Kostjantyniwka, wo vor der russischen Vollinvasion in die Ukraine noch rund 70.000 Menschen lebten, hat im Laufe des Kriegs an Bedeutung gewonnen. Die Stadt bildet einen wichtigen Stützpunkt für die ukrainische Armee. Diese Bedeutung nahm nochmals zu, als nahegelegene Städte wie Torezk und Horliwka in den Fokus der Kampfhandlungen rückten.

Russland setzt in der Schlacht um Kostjantyniwka auf die gleiche Taktik wie im Falle der Stadt Pokrowsk, die Ende 2025 endgültig an die Kremltruppen fiel. In einer Zangenbewegung rückten Kremlsoldaten von Süden und Osten kommend vor. Sobald Kostjantyniwka in die Reichweite russischer Drohnen rückte, begann Russland damit, die Kontrolle über die Stadt auszubauen und ukrainische Einheiten in ihren Stellungen zu isolieren. Rotationen der ukrainischen Truppen wurden daher immer schwieriger. Selbst gepanzerte Fahrzeuge sind der Gefahr durch Drohnen ausgesetzt und bieten nur wenig Schutz.

Expertin: „Das sind Infiltrationen, keine Vorstöße“

Seit Oktober 2025 infiltrieren russische Truppen die Stadt. Mittlerweile sind es nach ukrainischen Angaben mehrere Hundert Soldaten. Die genaue Zahl zu bestimmen, ist jedoch schwierig, da im Häuserkampf kaum ein vollständiges Lagebild erreichbar ist. Laut den Angaben sollen aktuell jedoch mehr Soldaten in die Stadt eindringen, als die ukrainischen Verteidiger abwehren können. Vollständige Kontrolle über die Stadt haben die Russen jedoch nicht, obwohl russische Medien es bereits so berichten.

UKRAINE-CRISIS/RUSSIA-KOSTIANTYNIVKAVergrößern des BildesEin russischer Soldat schwenkt in Kostjantyniwka die russische Fahne (Archivbild): Russland schlachtet solche Bilder für seine Propaganda aus – kontrolliert die Stadt jedoch nicht wirklich. (Quelle: RUSSIAN DEFENCE MINISTRY/reuters)

Die US-Denkfabrik Institute for the Study of War spricht stattdessen von „Grauzonen“, in denen weder Ukrainer noch Russen volle Kontrolle haben. ISW-Expertin Kateryna Stepanenko erklärte CNN: „Das sind Infiltrationen, keine Vorstöße. Es handelt sich um Gruppen von vielleicht ein bis zwei Männern, russische Soldaten, die einige Stellungen in der Stadt besetzen.“

Es handele sich nicht um gefestigte Stellungen. Die Russen „benötigen noch ziemlich viel Zeit und ziemlich viele Ressourcen, um daraus tatsächlich gefestigte Stellungen zu machen“.

Ukrainischer Kommandeur: Kostjantyniwka ist „halb eingekesselt“

Ein Kommandeur eines ukrainischen Bataillons in Kostjantyniwka beschrieb dem ukrainischen Sender Hromadske die Situation vor Ort: „Der Feind beginnt, unter dem Schutz von Grünflächen direkt in die Stadt einzudringen. Seine Gruppen, die in die Stadt eingedrungen sind, sind bereits recht zahlreich, und unsere Infanterie führt Häuserkämpfe an den Flanken von Kostjantyniwka selbst.“

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