Laut und wütend: So zeigten sich heute mehrere Hundert Beschäftigte des Handels aus ganz Bayern, die in Augsburg für höhere Gehälter und gegen drohende Altersarmut demonstrierten. Sie nutzten den bayernweiten Handelsstreiktag und zogen vom Plärrer zur City-Galerie. Augsburgs Verdi-Streikführerin Sylwia Lech sagte bereits im Vorgespräch mit unserer Redaktion: „Was die Arbeitgeber bisher in den Tarifrunden anbieten, ist grottig.“ Auch Verdi-Bundesvorsitzender Frank Werneke sparte bei seinem Besuch in Augsburg nicht mit Kritik.

Die Gewerkschaft fordert in den laufenden Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im bayerischen Einzel- und Versandhandel eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 222 Euro. Die Ausbildungsvergütungen soll um 150 Euro pro Monat steigen, in den unteren Beschäftigtengruppen soll es ein rentenfestes Mindesteinkommen von 14,90 Euro pro Stunde geben. Für die Beschäftigten im bayerischen Groß- und Außenhandel sollen die Entgelte um sieben Prozent wachsen.

Verdi-Chef Werneke bezeichnet Angebot der Arbeitgeber als „Frechheit“

In einer Beschäftigten-Umfrage von Verdi gaben 73 Prozent der Befragten an, Probleme zu haben, mit ihrem derzeitigen Gehalt den Lebensunterhalt zu bestreiten. Nur 15 Prozent sagten, sie könnten am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. 88 Prozent schätzten, dass ihre Rente aus dem derzeitigen Gehalt nicht vor Altersarmut schützt. „Umsätze und Gewinnentwicklung sind im Handel positiv und von Euch verlangt man bei der Tarifverhandlung Augenmaß. Dabei habt ihr ein Recht, an diesen Entwicklungen beteiligt zu werden“, so Werneke, der wegen der extremen Hitze der einzige Redner der Kundgebung war. Was die Arbeitgeberseite bisher angeboten hätte, sei „eine Frechheit“.

Die Arbeitgeberseite verweist auf die angespannte wirtschaftliche Lage. Im April veröffentlichte der Handelsverband (HDE) Zahlen, wonach 46 Prozent der befragten Handelsunternehmen ihre Geschäftslage als schlecht, nur zehn Prozent als gut einstufen. Man appelliere daher an die Arbeitnehmervertreter, ihre Forderungen zu überdenken. „Wenn die Unternehmen wegen zu hoher Lohnkosten schließen müssen, kann das nicht im Interesse der Arbeitnehmer sein“, so HDE-Bezirksgeschäftsführer Andreas Gärtner bei der letzten Streikaktion gegenüber unserer Redaktion.

Umfrage des Handelsverbands: Teile des Handels planen Stellenabbau

Für Gewerkschafterin Sylwia Lech sind das nur leere Drohungen: „Es herrscht doch jetzt schon überall Personalmangel und die Beschäftigten leisten zahlreiche Überstunden. Die Arbeitgeber werden also weiter einstellen“, ist sie überzeugt. Laut Umfrage des Handelsverbands plant mehr als die Hälfte der Handelsunternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern, die Zahl ihrer Beschäftigten im Laufe des Jahres zu reduzieren.