Offener Brief
Zwei Stadtchefs kämpfen um Kult-Krimis im Ersten
25.06.2026 – 04:59 UhrLesedauer: 2 Min.
Das Logo der Krimi-Reihe (Archivbild): Neben dem Dresdner „Tatort“ wollen die beiden Stadtoberhäuüter auch den „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg retten. (Quelle: IMAGO/Christoph Hardt/imago)
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Der MDR plant eine dreijährige Produktionspause für den Dresdner „Tatort“. Nun schalten sich zwei Oberbürgermeister ein.
Zwei Oberbürgermeister, ein Brief, eine klare Botschaft: Dresdens Stadtchef Dirk Hilbert (FDP) und seine Magdeburger Amtskollegin Simone Borris (parteilos) haben sich gemeinsam an den Mitteldeutschen Rundfunk gewandt. Sie verlangen, dass der Sender seine Pläne zur Produktionspause bei „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ noch einmal grundlegend überdenkt.
Der MDR hatte angekündigt, die Produktion beider Formate für drei Jahre auszusetzen. Als Grund nennt der Sender seine angespannte Finanzlage – ausgelöst vor allem durch die bislang ausgebliebene Erhöhung des Rundfunkbeitrags. Bereits abgedrehte oder vertraglich gesicherte Folgen sollen in dieser Zeit noch gesendet werden. Die Dresdner „Tatort“-Schauspieler Cornelia Gröschel und Martin Brambach hatten die Entscheidung bereits öffentlich scharf kritisiert.
Was die Städte vom MDR verlangen
Hilbert und Borris formulieren in ihrem Schreiben vier konkrete Forderungen:
- MDR und ARD sollen die Entscheidung zur Produktionspause noch einmal prüfen
- Beide Krimistandorte sollen dauerhaft gesichert werden
- Die kulturellen, wirtschaftlichen und identitätsstiftenden Folgen eines Produktionsstopps sollen transparent bewertet werden
- „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ sollen als Teil einer ausgewogenen gesamtdeutschen Medienlandschaft weitergeführt werden
„Die ARD-Krimis sind weit mehr als Unterhaltungsfernsehen. Sie transportieren unsere Lebenswirklichkeit, unsere Geschichten und Bilder unserer Städte in Millionen deutsche Wohnzimmer. Ein schrittweiser Rückzug aus den ostdeutschen Standorten schwächt die mediale Sichtbarkeit der neuen Bundesländer im öffentlich-rechtlichen Rundfunk massiv“, schreiben die beiden Stadtoberhäupter.
Mehr als Fernsehen: Jobmotor und Stadtmarketing
In ihrem Brief verweisen Hilbert und Borris auch auf handfeste wirtschaftliche Interessen. Filmproduktionen dieser Größenordnung zögen einen breiten Kreis an Profiteuren nach sich:
- Kreativwirtschaft und Filmtechnik
- Handwerk und Zulieferbetriebe
- Übernachtungsgewerbe und Gastronomie
Dazu komme ein Aspekt, den beide Städte besonders betonen: die regelmäßige Sichtbarkeit im Sonntagabendprogramm der ARD. Eine solche Präsenz in der Primetime lasse sich mit herkömmlichen PR-Mitteln schlicht nicht aufwiegen.
Verständnis für den Sender – aber kein Freifahrtschein
Bemerkenswert an dem Schreiben ist der Ton: Hilbert und Borris räumen ausdrücklich ein, dass auch der MDR unter erheblichem Druck steht. „Vor diesem Hintergrund können wir nachvollziehen, dass auch der Mitteldeutsche Rundfunk vor schwierigen finanziellen und strukturellen Entscheidungen steht. Umso wichtiger erscheint es uns, bei notwendigen Konsolidierungsmaßnahmen die Auswirkungen auf erfolgreiche, publikumsstarke und regional verankerte Formate besonders sorgfältig abzuwägen“, heißt es in dem Brief.
