Nach dem mehrstündigen Ausfall des Bahnverkehrs in
Deutschland
hat Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) eine
umfassende Aufklärung. Sollte es sich um Probleme mit
Hardwarekomponenten oder um ein Updateproblem eines Servers handeln,
müsse die Bahn ihre Systeme so aufstellen, dass sich das nicht
wiederhole, sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur dpa.

Der Bahnverkehr war am späten Dienstagabend wegen einer
Funkstörung eingestellt worden. Den Angaben eines Sprechers der Deutschen Bahn
zufolge war der digitale Bahnfunk GSM-R gestört. Die genaue Ursache ist noch unklar. Rund zwei Stunden nach Beginn
der Störung fuhren erste Züge wieder. Bahnchefin Evelyn Palla sagte der Bild-Zeitung, die Bahn habe ein Notfallsystem in Betrieb genommen.

Sicherheitsbehörden gehen einem rbb-Bericht zufolge nicht von Sabotage aus.
Als Ursache werde ein fehlerhaftes Update vermutet.
Von einem Software-Update berichteten Bahnmitarbeitende auch dem SWR.

Auch der stellvertretende SPD-Fraktionschef im
Bundestag, Armand Zorn, forderte rasche Maßnahmen. Der bundesweite Ausfall des Zugfunks zeige
einmal mehr, wie verwundbar Teile der kritischen Infrastruktur seien, sagte Zorn. »Ein reibungsloser und krisenfester Bahnverkehr ist für
Millionen Menschen, Unternehmen und auch für die militärische Sicherheit
unerlässlich. Der Bahnverkehr ist eine Frage der nationalen
Sicherheit.«

NRW-Verkehrsminister »fassungslos« über Bahnstörung

Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) warf der
Bahn schwere Versäumnisse vor. »Dass durch einen technischen Defekt der
komplette Bahnverkehr in Deutschland zum Erliegen kommt, ist ein neuer
Tiefpunkt bei einer ohnehin schwachen Betriebsqualität«, kritisierte
Krischer. Der Ausfall mache ihn »fassungslos«.

Krischer forderte von der Bahn, die Gründe für den Ausfall des Systems zu ermitteln. »Ich erwarte, dass die Bahn diesen Vorfall transparent und lückenlos aufklärt. Es kann nicht sein, dass wegen des Ausfalls eines Systems Zehntausende Menschen die Nacht in Zügen und Bahnhöfen verbringen müssen.« Zudem forderte Krischer ein besseres Notfallmanagement: Die Bahn brauche »Notfallmechanismen, die ein solches Desaster in Zukunft vermeiden«, forderte der Grünenpolitiker. »Menschen verlassen sich darauf, mit der Bahn wenigstens einigermaßen pünktlich ans Ziel zu kommen.«

Störung im Zugverkehr kurz vor Aufsichtsratssitzung der Deutschen Bahn

Auch der Verband der privaten Güterbahnen forderte, die Störung aufzuarbeiten. Die Ursache für den Ausfall, der neben Personenzügen auch den
Güterverkehr betraf, dürfe »nicht allein durch eine ›Selbstauskunft‹ der DB
InfraGO als Betreiberin beantwortet werden«, sagte Verbandsgeschäftsführer
Peter Westenberger der Nachrichtenagentur dpa. DB InfraGO bewirtschaftet die Infrastruktur der Deutschen Bahn. Der Schieneninfrastrukturbetrieb müsse
besser überwacht und gesteuert werden, sagte Westenberger. Dazu fordert der
Verband seit Langem, ein Bundesamt für Schieneninfrastruktur einzurichten.

Die privaten Güterbahnen konkurrieren mit DB Cargo. Ihre Züge
waren gleichermaßen von der Störung betroffen. »Da der Güterverkehr zu einem erheblichen Teil in den Nachtstunden unterwegs
ist, sind die Beeinträchtigungen durch den Shutdown auch sehr hoch«, sagte
Westenberger.

Die Funkstörung mit ihren drastischen Auswirkungen auf den
Zugverkehr ereignete sich kurz vor einer Tagung des Aufsichtsrates der
Deutschen Bahn. Bei der Sitzung an diesem Mittwoch und Donnerstag will
Palla ihre Strategie für die kommenden Jahre vorstellen. Sie leitet seit
vergangenem Herbst den Konzern und hat weitreichende Umstrukturierungen
angekündigt. Insbesondere will Palla die Konzernzentrale deutlich verschlanken.
Aktuelles Thema des Treffens dürfte nun aber auch die bundesweite Störung des
Bahnfunks sein.

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