Auktion mit Erzgebirgs-Unikaten

von MDR SACHSEN

Stand: 25.06.2026 15:52 Uhr

In Leipzig hat am Mittwoch eine ungewöhnliche Auktion erzgebirgischer Handwerkskunst statt gefunden. Für die Sonderedition einer Nussknacker-Serie wurden doppelseitige Figuren versteigert. Es kamen 14.200 Euro zusammen. Den höchsten Zuschlag erzielte die Figur „König und Königin“ mit 2.600 Euro. Der Erlös kommt der Initiative „Mission Wilhelm“ zugute, die den Nachwuchs im erzgebirgischen Holzhandwerk fördern will.

Die Füchtner-Erfinderwerkstatt ist das Geburtshaus des erzgebirgischen Nussknackers und liegt im malerischen Seiffen.

Die Füchtner-Erfinderwerkstatt ist das Geburtshaus des erzgebirgischen Nussknackers und liegt im malerischen Seiffen.

Mitmachen unter einer Bedingung

Entworfen haben die Männel Studierende aus Schneeberg und Halle. Gefertigt haben sie Markus Füchtner und sein Team aus Seiffen. Der Holzkunsthersteller berichtet im Gespräch mit MDR SACHSEN, warum er beim Projekt mitmacht: „Ich habe mir angewöhnt, über den Tellerrand hinaus zu drechseln“. Füchtner ist Nachfahre der Nussknacker-Erfinder aus dem Erzgebirge und vertritt seine Familie in achter Generation. Seine Offenheit für die Kooperation stand allerdings unter einer Bedingung: Die ersten neun Stücke sollen für einen guten Zweck versteigert werden.

Die doppelseitigen Figuren haben eine "klassische" Seite, also das typische Schwarzrot mit weißem Haar und Bart.

Die doppelseitigen Figuren haben eine „klassische“ Seite, also das typische Schwarzrot mit weißem Haar und Bart, und auf der anderen Seite eine moderne Interpretation des Nussknackers.

Figuren stehen für Vielfalt

Dreht man die Figuren auf den Kopf, begegnen einem Charaktere wie „Mutmacher Runder Rudi“ in grüner und pinker Farbe, „Lebensfrohe Lovi“ mit Wimpern-Make up oder „Mr. Divalog“. Sie sollen Vielfalt und neue Perspektiven verkörpern.

„Was entstanden ist, ist so spannend“, sagt Füchtner über die Zusammenarbeit und ergänzt: „Vom Kunsthandwerk her ist das Oberklasse.“ Zwar sei noch niemand der Studierenden bei ihm in der Werkstatt vorbeigekommen, er würde sich aber freuen und seine Türen öffnen.

Auch die doppelseitigen Nussknacker werden in detaillierter Handarbeit hergestellt und bemalt.

In Handarbeit bemalt diese Mitarbeiterin Nussknacker detailliert mit feinen Pinseln.

Neue alte Knackfunktion

Nüsse knacken können die Neuinterpretationen natürlich auch, berichtet Füchtner weiter. Die Knackfunktion basiert auf dem direkten Schlagprinzip: „Man haut dem auf den Kopf, dass die Nuss knackt“. Die Nüsse werden also nicht mehr über einen Hebel geknackt, sondern durch einen gezielten Schlag auf den Kopf des Nussknackers. Füchtner knüpft dabei an ein Vorbild aus seiner Familie an. Schon vor 100 Jahren hatten die Füchtners die Idee schon einmal umgesetzt, sind damit aber nicht in Serie gegangen.

MDR (sme/adi)