Sieben der landesweit 56 Objekte, die am 27. und 28. Juni zu besichtigen sind, liegen in Landau und dem Landkreis Südliche Weinstraße, ein Bauherr in Speyer ist dabei.

Mehrere Hundert Schaulustige sind bei dem bundesweit größten Architekturfestival allein in unserer Region auf den Beinen, um die Gelegenheit zu nutzen, sich von Architekten durch die von ihnen geplanten Häuser führen zu lassen. Alle Projekte wurden von einer Fachjury ausgewählt. Mit dem Schwanenweiher in Landau ist diesmal auch ein Landschaftsprojekt vertreten. Im Fokus steht wieder das nachhaltige Sanieren, Modernisieren und Umbauen.

Kleinfischlingen: Weingut Ellermann-Spiegel

Erst 2026 wurde die Aussiedlung des Weingutes mit Vinothek und landwirtschaftlicher Halle Im schönen Wingert 1 fertig. Das Ensemble greift in seiner Dachform die Silhouette des Pfälzerwaldes auf. Holzfassade und Holztragwerk des Neubaus sorgen für natürliche Wärme. Nachhaltige Materialien und energieeffiziente Lösungen zeigen den achtsamen Umgang mit Ressourcen. Große Fenster öffnen den Blick in die Reben. Wege sind kurz, Abläufe klar, Einblicke erwünscht: Traube, Tank, Glas.

Entwurf: Kristoph Rheinwalt aus Landau

Landau: Büro-Atelier „Farfalle“

Das markante, in Cortenstahl gehüllte zweigeschossige Haus mit Dachpavillon bildet den Zielpunkt der städtebaulichen Ost-West- Achse des Stadtteils Quartier 129 am Ebenberg, Fritz-Siegel-Straße 14. Die Schmetterlingsform im Grundriss verbindet die Bestandsgebäude am Bahngleis bogenförmig: das benachbarte Wohngebäude, den monolithischen Neubau und das nördliche Gleisbogenhaus. Die raumhohen Verglasungen zum Quartiersplatz kontrastieren mit der Lochfassade. Im Innern des 2025 fertiggestellten Gebäudes dominieren Beton, Holzpflaster und geölter Stahl in der Purheit der Materialien.

Entwurf: Thorsten Holch aus Landau mit Ansgar Lamott aus Stuttgart

Landau: Gläserne Rösterei Parezzo

Die seit vielen Jahren in Landau ansässige Rösterei fand ihren neuen Platz im denkmalgeschützten Gebäude des Böckingschen Palais am Rathausplatz. Vormals als Kundenbereich der Sparkasse genutzt, wurde der Gebäudeteil auf den Rohbau zurückgebaut. Alle umschließenden Bauteile erhielten 2025 eine raue Oberfläche: fugenloser Bodenbelag, glatt verputzte Wände, weiße Decke mit sichtbaren Installationen. Sämtliche Einbauten, wie Theke, Präsentationswände, Möbel wurden in edlen Materialien ausgeführt. Zwei zentrale Elemente dominieren die neue Rösterei: der speziell angefertigte, große Röstofen und das Aromarad als Leuchtelement an der Decke des Kundenraumes.

Entwurf: Tim Allmeier von tnt architektur in Landau

Landau: Siedlungshaus erhält Zuwachs

Ein Siedlungshaus aus den 1930er-Jahren in der Ebernburgstraße 4 erhielt 2025 beim Umbau einen Zwilling: Kubatur, Trauf- und Firsthöhen sowie Dachform wurden bei der Erweiterung übernommen. Durch den bewusst zurückspringenden Giebel entstand ein klarer räumlicher Versatz, der die Neuorganisation des Eingangs und die Integration eines überdachten Carports ermöglichte. Der energetisch ertüchtigte Bestand erhielt eine siedlungstypische Putzfassade,. Der in Holzrahmenbau errichtete Neubau setzt mit einer horizontalen Lamellenfassade eine präzise, zeitgemäße Differenzierung.

Entwurf: Ralf Müller aus Vollmersweiler

Landau: Stadtoase Ostpark

Der denkmalgeschützte Ostpark in Landaus Ostbahnstraße mit dem Schwanenweiher führte mit seinen Relikten der Vauban-Festung trotz Innenstadtnähe lange ein Schattendasein. Probleme wie Fischsterben, Drogen- und Alkoholkonsum, fehlende Angebote für junge Menschen, mangelhafte Beleuchtung und eine unzureichende Wegeführung prägten den Zustand vor der Sanierung. Begleitet von intensiven Beteiligungsformaten und dem Fokus auf den denkmalgeschützten historischen Wert des Parks wurde 2023 ein klimaaktiver Aufenthaltsort für alle geschaffen, der vielfältige zeitgemäße Nutzungsangebote zur Naherholung bietet.

Entwurf: Landschaftsarchitekt Tobias Baldauf von bauchplan in München

Mörzheim: Alte Schule als Dorfgemeinschaftshaus

Mit dem Anbau an die „Alte Schule“ verwirklichte Mörzheim 2023 ein lange geplantes Leuchtturmprojekt. Die als Vereins- und Veranstaltungsort genutzte ehemalige Grundschule, Zum Kirchweg 3, wurde erweitert und bietet jetzt Raum für zwei Säle, Foyers, Toiletten und eine Küche. Mit seinen drei Giebeln nimmt der Neubau die Silhouette eines typischen vorderpfälzischen Dorfes auf. Die bestehende denkmalgeschützte Sandsteinmauer wurde als Sockel eingebunden und erhielt einen Aufsatz mit Holzbeplankung sowie eine großzügige Glasfront. So entstand eine Mischung aus traditionellen Formen und Materialien und einer klaren, modernen Architektur.

Entwurf: Carolin Seegmüller von der Werkgemeinschaft Landau

Rhodt: Weingut Heußler & Töchter

Das bestehende Wohnhaus mit Scheune Weyherer Straße 34 wurde 2025 umgebaut, saniert und erweitert. Im Erdgeschoss des Wohnhauses entstand ein multifunktionaler Raum für Verkauf und Weinprobe mit neuem Zugang zum Hof. Im Obergeschoss und im ehemaligen Scheunenspeicher entstand eine neue Wohneinheit, die rückwärtig durch einen kubischen Holzbau ergänzt wurde. Die Straßen- und Hofseiten bewahren ihren historischen Charakter während der Anbau mit begrüntem Flachdach und profilierten Holzlamellen modern abgesetzt wird. Als Mitglied im Fair’n’Green-Verband legten die Bauherren Wert auf natürliche Baustoffe wie Holz, Kalk- und Lehmputz sowie Holzfaserdämmstoffe.

Entwurf: Cornelius Ziegler von Burkhard Architekten, Landau

Speyer: Wohnbebauung St. Otto

In Speyer-West realisierte die städtische Wohnbaugesellschaft GEWO Wohnen GmbH 2025 ihr bislang größtes Neubauprojekt. Neben der Kirche St. Otto entstanden in der Kurt-Schumacher-Straße 39 a-c drei Mehrfamilienhäuser mit 42 Zwei- bis Fünfzimmerwohnungen, davon 20 öffentlich gefördert. Zudem wurde im Erdgeschoss ein neuer barrierefreier Gemeindesaal geschaffen. Die Planung setzt auf hohe architektonische Qualität, autofreie Außenräume und nimmt gestalterisch Bezug auf die 1960 erbaute Kirche St. Otto. Zum modernen Energiekonzept gehören Erdsolespeicher, begrünte Dächer, Solarthermie, Photovoltaik, E-Ladeinfrastruktur und Speyers erste Müll-Unterfluranlage.

Entwurf: Markus Fritz von ADS Architekten in Speyer

Im Netz

Ein Überblick über alle Projekte, die am Tag der Architektur am Samstag, 27. Juni, und Sonntag, 28. Juni, zu besichtigen sind, findet sich auf der Internetseite der Architektenkammer Rheinland-Pfalz diearchitekten.org unter dem Button Tag der Architektur 2026. Die Uhrzeiten werden kurz vor dem Architektourenwochenende aktuell eingestellt.