36 Grad und es wird noch heißer … Das kündigt zumindest der Deutsche Wetterdienst für heute und morgen an. Wuppertal ächzt unter der Hitze. Glücklich ist, wer nicht arbeiten muss und seine Zeit im Freibad, im Wald oder an anderen kühlen Orten verbringen kann. Vergönnt ist das nicht jedem. In Büros, in Krankenhäusern, im Nahverkehr sind überall Wuppertaler, die trotz Hitze arbeiten müssen. Die WZ hat nachgefragt, wie Arbeitgeber und Arbeitnehmer damit umgehen.
Für viele Beschäftigte werde Hitzestress zum Gesundheitsrisiko, warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund Düsseldorf-Bergisch Land. Er fordert die Arbeitgeber auf, den Schutz der Beschäftigten sicherzustellen. „Hitze ist kein bloßes Komfortproblem. Hohe Temperaturen können die Gesundheit belasten, die Konzentration beeinträchtigen und das Unfallrisiko erhöhen.“ Arbeitgeber seien verpflichtet, Gefährdungen an Arbeitsplätzen zu beurteilen und notwendige Schutzmaßnahmen umzusetzen. Dabei gebe es keinen Ermessensspielraum: „Der Schutz der Beschäftigten ist gesetzlich vorgeschrieben“, so DGB-Sprecher Klaus Churt.
Allen hitzefrei zu geben, ist nicht möglich. Weiterfließen müssen etwa Strom, Wasser und der ÖPNV, daher wird bei den Stadtwerken (WSW) weitergearbeitet. Im modernen neuen Verwaltungsgebäude an der Bromberger Straße profitieren die Mitarbeiter von Lüftungen und Klimaanlagen, an allen Standorten werde ausreichend Trinkwasser zur Verfügung gestellt, sagt WSW-Sprecher Rainer Friedrich. Und: „Im Busverkehr setzten wir an heißen Tagen möglichst ausschließlich Busse mit Klimaanlagen am Fahrerplatz ein und tauschen bei Bedarf auch Fahrzeuge während des Dienstes.“
Bisher waren die Notaufnahmen noch nicht überlastet
In den Krankenhäusern bleiben die Mitarbeiter ebenfalls im Einsatz. Sie sind durch die Temperaturen gleich doppelt herausgefordert, denn diese sind auch gefährlich, insbesondere für ältere oder kranke Menschen. Die Mitarbeiter im Helios-Klinikum müssen sich daher nicht nur um sich kümmern, sondern auch um alle, die wegen der Hitze in der Notaufnahme landen.
Bisher hält sich Letzteres aber noch in Grenzen. „Mit den aktuell hohen Temperaturen beobachten wir vereinzelt Patientinnen und Patienten mit hitzebedingten Beschwerden wie Kreislaufproblemen, Schwindel oder Dehydrierung. Ein außergewöhnlich erhöhtes Patientenaufkommen in der Notaufnahme aufgrund der Hitze können wir derzeit jedoch nicht feststellen“, sagt Helios-Sprecherin Janine von Heyking.
Die Mitarbeiter in der Notaufnahme und auf den Stationen haben in verschiedenen Bereichen Klimaanlagen. „Ergänzend werden je nach Bedarf auch Ventilatoren genutzt. Unsere Mitarbeitenden wissen aufgrund ihrer medizinischen und pflegerischen Expertise in der Regel sehr gut, worauf es bei hohen Temperaturen ankommt“, sagt Janine von Heyking.
Wo es möglich ist, können Klinik-Mitarbeiter auch mobil arbeiten. „An besonders heißen Tagen sorgen wir außerdem mit kleinen Aktionen – beispielsweise einer Einladung auf eine Kugel Eis – für eine zusätzliche Erfrischung“, so die Sprecherin.
Auf solche Abkühlungen setzt man auch beim Pflegeunternehmen Wessel. „Körperlich anstrengende Tätigkeiten, wie beispielsweise jemanden zu duschen, der bettlägerig ist, verlegen wir in die frühen Morgenstunden, wenn es noch kühler ist. Zu dieser Zeit lüften wir auch alle Räume und verdunkeln sie danach, damit sie kühl bleiben“, erklärt Jennifer Appelmann, Teamleiterin der Pflege-Wohngemeinschaften am Oberdörnen in Barmen. Im Team werden die entlastet, die kreislaufmäßig die Hitze nicht so gut vertragen. Und das Wichtigste: Es gibt Wasserschlachten. Mit Wasserpistolen und Wasserbomben – Team Pflege gegen Team Verwaltung.
Harte Tage haben die Mitarbeiter von ESW (Eigenbetrieb Straßenreinigung Wuppertal) und AWG (Abfallwirtschaftsgesellschaft mbH Wuppertal) hinter und noch vor sich, denn sie sorgen weiter für saubere Straßen und die Leerung der Mülltonnen. Da es aber auch nicht die erste Hitzewelle in Wuppertal ist, gibt es bereits Regelungen für solche Tage. Sowohl die Teams der Straßenreinigung als auch die Mitarbeitenden der Müllabfuhr beginnen ihre Arbeit früher. Dadurch sind viele körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten erledigt, bevor die Höchsttemperaturen erreicht werden.
Früher Start bei
kühlen Temperaturen
Für alle Mitarbeiter gibt es ausreichend Trinkwasser. Zudem können sie bei Bedarf eine Kopfbedeckung und Sonnenschutzcreme mit Lichtschutzfaktor 50 erhalten. „Gerade an besonders heißen Tagen kommt uns zugute, dass unsere Teams bereits früh am Morgen in ihre Einsatzgebiete starten. So können viele Arbeiten erledigt werden, bevor die größte Hitze des Tages einsetzt“, sagt Lukas Kwiotek, ESW-Abteilungsleiter Straßenreinigung und Winterdienst.
Patrick Herzog, AWG-Abteilungsleiter Abfallsammlung und -transport, ergänzt: „Für unsere mehr als 80 Fahrer und etwa 150 Lader gehört die Arbeit im Freien zum Alltag. Bei Temperaturen von über 30 Grad Celsius wird sie jedoch zu einer besonderen körperlichen Herausforderung. Deshalb sind auch unsere Müllabfuhr-Teams früh unterwegs, um den Höchsttemperaturen des Tages so gut wie möglich auszuweichen.
Ein Wuppertaler Unternehmen, das sich mit solchen Temperaturen gut auskennt, ist Kaut. Die Experten für Kälte- und Klimatechnik freuen sich über das Wetter. „Wir geben gern zu, da läuft unser Geschäft auf Hochtouren“, heißt es von den Geschäftsführern Christina und Philip Kaut. Als Anbieter von Klima- und Wärmepumpentechnik beschäftigen wir uns tagtäglich mit dem Thema Raumklima. Deshalb sehen wir uns auch in einer gewissen Vorbildfunktion, wenn es um den Schutz unserer Mitarbeiter an heißen Tagen geht. Entsprechend sind in der Verwaltung die Büro- und Arbeitsräume klimatisiert – obendrauf gibt es Getränke und auch mal ein Eis.
Die Hitze verschont auch nicht die Kunst. Das Sinfonieorchester, das in diesen Tagen für sein letztes Sinfoniekonzert der Spielzeit probt, arbeitet unter erschwerten Bedingungen. Im Probenraum an der Burgunderstraße, aufgrund seiner baulichen Situation schon im Normalfall ein Sorgenkind, gibt es keine Klimaanlage, wird die Luftqualität genau beobachtet. Folge: Schon nach kurzer Zeit wird der Sauerstoffgehalt in der Luft bedenklich, muss unterbrochen werden. Es gibt vermehrt Pausen und Proben in kleineren Gruppen der einzelnen Instrumente, die sich auf andere Räume des Gebäudes verteilen. Das Schauspiel wiederum sagte am Mittwoch sein für Donnerstag geplantes Live-Hörspiel „Wer ein rotes, springendes Herz hat“, eine szenische Doppelbiografie von Else Lasker-Schüler und Anne Frank, im Theater am Engelsgarten ab.
Hitzefrei und
kürzere Schulstunden
Schüler entlastet „Hitzefrei“, was bedeutet, dass der Unterricht gegen 12 Uhr endet. Seit gestern ist das auch für die Oberstufe erlaubt. Dabei fallen meist nicht einfach die letzten Stunden aus, sondern die Schulstunden werden auf 30 bis 35 Minuten verkürzt, wie Reinold Mertens, Leiter des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums (CFG), erklärt. Er stellt zudem klar: „Hitzefrei gilt nicht für Lehrkräfte.“ Sie würden dann zum Teil bei der Betreuung eingesetzt und hielten Fachschaftssitzungen ab. Am CFG wird auch die kühlere „nullte Stunde“ ab 7.40 Uhr genutzt, manche Klasse zieht in kühlere Keller- oder Nordräume um. Auch an Schattenplätzen auf dem Schulhof wird unterrichtet. Und auch an der Schule wird Eis verteilt.