Herford. Entwarnung: Die vor wenigen Tagen an der A2 gefundene Schildkröte ist gesund und wohlauf. Das hat ein erster medizinischer Check im Tierpark Herford ergeben. Unklar ist dagegen weiterhin, wie die ausgewachsene, etwa fußballgroße Gelbwangenschmuckschildkröte an den Rand der Autobahn gelangt ist.

Wie berichtet, war das Tier auf einem Grünstreifen der A2 bei Porta Westfalica entdeckt worden. Die Autobahnpolizei rückte aus. Um mögliche Gefahren für Tier und Autofahrer zu verhindern, durfte die Schildkröte im Streifenwagen Platz nehmen und wurde anschließend per Polizeieskorte in die Auffangstation des Herforder Tierparks gebracht.

Hinweise darauf, dass das Reptil bereits längere Zeit in der Natur unterwegs gewesen sein könnte, gibt es bislang nicht. „Wenn sie längere Zeit draußen gelebt hätte, dann hätte sie an der Unterseite ihres Panzers sichtbare Verletzungen gehabt. Das ist hier nicht der Fall“, sagt Tierparkleiter Thomas Dodt.

A2-Reptil derzeit in Quarantäne

Die an der A2 gefundene Gelbwangenschmuckschildkröte ist wohlauf und wird derzeit im Herforder Tierpark medizinisch betreut. - © Daniel Salmon

Die an der A2 gefundene Gelbwangenschmuckschildkröte ist wohlauf und wird derzeit im Herforder Tierpark medizinisch betreut.
(© Daniel Salmon)

Die rund vier Kilogramm schwere Wasserschildkröte befindet sich derzeit in Quarantäne. Dort wird sie beobachtet und weiterhin auf mögliche Krankheiten und Parasiten untersucht. „Das Tier wird auf Herz und Nieren geprüft“, sagt Dodt. Wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind, kann entschieden werden, wie es für das Tier weitergeht. Langfristig soll der Kreis Herford als zuständige Behörde einen geeigneten Platz für die Schildkröte finden.

Die guten Nachrichten für das Reptil sind zugleich aber auch schlechten Nachrichten für den Tierpark. Denn die A2-Schildkröte ist längst kein Einzelfall. Nach Angaben von Tierpfleger Friedrich Thelen handelt es sich bereits um die zwölfte Schildkröte, die der Herforder Stadtzoo in dieser Saison als Fundtier aufgenommen hat. Viele von ihnen wurden nach Einschätzung der Mitarbeiter vermutlich ausgesetzt.

Am Beispiel der A2-Schildkröte wird das Problem deutlich. Als Jungtiere sind Gelbwangenschmuckschildkröten kaum größer als ein Zwei-Euro-Stück. Ausgewachsen brauchen sie dagegen viel Platz, Pflege und spezielles Futter. „Keiner will glauben, dass die so groß werden“, sagt Thelen. Nicht wenige Halter stellen irgendwann fest, dass ihnen dafür der Platz fehlt.

Skurriler Fund an der Autobahn: A2 in Porta: Schildkröte auf dem Beschleunigungsstreifen

2025 wurde in Herford eine mutmaßlich ausgesetzte Boa gefunden

Die sogenannte „Kompost-Boa“ wurde 2025 in Herford gefunden und im Tierpark medizinisch versorgt – wie sie auf das Grundstück gelangte, bleibt bis heute rätselhaft. - © Daniel Salmon

Die sogenannte „Kompost-Boa“ wurde 2025 in Herford gefunden und im Tierpark medizinisch versorgt – wie sie auf das Grundstück gelangte, bleibt bis heute rätselhaft.
(© Daniel Salmon)

Mitte August vergangenen Jahres hatte schon einmal ein Fundtier für mediale Aufmerksamkeit gesorgt: eine Boa constrictor. Die 2,5-Meter-lange Würgeschlange war damals von einer Gartenbesitzerin auf ihrem Komposthaufen entdeckt worden.

Allerdings war das Tier nicht – wie nun die Schildkröte von der Polizei in den Stadtzoo gebracht worden. Tierpark-Chef Dodt und sein Team mussten das Reptil-Weibchen – das später als „Kompost-Boa“ bekannt wurde – selbst einfangen. Wie die 15-Kilo-Schlange auf das Privatgrundstück kam, blieb ein Rätsel.

Ein Halter konnte nicht ausfindig gemacht werden. Einige Zeit bliebt die Boa zunächst im Tierpark, wurde dort aufgepäppelt und medizinisch versorgt, ehe der Kreis sie dann einem Reptilien-Experten übergab.

Auffangstationen stoßen an ihre Grenzen

Tierparkleiter Thomas Dodt informiert die Presse über den Fund und die Unterbringung der an der A2 entdeckten Schildkröte im Herforder Tierpark. - © Daniel Salmon

Tierparkleiter Thomas Dodt informiert die Presse über den Fund und die Unterbringung der an der A2 entdeckten Schildkröte im Herforder Tierpark.
(© Daniel Salmon)

Genau solche medial präsenten und skurrilen Fälle bereiten Dodt Sorgen. Sie könnten den Eindruck erwecken, ausgesetzte Tiere würden am Ende schon irgendwie ihren Weg in eine Auffangstation finden. „Nach dem Motto: Tier ausgesetzt, Tierpark kümmert sich, Problem gelöst“, sagt der Tierparkleiter.

Die Realität sehe dagegen anders aus. Auffangstationen und Tierheime stoßen nach Angaben Dodts zunehmend an ihre Grenzen. Jedes Fundtier bedeute zusätzlichen Aufwand – personell, organisatorisch und finanziell. Allein für Pflege, Fütterung und Reinigung müsse ein Tierpfleger täglich rund eine halbe Stunde pro Schildkröte aufwenden.

Zudem: Einfach zu anderen Schildkröten dazusetzen, könne man das Fundtier nicht. Das Risiko von Krankheitsübertragungen oder Revierkämpfen sei zu groß.

Gelbwangenschmuckschildkröten gehören zur invasiven Art

Und es geht nicht nur um den Tierschutz. Gelbwangenschmuckschildkröten stammen ursprünglich aus Nordamerika und zählen hierzulande zu den invasiven Arten. Sie können mehr als 50 Jahre alt werden. Werden sie in Teichen, Bächen oder Seen ausgesetzt, konkurrieren sie mit heimischen Tieren um Nahrung und Lebensraum. „Sie gehören nicht hierhin“, sagt Thelen.

Deshalb sehen Dodt und Thelen die Geschichte der Schildkröte von der A2 vor allem als Warnsignal. Sie wünschen sich langfristig gemeinsame Lösungen von Kommunen, Kreisen und Einrichtungen, um exotische Fundtiere unterbringen zu können. Denn wenn die Zahl weiter steigt, könnte selbst für engagierte Auffangstationen irgendwann Schluss sein.

Übrigens: Wie schon damals bei der Boa, bekommen Besucher die Schildkröte nicht zu sehen.