Die Saison in der Staffel 2 der Fußball-Kreisliga A Stuttgart/Böblingen ist beendet. Alle Teams haben sich in die verdiente Sommerpause verabschiedet. Ein Blick auf die großen und kleinen Geschichten der zurückliegenden Runde.
Titelrennen
Seit Jahren galt der FSV Waldebene Stuttgart-Ost bei vielen beteiligten Trainern als Geheimfavorit. Allerdings konnten die Spieler in den vergangenen Jahren nie ihr stets unbestrittenes Potenzial in Ergebnisse ummünzen. Trainer Rocco Cesarano entfaltete seit seiner Ankunft die vollen Fähigkeiten der Waldebene-Spieler und führte den Verein zum ersten Bezirksliga-Aufstieg seit der Fusion der Vorgängervereine SV Gablenberg, Spvgg Ost und 1. FV 1896 Stuttgart im Jahr 2018. Der Umgang des erfahrenen Trainers und der Charakter der Mannschaft passten von Anfang an perfekt zusammen. Vier Spieltage vor Schluss sicherte sich das Team im direkten Duell gegen den Tabellenzweiten GFV Ermis Metanastis Stuttgart mit einem 2:1-Sieg den Titel. „Es gibt kein besseres Spiel, Meister zu werden, als im Spiel Erster gegen Zweiter. Und die Jungs haben über 97 Minuten gezeigt, wer das beste Team in der Liga ist“, freute sich Cesarano. Entscheidend war, dass das Waldebene-Team in der Rückrunde in 15 Spielen nur einmal verlor und alle restlichen 14 Spiele souverän gewann. Damit gaben sie die Tabellenführung seit dem 11. Spieltag nicht mehr aus der Hand.
Dahinter lieferten sich der GFV Ermis Metanastis Stuttgart und Bezirksliga-Absteiger ABV Stuttgart ein erbittertes Duell um den Relegationsplatz. Die Saison schlossen beide punktgleich mit 64 Punkten ab. Da die Spieler des GFV Ermis Metanastis am letzten Spieltag vier Tore mehr schossen als der ABV, zogen sie als Vizemeister in die Relegation ein. Dort war für die Waldebene-Griechen nach einer deutlichen 0:5-Niederlage gegen den Staffel-1-Zweiten Türkspor Stuttgart bereits Schluss. „Dass wir nicht aufsteigen, ist kein Beinbruch. Wir haben heute Erfahrung gesammelt“, sagte der Trainer Jetmir Fetai nach dem Spiel.
Abstiegskampf
Nur an den ersten beiden Spieltagen belegte der Aufsteiger TV Kemnat nicht den letzten Tabellenplatz. Oft hielt die junge Mannschaft mit ihren Gegnern mit, zahlte jedoch viel Lehrgeld. Nur zwei Siege gelangen den Kemnatern, die im Scharnhauser Park zu Hause sind. Fünfmal erkämpften sie sich durch ein Unentschieden immerhin einen Punkt. Der Abstieg zeichnete sich bereits früh ab.
Nachdem der TSV Heumaden in der vergangenen Saison den Klassenverbleib noch über die Relegation geschafft hatte, erwischte es das einst ambitionierte Team in dieser Saison schließlich. Seit Jahren lief die Entwicklung des Vereins in die entsprechende Richtung. Eine eigene A-Jugend gibt es schon seit einiger Zeit nicht mehr im Verein. Vor der Runde verließen dann mehrere Leistungsträger den Club. Dazu verletzten sich während der Runde die verbliebenen Stammkräfte. „Wir waren alle darauf gefasst, trotzdem ist es am Ende natürlich enttäuschend“, sagte der Trainer Adnan Shakir Mannan.
Als weiterer Absteiger folgen die Sportfreunde Stuttgart. Die Degerlocher standen nicht einmal in dieser Saison über dem Strich und stellten nach dem TV Kemnat (115 Gegentore) die zweitschlechteste Defensive (114 Gegentore).
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den rettenden Platz zwölf lieferten sich die Spvgg Möhringen und der MK Makedonija Stuttgart. Mit einem starken Schlussspurt mit vier Siegen aus fünf Spielen überholten die Vaihinger zunächst die Möhringer. Beim direkten Aufeinandertreffen am letzten Spieltag setzten sich dann aber die Kicker der Spvgg Möhringen mit 1:0 durch und schickten Makedonija in die Relegation. Dort besiegelte der TSV Rohr II jedoch im Relegationsfinale mit einem 5:2 den Abstieg des MK Makedonija Stuttgart.
Überraschungsteam
Für die meisten Außenstehenden war der Sprung des Vorjahres-Zehnten FV Germania Degerloch auf dem vierten Platz eine der Überraschungen der Saison. Für den Trainer Claudio Marques dagegen die logische Folge der vergangenen Jahre. Sein Ziel war es ohnehin, mindestens Sechster zu werden. Die Qualität im Kader sei dafür schon vor der Saison vorhanden gewesen, zudem habe die Mannschaft eine entsprechende Entwicklung durchgemacht. 2026/2027 möchte der Trainer die aktuelle Leistung mindestens wiederholen.
Ein Grund für die starke Saison der Degerlocher war die Entdeckung der Saison: Emil Scheuermann. In seiner ersten Saison bei den Aktiven erzielte der 18-Jährige in 24 Einsätzen 26 Tore. Die Torjägerkrone der Staffel verpasste der Angreifer um zwei Treffer.
Enttäuschung
Als großer Favorit mit dem Selbstanspruch, den direkten Wiederaufstieg zu schaffen, war der ABV Stuttgart in die Runde gestartet. Entsprechend war die Enttäuschung nach dem Einlaufen auf Rang drei groß. Die Mission scheiterte an der Inkonstanz des Teams. Die sieben Siege in Folge im Saisonendspurt waren die erste richtige Serie der Degerlocher. Gegen Teams aus der unteren Hälfte wie den KV Plieningen, den TSV Heumaden oder MK Makedonija Stuttgart ließ der ABV Stuttgart zu viele Punkte liegen. „Hätten wir gegen diese Mannschaften gewonnen, wären wir an der Waldebene dran gewesen und hätten um den ersten Platz gespielt“, sagt der ABV Trainer Achim Häusler. „Wir hatten mit 65 Punkten für den Aufstieg geplant, dass es mit 64 und einem Sieg zum Abschluss nicht für den Aufstieg reicht, ist bitter.“
Enttäuschend war sicherlich auch die Saison von MK Makedonija Stuttgart. Die Wahl-Vaihinger sind ebenfalls mit dem klaren Ziel in die Saison gestartet, endlich in die Bezirksliga aufzusteigen. Die Realität lautete jedoch: 28 Spieltage Abstiegskampf. Zwischenzeitlich bekamen die Mazedonier nicht einmal genügend Spieler zusammen und traten zum letzten Hinrundenspiel gegen den FSV Waldebene Stuttgart-Ost gar nicht an. Mit einem starken Saisonendspurt rettete sich das Team noch in die Relegation – nur um dann doch abzusteigen.
Trainerkarussell
Schneller drehen sich sonst nur die Fahrgeschäfte auf dem Cannstatter Wasen. Los ging es bereits vor der Saison. Alexander „Sascha“ Malchow trat bei den Sportfreunden Stuttgart nach nur fünf Trainingseinheiten aus beruflichen Gründen wieder zurück. Daraufhin übernahm der Spieler Tim Eichler das Amt für ein Spiel, ehe Georg Lois als nächster neuer Trainer einstieg. Nach nur zwei Siegen in zehn Spielen warf auch Lois das Handtuch und Eichler übernahm für den Rest der Runde. In der kommenden Saison tritt der Mittelfeldspieler aus persönlichen Gründen kürzer und übergibt an den bisherigen Trainer der zweiten Mannschaft, Tim Schwab.
Auch beim KV Plieningen steigt der bisherige Coach der Reserve zum Chef auf. Nicola Maiello folgt auf das Interimsgespann Patrick Sauter und Kevin Garwecki. Die beiden hatten am 26. Spieltag übernommen, nachdem Cheftrainer Nikolai Pozorski von seinen Aufgaben entbunden wurde. Zuvor hatte der Coach, der erst vor dieser Runde am Wolfer angeheuert hatte, mitgeteilt, dass er für die kommende Saison zur SportKultur Stuttgart wechseln wird.
In Sillenbuch und Rohr endeten dabei zwei Ären. Nur eine davon mehr oder weniger selbstbestimmt: Aus privaten Gründen gab Klaus Kämmerer trotz beidseitigen Interesses an der Fortführung der Zusammenarbeit bereits frühzeitig seinen Ausstieg zur kommenden Saison bekannt. Alexander Nita beerbt den erfahrenen Trainer. Unfreiwillig endet nach neun Jahren die Geschichte von Zvonimir Topalusic beim SV Sillenbuch. Die neue Abteilungsleitung des Vereins setzt stattdessen auf Matthias Schumacher (zuletzt A-Junioren SV Vaihingen).
Freiwillig ziehen sich Adnan Shakir Mannan und Akim Linke gemeinsam mit ihrem Trainerteam zurück. Nach dem Abstieg legen sie eine Pause ein. Ebenfalls seinen Abschied angekündigt hat Shefki Gjuraj beim KF Kosova Bernhausen. Seine Nachfolge tritt der bisherige Spieler Eronis Zogaj an.
Zurück zu Malchow: Der ehemalige Kickers-Profi übernimmt in der kommenden Saison den TV Kemnat in der Kreisliga B. Die Kemnater hatten sich vor dem Derby gegen den TSV Heumaden von ihrem langjährigen Erfolgstrainer Markus Hummel getrennt und sich damit einen Impuls im Abstiegskampf erhofft. Der 3:0-Sieg gegen Heumaden blieb der einzige unter Interimstrainer Kai Ansorge und der zweite in der gesamten Saison. Während Ansorge eine Fußballpause einlegt, steigt Hummel wiederum beim SV Fellbach II in der Kreisliga A ein.
Fairplay-Geste
Das sportliche Geschehen des 22. Spieltages stellte Dean Kovacevic mit einer bemerkenswerten Aktion in den Schatten. Der Kemnater Angreifer war gegen den KV Plieningen ohne Gegnerkontakt im Strafraum ins Straucheln geraten und fiel zu Boden. Der Schiedsrichter Sascha Härter zeigte dennoch auf den Elfmeterpunkt – worauf Kovacevic ihn auf den Fehler hinwies und Härter seine Entscheidung zurücknahm. Für seine Ehrlichkeit stand Kovacevic zur Wahl der Fairplay-Aktion des Monats April des Württembergischen Fußballverbands. Von seinen Gegenspielern und vom damaligen Plieninger Trainer Nikolai Pozorski erhielt er dafür viel Lob: „Respekt an ihn. Das war wirklich eine tolle Aktion und sieht man nicht alle Tage.“ Dabei hätten die Kemnater jeden Punkt im Kampf gegen den Abstieg dringend gebraucht.
„Für mich war von Anfang an klar, dass ich das zugeben und den Schiedsrichter darauf hinweisen muss“, erklärte der Stürmer. Für ihn sei Fairness das Wichtigste beim Fußball, erzählte Kovacevic. Gelernt habe er das bei seinen Stationen in den Nachwuchsleistungszentren der Stuttgarter Kickers, des VfB Stuttgart und des 1. FC Heidenheim. Insbesondere erinnert sich der heute 21-Jährige an das Ehepaar, das damals beim VfB Stuttgart die Betreuer des Teams war: „Die waren schon weit über 70 und haben fußballerisch gar nicht so viel Einfluss genommen, haben uns aber viele Werte und wichtige Verhaltensweisen mitgegeben“, erzählt er. Werte, die er als C-Jugend-Trainer und angehender Lehrer weitergeben möchte.
Wiederholungsspiel
Die einzige abgebrochene Partie in dieser Runde hatte ein Wiederholungsspiel zur Folge. Der Grund für den Abbruch war die schwere Knieverletzung von Hoffelds spielendem Abteilungsleiter Philip Janle nach einem Zweikampf – dies in der Nachspielzeit beim Stand von 2:1 für Plieningen. Gemäß den Statuten musste die Begegnung neu angesetzt werden. Der Verband hatte den Hoffeldern allerdings in Aussicht gestellt, dass sie nicht sanktioniert werden, wenn sie nicht antreten und die praktisch ja bereits verlorenen Punkte auf diese Weise ihrem Gegner überlassen würden. Die Hoffelder Mannschaft entschied sich jedoch dafür, die Begegnung von Null an neu zu bestreiten. Trainer Grigorios Dimoulatos stellte sich hinter seine Mannschaft.
Sein Gegenüber Nikolai Pozorski ärgerte sich dagegen über das Wiederholungsspiel: „Die Ansetzung der Partie ist für mich weit weg von fair, hat in Bezug auf den Verband und Hoffeld einen Beigeschmack.“ Das Spiel habe sich die ganze Zeit „irgendwie komisch“ angefühlt und keiner Seite was gebracht, so Pozorski weiter. Im Gegenteil, eher geschadet. „Unser Spieler Justus Press hat sich die Hand gebrochen. Für ihn ist die Saison beendet. Ein Hoffelder hat sich die Ampelkarte abgeholt und ist am Sonntag gesperrt.“ Pikant: Plieningens Press war bei der Erstauflage in den Zweikampf verwickelt, bei dem sich Janle verletzt hatte und der Auslöser für den Abbruch war.
Sportlich ging das Wiederholungsspiel fair über die Bühne und endete 1:1.
Elfmeterschießen
Gleich elfmal hatten die Schiedsrichter am achten Spieltag auf den Elfmeterpunkt gezeigt. Doch nur acht der Strafstöße führten zu Toren, was überwiegend an überragenden Torhütern lag. Der Waldebene-Spieler Leon Renner scheiterte mit einem Elfmeter am Stettener Keeper Michel Lino. Sein Teamkollege Ioannis Potsou machte es in der Nachspielzeit besser und verwandelte seinen Foulelfmeter. Zuvor hatte bereits Tobias Burghardt vom Punkt getroffen, nachdem er selbst im Strafraum gefoult worden war.
Rohrs Felix Jochim schoss gegen KF Kosova Bernhausen einen Handelfmeter an die Latte, sein Teamkollege Yannik Jennert verwandelte später einen Foulelfmeter.
Gegen die Sportfreunde Stuttgart parierte der Makedonija-Torhüter Darko Kalpachki zunächst einen Foulelfmeter von Mattis Amann, hatte dann beim Foulelfmeter von Linus Becker das Nachsehen.
In der Partie ABV Stuttgart – Spvgg Möhringen gaben sich Möhringens Etienne Friedrich und ABV-Stürmer Alen Neskic keine Blöße. Im Duell SV Vaihingen II – TSV Heumaden versenkte Vaihingens Tom Irion einen Handelfmeter und Heumadens Nico Floeter einen Foulelfmeter.
Offensivstärke
1127 Tore erzielten die 16 Mannschaften in dieser Saison. Dies bedeutet einen Schnitt von 4,7 Toren pro Partie. In der vergangenen Saison fielen 1063 Tore – also 64 Treffer weniger. Jedoch gingen damals nur 15 Mannschaften in der Staffel 2 an den Start – dies bedeutete einen Schnitt von 5,1 Toren pro Begegnung.
Die beste Offensive stellte in dieser Runde der FSV Waldebene Stuttgart-Ost. 114 Treffer erzielte der Meister – drei weitere erhielten sie wegen des Nichtantritts von MK Makedonija Stuttgart am Grünen Tisch zugesprochen. Der Tabellendritte ABV Stuttgart erzielte mit 90 Treffern als zweitbeste Offensive weit weniger Tore.
Die meisten Treffer kassierten der Aufsteiger TV Kemnat (115 Tore) und die Sportfreunde Stuttgart (114 Tore). Beide Teams stiegen mit einer deutlich negativen Tordifferenz ab.