des Kartons: sieben Kilogramm Marihuana, so haben es die Ermittlungen ergeben. Wenige Wochen später wurde auf die „Loco Bar“ geschossen, was möglicherweise mit eben diesem Diebstahl zusammenhängt. Die Loco Bar wurde vielfach von Gästen besucht, die ihre Wurzeln im arabischen Raum haben, das ebenfalls nicht mehr existente „Prizreni“ zog Menschen an, deren Herkunft in Ländern des ehemaligen Jugoslawiens liegt. Zuletzt teilte die Polizei auf Anfrage unserer Redaktion mit, dass man die mutmaßlichen Verantwortlichen der Schüsse auf die Loco Bar kenne. Sie sollen 18 und 21 Jahre alt sein, die kosovarische Staatsangehörigkeit haben und sich derzeit im Kosovo aufhalten.

Prozesse in Augsburg: Betreiber der „Loco Bar“ müssen ins Gefängnis

Zurück nach Augsburg: Hier verurteilte die 10. Strafkammer des Landgerichtes Augsburg unter Vorsitz der Richterin Cornelia Böttcher die beiden Brüder zu Haftstrafen von zwei Jahren und acht Monaten sowie vier Jahren. Dem Urteil vorausgegangen war ein „Deal“, also eine Absprache im Prozess; gegen ein Geständnis war den beiden Angeklagten also eine bestimmte Strafhöhe in Aussicht gestellt worden. Einige Vorwürfe verfolgte die Staatsanwaltschaft letztlich nicht mehr, übrig blieben aber der Drogenhandel und beim 27-Jährigen ein Fall von Körperverletzung sowie die Anstiftung zum Diebstahl. Die beiden Brüder, die von den Anwälten Martina Sulzberger, Daniel Mahler, Hansjörg Schmid und David Mühlberger vertreten wurden, sitzen bereits seit einem Dreivierteljahr in Untersuchungshaft. Rechtskräftig ist das Urteil gegen sie noch nicht.

Die Gastwirtschaften sind inzwischen verschwunden, die Löcher zugespachtelt.

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Die Gastwirtschaften sind inzwischen verschwunden, die Löcher zugespachtelt.
Foto: Annette Zoepf (Archiv)

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Die Gastwirtschaften sind inzwischen verschwunden, die Löcher zugespachtelt.
Foto: Annette Zoepf (Archiv)

In einem weiteren Prozess waren bereits im Mai die beiden Diebe des Drogenpaketes verurteilt worden. Einer von ihnen erhielt eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und acht Monaten, der andere zwei Jahre auf Bewährung.

Bei den Schüssen auf die Bar während des nahen Plärrerfeuerwerks war niemand verletzt worden; die Projektile hatten aber teils auch die Fenster des Lokals durchschlagen. Nach dieser Tat hatte die Polizei nicht nur eine spezielle Ermittlungsgruppe ins Leben gerufen, sondern auch in Oberhausen im Umfeld der Wertachbrücke über Wochen sichtbar Kontrollen durchgeführt, den Bereich der Donauwörther Straße dazu auch zu einem „gefährlichen Ort“ nach dem Polizeiaufgabengesetz deklariert.