Kai Wingenfelder

AUDIO: Neues Album von Fury In The Slaughterhouse: „Changes“ (4 Min)

Stand: 25.06.2026 16:07 Uhr

Mit „Changes“ veröffentlicht Fury in the Slaughterhouse das 15. Studioalbum. Im Gespräch erzählt Sänger Kai Wingenfelder von den Anfängen über den Spaß am neuen Album bis hin zu Fan-Begegnungen bei Konzerten.

von Mathias Heller

„Hannover war ein guter Platz, um Musik zu machen“, erinnert sich Kai Wingenfelder im Gespräch mit NDR Kultur. Im Frühjahr 1987 gründeten er und sein Bruder Thorsten zusammen mit Rainer Schumann, Christof Stein-Schneider und Hannes Schäfer in Hannover die Band Fury in the Slaughterhouse.

„Es gab ganz viele Clubs und man hat dort auch Geld bekommen. Es gab zum Beispiel das Kapitol. Die haben einmal im Monat ein Hannover-Special gemacht, immer mit drei Bands und die wurden je nach Menge der Musiker bezahlt. Für jeden Musiker gab es einen Hunderter. Das sind Dinge, die gibt es heute nicht mehr.“

Das steckt hinter dem Albumtitel „Changes“

Heute gehört die Band zu einer der erfolgreichsten deutschen Rockbands. Ihre letzten beiden Alben „Now“ und „Hope“ erreichten Platz zwei und eins der Albumcharts. Ihr neuestes Werk „Changes“ liegt nun vor. „Es war ja so, ‚Now‘ war eine Bestimmung der Situation, in der wir waren“, erzählt der Sänger. „Dann kam Hope, weil wir der Meinung waren, Hoffnung ist das, was dieses Land ein bisschen braucht und alle Menschen, für die wir immer so Musik machen – und vielleicht auch die gesamte Welt. Das war für uns der Zeit angemessen.“

Nun eben „Changes“, „weil wir mit Hoffnung alleine das nicht reißen werden. Wir müssen uns vielleicht damit anfreunden, dass wir die Arschbacken zusammenkneifen, aufstehen und für etwas aufstehen oder auch mal gegen etwas aufstehen. Nein ist ein wichtiges Wort, genauso wie ja.“

„Wir“ ist das Wort des Moments

Kai Wingenfelder findet auch, „dass wir als Menschheit hauptsächlich in Ich-Form denken, das ist das völlig Falsche. ‚Wir‘ ist das Wort des Moments. Wenn wir das begreifen und als ‚Wir‘ agieren und auch mal den Mut haben, laut und deutlich Nein zu sagen und zu gucken, welche Möglichkeit man ausloten kann, um das durchzusetzen, dann haben wir vielleicht eine Chance, dass unsere Kinder und die Kinder unserer Kinder die Welt noch einmal annähernd so erleben können, wie wir sie erlebt haben, als wir jung waren.“

Spaß am Album – Freude am Musikmachen

Auf dem Album finden sich kraftvolle wie eingängige Songs, so zum Beispiel „9 Lives“. Eine der ersten Auskopplungen. „Es geht darum, dass wir wahnsinnig viel Spaß beim Leben haben und ihr könnt uns alle mal“, erzählt der Fury-Frontmann. „Der kam einfach so. Der Anfang dieses Songs liegt auf Mallorca, in einem Haus, das unser Manager Holger für uns gemietet hatte, damit wir in Ruhe schreiben können. Unser Produzent Vincent Sorg hat dann irgendwann auf dem Keyboard einen Gitarrensound gehabt und dann dieses Riff vor sich hin gedudelt.“

Die Jungs schnappen sich dieses Riff machen den Song daraus, doch ganz so einfach war es nicht. „Sie wollten es mit der Gitarre spielen, das ging aber nicht. Also hat Christoph (Gitarrist der Band, Anm. d. Red.) irgendwann mal eine Stimmung herausgefunden, die es nicht gibt, die du aber für dieses Stück brauchst, weil sonst musst du dir noch einen halben Finger irgendwo dran nähen.“ Auch das Video ist reiner Spaß an der Freude: „Wir wollten eigentlich nur Hannover mit dämlichen Dinosauriern in Schutt und Asche legen und haben uns dabei schlapp gelacht.“

Typische „Fury-Sound-Genetik“ auch auf „Changes“

Das neue Album hat wieder diese typische „Fury-Sound-Genetik“. Diese ist allerdings kein Geheimnis, wie Kai Wingenfelder erklärt: „Zwei Dinge, wir sind alle keine guten Musiker, aber wenn du uns zusammen in einen Raum steckst, dann passiert da was. Und wenn du das hörst, weißt du komischerweise, das ist Fury.“

Genau bedeutet das: „Mein Brüderchen spielt immer so eine, wir nennen das Klingelbeutelgitarre, da er immer so offene Gitarren spielt mit Single Notes. Dazu kommt Christoph und spielt seinen Riff.“ Die beiden Gitarristen schauen dann, wie sie zusammenkommen. „Da treffen zwei völlig konträre Dinge aufeinander. Das Komische ist nur, dass die beiden zusammen funktioniert haben. Und ich hatte das große Glück, dass ich anscheinend eine Stimme habe, die einen relativ hohen Wiedererkennungswert hat.“

Kai Wingenfelder von Fury In The Slaugtherhouse

Fury In The Slaughterhouse-Sänger Kai Wingenfelder hat uns im NDR 2 Soundcheck Neue Musik in der „Peter Urban Show“ das neue Album „Changes“ der Band vorgestellt – exklusiv und noch vor Veröffentlichung an diesem Freitag.

Rituale und Momente des Glücks auf der Bühne

Nach dem Release in Hannover geht es auch für ein paar Konzerte durch Deutschland – auch in den Norden. Über 40 Jahre Erfahrung zeigen sich auch auf der Bühne.

Trotzdem oder weil es noch Rituale gibt: „Wir haben eigentlich Rituale für alle Gigs, die wir spielen. Immer das Gleiche“, verrät Wingenfelder. „Wir hängen im Kreis mit der Hand auf der Schulter des anderen. Und ich muss mir jedes Mal für die Show ein Gedicht überlegen. Dieses Gedicht hat meistens vier Zeilen, reimt sich und endet auf dem Namen des Ortes, wo wir spielen. Die letzte Zeile muss die Band schreien, entweder ist es die Stadt oder irgendwas anderes. Und dann hoffe ich, dass sie es erwischen.“

Einmal auf der Bühne läuft die Fury-Lawine. „Ich gehe auch immer ins Publikum – das lasse ich mir auch nicht nehmen. Dann guckst du in ganz viele Freude-erfüllte Gesichter. Das ist total schön und das ist wie so eine kleine Droge. Ich sehe einfach, die Leute sind alle glücklich und happy und mit diesem Gefühl gehe ich wieder auf die Bühne und haue die nächsten Songs raus.“ So freuen sich nicht nur die Fans, wenn der Fury-Sänger auch wieder im Norden auf und vor der Bühne steht.

Ein Junge sitzt mit seiner Mutter auf einem Sofa auf der Bühne neben Musikern der Band Fury In The Slaughterhouse. Die Band spielt live, einer der Sänger steht am Mikrofon, ein Gitarrist spielt, im Hintergrund sitzt ein Keyboarder. Die Bühne ist in blau-violettes Licht getaucht.

Bevor Fury In The Slaughterhouse ab 20. Juni auf große Tour gehen, hat die Band am Sonntag ein exklusives Benefizkonzert gegeben.