Wenn am Samstagnachmittag die Krefeld Ravens bei den Leipzig Lions antreten, wird das kein Spiel wie jedes andere: Es ist das einzige Spiel unterhalb der GFL1, das an diesem Wochenende in Deutschland stattfindet. Alle anderen Partien – Jugend, Ladies und Senioren – sind abgesagt. Grund sind die erwarteten Temperaturen von bis zu 39 Grad im Schatten. Immerhin: Die Partie der Krefelder wurde von 15 auf 17 Uhr verlegt.
„Dadurch kommen wir zwar sehr spät, erst Sonntagfrüh, zu Hause an, aber ich denke, es ist dann schon ein paar Grad kühler“, sagt Ravens-Headcoach Allan Verbraeken. Auf das Spiel habe das Wetter derweil keinen Einfluss. „Es ist ja für beide Teams so“, sagt er. Wichtig sei aber Kadertiefe. „Wir fahren nach aktuellem Plan mit 48 Jungs nach Leipzig und werden viel rotieren. Das geht schon“, sagt der Belgier. Im Heimspiel gegen Hamburg war das auch der Fall. Lediglich Quarterback Christian Arrambide spielte bis auf den letzten Drive, Star-Ballträger Akiva Wedge fast ausnahmslos durch. „In der O-Line hatten wir auch nicht die große Tiefe, die Jungs haben auch weitgehend durchgespielt. Sonst haben wir viel gewechselt“, sagt er.
Leipzig trotz Eisenbraun-Abgang gefährlicher Gegner
In Leipzig erwartet der Coach ein gefährliches Team. Die Lions, im Vorjahr erst am letzten Spieltag gerettet, sind das Überraschungsteam der Saison. Sie verkrafteten das Karriereende ihres Top-Spielers Jan Eisenbraun, möglicherweise der beste Receiver der Liga, hervorragend. Mit zwei Siegen und drei Niederlagen haben sie den Klassenverbleib bereits dicht vor Augen. „Sie machen das gut und spielen extrem kreativ. Gerade in der Defensive bieten sie viele Stunts, bringen viel Druck. Hier müssen wir wach sein“, sagt er. Dabei allerdings sei der erfahrene Spielmacher Arrambide eine Lebensversicherung und wisse genau, wie man gegen Druck spielt.
Die Offensive sei ebenfalls kreativ. „Sie haben Plays mit vier oder gar fünf Receivern auf einer Seite. Da müssen wir unsere Schemata ändern“, sagt Verbraeken. Sein Team sei zwar sehr gut vorbereitet, der Prozess sei aber komplex gewesen. Hatte Leipzig im Vorjahr eher die Taktik „Alles auf Eisenbraun und sehen, was geht“, gebe es jetzt nicht den einen Top-Spieler, sondern ein kompaktes Team. Um es mit den Worten von Ex-Bundestrainer Berti Vogts zu sagen: Der Star ist die Mannschaft.
Zweieinhalb Wochen Urlaub nach dem Spiel
Mit einem Erfolg könnten die Ravens eine perfekte Hinrunde veredeln und mit 6:0 Siegen in die kurze Sommerpause starten. „Wir werden zweieinhalb Wochen ganz frei machen und Regeneration in den Fokus nehmen. Danach haben wir dann wieder viele Spiele in kurzer Zeit – hoffentlich noch derer Sechs“, sagt der Hauptübungsleiter. Das würde bedeuten, dass das Team die Play-offs sowie den GFL2-Bowl, das Finale um den Aufstieg in die Eliteliga, erreicht. Das ist das erklärte Ziel – und aktuell ist man total auf Kurs.
Schmerzhaft allerdings war die Verletzung von Center Konstantin „Adu“ Blaß gegen Hamburg. „Er wird für den Rest der Saison ausfallen. Starter war er nicht, aber in der Rotation wird er sehr fehlen“, sagt Verbraeken. Auch für das Ravens-Urgestein will das Team kämpfen und den GFL-Aufstieg am Ende der Saison feiern.
Transparenzhinweis Unser Autor kommentiert für einen Livestream der Liga die Spiele der Krefeld Ravens.