Stand: 25.06.2026 17:13 Uhr
Die Kieler Woche ist das größte Volksfest Nordeuropas – an vielen Orten der Landeshauptstadt wird zehn Tage lang gefeiert. Nicht immer geht es dabei friedlich zu. Awareness-Teams bieten Hilfe an.
Fast 90 Prozent der jungen Menschen haben schon einmal grenzüberschreitende Erfahrungen mit Männern gemacht – so lautet das Ergebnis der Jugendtrendstudie des Instituts für Generationenforschung aus dem Jahr 2025. Auch Großveranstaltungen wie die Kieler Woche werden häufig zum Ort für Belästigung, K.O.-Tropfen und sexuelle Übergriffe – belastbare Zahlen dazu fehlen, weil viele dieser Taten nicht erfasst werden.
Kaum eine Frau geht allein feiern
Fragt man junge Frauen auf der Kiellinie, ob sie sich deshalb besonders aufmerksam verhalten, sind die Antworten klar: Kaum eine geht demnach alleine auf das Volksfest, viele geben an, auf ihre Getränke zu achten und einige haben sogar schon Erfahrungen mit K.O.-Tropfen gemacht. Die meisten fühlen sich nach eigenen Angaben aber trotzdem sicher.
Die Kieler Woche soll sicher für alle sein
Für die Sicherheit sorgen unter anderem die Awareness-Teams (Awareness bedeutet auf Deutsch „Bewusstsein“) der Firmen „Safer Spaces“ und „Guardian Angels“. Unter der Woche sind sie zu sechst, am Wochenende zu acht. Ihre Aufgabe: Allen Menschen helfen, die sich aufgrund von Diskriminierung, Belästigung oder Rassismus unwohl fühlen – oder einfach eine Pause brauchen. Das ganze Team ist dafür speziell geschult.
Lysann Parpart und Silke Golland sind abends rund um das Bayernzelt unterwegs – hier sei immer viel los. Für die erste Hilfe haben sie immer Wasser, Müsliriegel, Getränkehauben, Menstruationsartikel und Aufklärungsmaterial über K.O.-Tropfen dabei. „Das Wichtigste ist aber das Gespräch und der Person zu helfen“, erzählt Lysann Parpart.
Awareness-Team ist von überall aus erreichbar

Überall in der Kieler Innenstadt sind Plakate mit QR-Codes. Durch Scannen kann ein Awareness-Team zur Hilfe gerufen werden.
Hauptstandort der Teams ist der Awareness-Point an der Kiellinie – ein pinkes Zelt neben dem Segelcamp 24/7. Für unterwegs gibt’s dort sogenannte Support-Bändchen fürs Handgelenk. Auf dem Band ist ein QR-Code – einmal gescannt, kann direkt Kontakt zum Awareness-Team aufgenommen werden. Derselbe QR-Code ist auf zahlreichen Plakaten, die überall in der Innenstadt hängen.
So ist das Awareness-Team auf der Kieler Woche erreichbar
– Vor Ort: Awareness-Point an der Kiellinie, Düsternbrooker Weg 46 – auf Höhe der Rune-Sauna, direkt neben dem Camp 24/7
– Telefon: (0152) 36 16 10 51
– Online: kiwo.saferspaces.io
– Einsatzzeiten: Sonntag bis Donnerstag 20 Uhr bis 0:30 Uhr; Freitag und Samstag 18 Uhr bis 1:30 Uhr
Wie viele Einsätze sie pro Tag haben, wird nicht erfasst. Viele Besucher wüssten auch noch nicht, dass es die Teams gibt, vermuten die Helfer. Einigen Frauen an der Kiellinie sind das pinke Zelt und die Mitarbeiter in pinken Westen aber schon aufgefallen. Sie fühlten sich dadurch sicherer, erzählen sie im Gespräch.

Das internationale Hilfe-Handzeichen zeigt, dass eine Person sich bedroht fühlt oder Hilfe benötigt.
Wer sich unsicher fühlt oder bedroht wird und gerade nicht nach Hilfe fragen kann, kann das internationale Hilfe-Handzeichen benutzen. Dabei wird zuerst der Daumen auf die Handfläche gelegt, dann die Finger wie zu einer Faust darüber geklappt. Die Bewegung wird fließend wiederholt. Beobachter sollten dann eingreifen.
Kieler-Woche-Bilanz bisher positiv
Bisher verläuft die Kieler Woche aus polizeilicher Sicht überwiegend friedlich. Im Vergleich zu den Vorjahren seien bislang weniger Straftaten bekannt geworden. Aufmerksam sein bleibt nach Meinung des Awareness-Teams jedoch trotzdem wichtig, damit sich alle Menschen sicher fühlen.

Messerverbotszonen, Zufahrtssperren und ein Crowdmanagement mit Hilfe von Videokameras sollen die Sicherheit erhöhen.

Bereits am ersten Wochenende kamen 1,1 Millionen Menschen nach Kiel. Dabei wurden weniger Straftaten angezeigt als im Vorjahr.

Die Kieler Woche ist mit Millionen Besuchern das größte Volksfest im Norden. Polizei und Stadt haben ihr Sicherheitskonzept vorgestellt.
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