Bordelle sind oft nicht allzu erpicht darauf, besonderes Aufsehen hervorzurufen. In Augsburg liegen die Betriebe zumeist etwas versteckt in Industriegebieten, was mit städtischen Auflagen zu tun hat; es ist im Milieu womöglich aber auch kein Nachteil: Es gibt auf diesem Wege zum Beispiel keine Anwohner, die mitkriegen, wer hier so einkehrt und wieder geht. Das „Colosseum“ in Oberhausen stand zuletzt allerdings erheblich im öffentlichen Fokus, es gab eine Razzia, Verhaftungen, ein Insolvenzverfahren. Nun hat das Großbordell einen neuen Eigentümer – der, wie er betont, mit den vorherigen Betreibern nichts zu tun hat.
Groß-Bordell Colosseum in Augsburg stand zuletzt im Fokus der Justiz
Wie berichtet, hatte die Polizei im Januar die Räume des Bordells durchsucht; die Stadt schloss das Etablissement. Zwei Wochen später lief der Betrieb wieder an, allerdings ohne die bislang prägenden Figuren: Zwei Personen, ein 55 Jahre alter Mann und eine 38 Jahre alte Frau, waren in U-Haft gewandert. Die Polizei hielt sie für die faktischen Betreiber des Colosseums oder zumindest für maßgebliche Entscheider, in dem Verfahren geht es um einen Betrugsverdacht. Sie sollen Geschäftspartner mit dubiosen Deals um Kupferstaub übers Ohr gehauen haben.
Bereits zuvor war die damalige Gesellschaft hinter dem Bordell in ein Insolvenzverfahren gerutscht, Insolvenzverwalter Georg Stemshorn hatte die Geschicke übernommen. Gut 20 Arbeitsplätze standen auf dem Spiel. Dabei handelt es sich nicht um Prostituierte, die im Bordell als Selbstständige arbeiten, sondern etwa um Sicherheits- und Reinigungspersonal. Inzwischen sei jedoch eine Investorenlösung gefunden, teilt Stemshorn mit. Mit der Nachfolgelösung bleibe ein Großteil der Arbeitsplätze erhalten, es sei gelungen, „eine tragfähige Lösung zu erarbeiten“.
Das ist der neue Eigentümer des bekannten Bordells
Neuer Eigentümer des Bordells ist der Geschäftsmann Dominic Steck-Laub, der für den Betrieb eine Gesellschaft namens „Wellness Oase Augsburg“ gegründet hat. Mit den vorherigen Betreibern, sagt er, sei er in keiner Form verbunden. Ziel sei es, „den Standort zu stärken und neue Impulse zu setzen“. Dazu habe man bereits einiges verändert, das gastronomische Angebot ausgeweitet, die hygienischen Bedingungen verbessert, das Inventar erneuert.
Der 32-Jährige ist gelernter Steuerfachangestellter und hatte mit der Branche bislang wenig zu tun. Indirekt allerdings schon: Seinen Eltern gehört die Immobilie, in der das „Colosseum“ beheimatet ist. Und noch etwas überrascht an dem neuen Bordell-Chef: Während andere Rotlichtbetreiber zuletzt über Schikane durch das Ordnungsamt klagten, schlägt Steck-Laub andere Töne an: Die Zusammenarbeit mit der Stadt, sagt er, sei bislang sehr positiv gewesen.