Schulen in Stuttgart: Hitzefrei – Gesamtelternbeirat fordert mehr Planbarkeit und besseren Hitzeschutz Schulschluss nach der vierten Stunde? Den Nachwuchs freut es, aber manche Eltern sehen es kritisch. Foto: dpa-Zentralbild

Die Rekordtemperaturen befeuern die Diskussion zum Thema Hitzefrei. Der Kultusminister kündigt neue Regelungen an. Was wünschen sich Eltern in Stuttgart?

Immer mehr Schulen geben immer mehr Hitzefrei. Teilweise ist für die Kinder schon nach der vierten Stunde Schluss. Den Nachwuchs freut es, manche Eltern sehen es jedoch kritisch – auch wenn die Schulen für jüngere Mädchen und Jungen eine Nachmittagsbetreuung oder zumindest eine Notbetreuung anbieten.

Auch beim Gesamtelternbeirat (GEB) Stuttgart ist die Hitze derzeit ein Thema. „Die Schulen in Stuttgart haben zum Teil sehr heterogene Regelungen“, sagt der GEB-Vorsitzende Simon Bock. Er befürworte grundsätzlich, dass nach den Empfehlungen des Kultusministeriums jede Schulleitung selbst entsprechend den konkreten Gegebenheiten vor Ort handeln könne, wünscht sich dabei aber mehr Partizipation seitens der Eltern sowie der Schülerinnen und Schüler. Bisher würden die Eltern meistens nur am Rande nach ihrer Meinung gefragt. „Besser wäre es, wenn die Schulgemeinschaft das zusammen entscheiden könnte.“

Grundsätzlich würde dem Thema mehr Verbindlichkeit guttun. Dabei geht es dem Gesamtelternbeirat Stuttgart um „berufliche Planbarkeit“. Denn Familie müsse organisiert werden, sagt Bock. Den Vorstoß des neuen Kultusministers befürwortet er. Andreas Jung (CDU) hatte vor Kurzem in einem Interview mit dem SWR gesagt, er könne sich vorstellen, neue Hitzefrei-Regelungen zu erarbeiten und mehr Verbindlichkeit herzustellen.

Was sich beim Thema Hitzefrei ändern soll

Bisher lautet die Empfehlung des Kultusministeriums, dass man ab einer Außentemperatur von 25 Grad im Schatten Hitzefrei geben könne. Daraus müsse eine „Soll“-Regelung werden, sagte der Minister. Er sei zudem dafür, dass man die Temperatur im Klassenzimmer zum Maßstab nehme, dort dürfe es nicht wärmer als 30 Grad werden – andernfalls würde ohnehin „nix Gescheites“ beim Lehren und Lernen herauskommen.

Auch diesen Ansatz findet Simon Bock richtig. Er sieht dabei aber auch die Stadt als Schulträger in der Pflicht. Mit einem anständigen Hitzeschutzkonzept und moderneren Schulgebäuden könne einiges dafür getan werden, dass es Kindern trotz hoher Außentemperaturen in der Schule gutgehe. Dabei bringt er ins Spiel, dass Schule eigentlich auch ein Rückzugsort für Kinder sein sollte. Immerhin seien die Gegebenheiten zu Hause, zum Beispiel in einer Dachwohnung in der Innenstadt, nicht unbedingt besser. Außerdem sei Hitzefrei nicht an allen Schulen möglich, so zum Beispiel an den sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren.

Kurzfristig lasse sich der Hitzeschutz an den Stuttgarter Schulen sicher nicht flächendeckend verbessern, räumt Simon Bock ein. Aber zumindest bei umfassenden Sanierungen und Neubauten müsse dieser stärker berücksichtige werden, findet der GEB-Vorsitzende. Schließlich sei angesichts des Klimawandels künftig mit noch mehr und noch heißeren Tagen zu rechen. Und es sei kein zukunftweisendes Konzept ab Mitte Juli im großen Maßstab Unterricht ausfallen zu lassen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht das ähnlich. Die baden-württembergische Landesvorsitzende Monika Stein sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: Hitzefrei könne „immer nur eine Notlösung“ sein und dürfe „kein Dauerzustand“ werden. „Wichtiger“ sei es, Kitas und Schulen klimafest zu machen.

Hitzefrei könne „immer nur eine Notlösung“ sein, sagt die GEW-Landesvorsitzende Monika Stein. Foto: privat

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) ergänzt: „Angesichts steigender Temperaturen durch den Klimawandel muss die zentrale Frage lauten: Wie schaffen wir es, Schulen so auszustatten, dass auch an heißen Tagen guter Unterricht möglich bleibt?“ Der VBE fordert dafür ein gemeinsames Konzept von Land und Kommunen.

Der Philologenverband Baden-Württemberg schreibt in einer Stellungnahme: „Kurzfristige Unterrichtsbefreiungen heilen keine baulichen Mängel. Land und Kommunen müssen eine echte Klima-Sanierungsoffensive für die Schulgebäude starten.“ Alle drei Verbände unterstützen den Vorstoß des Kultusministers und fordern verbindlichere Regeln, um Schulleitungen Sicherheit zu geben und die Gesundheit von Lehrkräften und Schülerschaft zu schützen.