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Zwei Wochen nach dem Saisonende hat der deutsche Handball-Rekordmeister THW Kiel Konsequenzen gezogen. Trainer Filip Jicha (44) musste gehen – trotz eines im vergangenen Herbst bis 2028 verlängerten Vertrags. Am Montag machte der Verein die Trennung offiziell. Trainer-Beben an der Küste!
Foto: Dyn
Es ist ein Einschnitt: Erstmals seit über 30 Jahren trennte sich Kiel vorzeitig von einem Trainer – aus sportlichen Gründen. Überhaupt gab es in den vergangenen 34 Jahren gerade einmal drei Cheftrainer: Noka Serdarusic, Alfred Gíslason und eben Filip Jicha, der in 16 Jahren als Spieler und Trainer 33 Titel gewann. Heißt: Wer in Kiel Erfolg hat, bekommt Zeit. Doch beim THW zählt die Vergangenheit nur bedingt. Sie bringt Anerkennung – aber keine Punkte.

13. April 2025: Filip Jicha (44) reckt in Köln den DHB-Pokal in die Höhe. Der letzte seiner insgesamt 33 Titel als Spieler und Trainer für den THW Kiel
Foto: Marius Becker/dpa
Nach SPORT BILD-Informationen gilt der Norweger Børge Lund (47) als aussichtsreicher Nachfolgekandidat. Er stand als Spieler für Kiel auf der Platte (2007–2010). Aktuell ist er Trainer des norwegischen Erstligisten Elverum.
Warum Jicha trotz Vertrag beim THW Kiel gehen musste!
Keine Frage: Die abgelaufene Saison lag nach zwei vierten Plätzen in den Jahren zuvor erneut deutlich hinter den Erwartungen zurück. Platz 6, erstmals seit 33 Jahren ohne Europapokal, zum dritten Mal in Folge keine Champions League und dazu ein siebenstelliger Verlust.

Der Norweger Børge Lund (47) spielte von 2007 bis 2010 in Kiel, trainiert in seiner Heimat Elverum Håndball
Foto: picture alliance/NTB
Zwei Wochen lang wurde intern diskutiert. Aufsichtsrat, Geschäftsführung und die sportliche Führung sprachen Tacheles. Geschäftsführer Viktor Szilagyi (47): „Meine Aufgabe ist es, aus Erkenntnissen zu handeln. Ich hätte mir gewünscht, den Neustart unserer neuformierten Mannschaft wie geplant gemeinsam mit Filip angehen zu können, aber der Ballast der sportlichen Entwicklung in den vergangenen Monaten wiegt dafür zu schwer.“
Gleichzeitig macht der Geschäftsführer klar: „Es ist angesichts der vielen Herausforderungen und Entwicklungen nicht richtig, zu signalisieren, dass Filip für die heutige Gesamtsituation allein verantwortlich ist.“
Knallhart-Analyse besiegelte das Kiel-Aus von Jicha!
Das war ein Ergebnis der schonungslosen Analyse. Der Kader war auf mehreren Schlüsselpositionen zu schmal, Verletzungen von Leistungsträgern (Pekeler, Madsen, Pérez de Vargas, Ellefsen á Skipagøtu) konnten nicht kompensiert werden. Gleichzeitig entwickelte sich die Konkurrenz aus Berlin und Magdeburg spielerisch weiter, während Kiel zu lange am alten Erfolgsmodell festhielt. Auch bedingt durch die vielen Ausfälle.

Hat zwei klärende Wochen hinter sich! Kiels Geschäftsführer Viktor Szilagyi (47) musste seinem Freund Filip Jicha (44) die THW-Trennung mitteilen und erklären
Foto: WITTERS
Vor allem aber fehlte Konstanz: Viele Profis erreichten zu selten ihr Top-Niveau. Und: Auf Siege gegen Topteams wie Magdeburg oder Flensburg folgten überraschende Niederlagen gegen Kellerkinder wie Minden und Wetzlar. Diese Widersprüche sorgten auch intern für Unruhe. Die Saison kippte zulasten von Jicha im Februar. Der THW verlor zu Hause im Kampf um Europa gegen Gummersbach (26:34) – nach einem 0:7-Lauf in vier (!) Minuten.
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Szilagyi erklärt: „Ende Februar, in einer Phase, in der wir eigentlich weniger Belastung hatten, sind wir in einen Strudel geraten, aus dem wir nicht mehr herausgekommen sind. Bildlich gesprochen war es das Heimspiel gegen Gummersbach, diese vier Minuten, die uns da in die falsche Richtung gebracht haben.“

Kai Kruse (54) ist seit einigen Monaten Aufsichtsratsvorsitzender des THW Kiel
Foto: THW Kiel
Neben der sportlichen Zukunft ging es auch um die wirtschaftliche Basis! Kiel braucht Einnahmen – und stellt sich deshalb nicht nur sportlich neu auf. Mit Kai Kruse als neuem Aufsichtsratschef (seit Dezember 2025) und Anja Niemann als Geschäftsführerin (seit Mai 2026) soll der Verein organisatorisch und sportlich zukunftsfähiger werden.
Trotz der sportlichen Krise sendet Kiel jetzt wirtschaftlich ein Signal. Der Verein hat nach SPORT BILD-Informationen eine verhältnismäßige Kapitalerhöhung im zweistelligen Prozentbereich durchgeführt und sogar weitere Gesellschafter gewinnen können. Der Anspruch: Kiel will zurück nach Europa und an die Spitze.
