Der Tatort des Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) aus Dresden und der Polizeiruf aus Magdeburg sollen für die nächsten drei Jahre erst mal ausgesetzt werden. Grund dafür sind geplante Einsparungen beim MDR. Die Dresdner „Tatort“-Kommissare Martin Brambach und Cornelia Gröschel haben sich öffentlich zu Wort gemeldet. In einem gemeinsamen Statement auf ihren Instagram-Kanälen äußern sich die beiden Schauspieler zur Entscheidung des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), neue Folgen des „Tatort Dresden“ sowie des „Polizeiruf 110″ aus Magdeburg für einen Zeitraum von drei Jahren nicht mehr zu finanzieren.
Verständnis – aber keine Zustimmung
Brambach und Gröschel gehen in ihrem Posting nicht auf Konfrontationskurs. Sie erkennen die finanzielle Notlage des Senders ausdrücklich an: „Wir verstehen die großen Nöte, den enormen Druck unter dem der MDR steht und wir verstehen, dass gespart werden muss.“ Dennoch machen sie unmissverständlich klar, dass eine mehrjährige Produktionspause im Bereich Fiktion weitreichendere Konsequenzen hat, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.
Der Kern ihrer Kritik: Eine Filmproduktion könne man nicht einfach beliebig herunter- und wieder hochfahren. Vom ersten Schritt – der Suche nach geeigneten Autorinnen und Autoren – bis zur eigentlichen Dreharbeit würden Monate vergehen. Drehbücher müssten beauftragt und entwickelt, Drehorte gefunden und gesichert, sowie Regisseure, Kamerateams und Darstellerinnen und Darsteller frühzeitig unter Vertrag genommen werden. Kurzum: Es brauche ein eingespieltes Netzwerk, das über Jahre gewachsen ist. „Wenn wir drei Jahre nicht produzieren, gehen lang aufgebaute Strukturen kaputt“, warnen die beiden.
Existenzdruck für alle Beteiligten
Hinzu komme die persönliche Dimension für all jene, die ihren Lebensunterhalt mit diesen Produktionen bestreiten. Schauspielerinnen und Schauspieler, aber auch die zahlreichen Fachkräfte hinter der Kamera, seien schlicht darauf angewiesen, sich anderweitig zu verpflichten – eine Rückkehr nach der Pause ist damit alles andere als selbstverständlich.
Besonders schwer wiegt für Brambach und Gröschel, dass niemand heute verlässlich zusagen könne, ob nach Ablauf der drei Jahre überhaupt wieder ausreichend Mittel für beide Formate zur Verfügung stehen werden. Die absehbare Haushaltslage des MDR lässt wenig Optimismus zu. Ihr Fazit fällt entsprechend ernst aus: „Die Konsequenz wäre sonst de facto womöglich das Ende des Tatorts Dresden und des großartigen Polizeirufs aus Magdeburg.“
Auch für die Menschen in der Region rund um den Medienstandort Mitteldeutschland würden unter dem Aussetzen des Tatorts leiden. „Gerade der Tatort soll ja dezidiert, ein gemeinschaftsbildendes Schaufenster der verschiedensten Regionen Deutschlands sein, und dazu gehören für uns unbedingt auch die Menschen und ihre Geschichten in Ostdeutschland“, heißt es in einem weiteren Posting der beiden Schauspieler.
Hintergrund wohl Spardruck beim MDR
Der MDR befindet sich seit geraumer Zeit in einer angespannten Haushaltslage. Da eine Anhebung des Rundfunkbeitrags politisch bislang nicht durchsetzbar war, sieht sich der Sender gezwungen, unter anderem im fiktionalen Bereich zu kürzen. Für beide betroffenen Formate existieren noch je drei abgedrehte, bislang nicht gesendete Episoden, die bis Ende des Jahres ausgestrahlt werden sollen. Als Überbrückung mag das genügen – als langfristige Lösung taugt es nicht. Brambach und Gröschel schließen ihren Appell mit einem konkreten Wunsch: Der MDR möge das Gespräch mit den beteiligten Produktionsfirmen erneut suchen und gemeinsam nach Wegen aus der Krise suchen – solange noch Zeit dafür bleibt.
Michael Naumann, Unternehmenssprecher, äußerte sich beim MDR zu dem Aussetzen und sprach von einer „schmerzenden Entscheidung“. „Das alles ist schwer und bedeutet Einschnitte für Kolleginnen und Kollegen“, sagt Naumann weiter. Nicht nur der „Tatort Dresden“ ist von den Einsparungen betroffen. Auf der „Polizeiruf 110“ mit Ermittlerin Claudia Michelsen wird für die nächsten drei Jahre pausiert. Der „Süddeutschen Zeitung“ sagte die Schauspielerin: „Eigentlich möchte ich schon lange nicht mehr über den Osten oder den Westen reden. Aber wir kommen mit dieser fatalen Entscheidung des MDR tatsächlich wieder in die Situation zu sagen: Was passiert hier mit dem Osten?“ Ob die dreijährige Pause zumindest für den Polizeiruf abgewendet werden kann, ist noch offen. „Wir sind in konstruktiven Gesprächen, noch in dieser Woche wird es ein Treffen geben mit dem Intendanten Ralf Ludwig und dem Programmdirektor Boris Lochthofen – und ich bin ein hoffnungsloser Optimist“, sagte Michelsen der Zeitung weiter.