Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, Chinas wachsender Machtanspruch im Indo-Pazifik sowie die strategische Neuausrichtung der amerikanischen Außenpolitik stellen etablierte Gewissheiten infrage und verschieben die globalen Kräfteverhältnisse. Welche Formen von Herrschaft, Einfluss und Expansion prägen die internationale Ordnung heute, und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Europa? Diese und weitere Fragen diskutieren Expertinnen und Experten am 14. Juli bei der Eröffnungsveranstaltung der neuen AG „Neoimperialismus als Herausforderung der Gegenwart“ der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
Auf den Vortrag Imperialismus. Über ein Muster der neuzeitlichen Geschichte von Jörn Leonhard von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg folgt eine Podiumsdiskussion, an der neben ihm Martin Schulze Wessel (LMU), Carlo Masala von der Münchner Bundeswehr-Universität und Heike Paul von der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen teilnehmen. Beginn ist um 18 Uhr im Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in der Residenz.
Warum die Ideen des Silicon Valley nicht zum Menschen passen lautet der Titel des Vortrags, den der Neurowissenschaftler und Psychotherapeut Joachim Bauer am 3. Juli um 19 Uhr in der Evangelischen Stadtakademie hält. Bis 2017 lehrte Bauer an der Universität Freiburg, in diesem April erschien sein Sachbuch „Menschlichkeit in digitalen Zeiten“. Darin beleuchtet er wie auch in seinem Vortrag die Kluft zwischen digitaler Technik und den sozialen Bedürfnissen des Menschen. Hinter den digitalen Technologien der Gegenwart stehen seiner Auffassung nach die Visionen des Silicon Valley, die auf eine immer stärkere Vereinnahmung des Menschen zielen, wobei die analoge Welt den Erlebnisräumen des Internets weichen soll. Was gerade auch Kinder und Jugendliche betrifft. Die Veranstaltung in der Herzog-Wilhelm-Straße 24 wird gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus.
Den Blick von digitalen Zukunfts-Welten zurück in die Vergangenheit lenkt die Historikerin Bianca Walther am 14. Juli um 19 Uhr in der Monacensia im Hildebrandhaus mit einer Lesung und Diskussion aus Anlass ihres neuen Buchs „Die Vorkämpferinnen“ (S. Fischer 2026). Darin porträtiert sie die frühen Feministinnen des Kaiserreichs – Frauen, die für Bildung, politische Rechte und gesellschaftliche Teilhabe kämpften. Bekannt ist Bianca Walther für ihren Instagram-Kanal „Frauen von Damals“ und dem gleichnamigen Podcast, in denen sie die Errungenschaften und Veränderungen, die historische Frauen angestoßen und erreicht haben, ins Zentrum setzt. Die Veranstaltung im Forum Atelier ist kostenlos und ohne Anmeldung besuchbar und gehört zum Monacensia-Projekt #FemaleHeritage.
Wie der wilde Osten wirklich war, davon erzählt Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, im Theater im Fraunhofer. Sebastian Beck
München und der Bayerische Wald waren viel enger miteinander verbunden, als man gemeinhin meint. Das legt Richard Loibl in seinem Buch Grüße aus dem Wilden Osten. Kulturgeschichte des Bayerischen Waldes auf Ansichtskarten dar. Und zeigt gleichzeitig, warum er als Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte als einer der populärsten Geschichtenerzähler Bayerns gilt. Da schildert er etwa, dass schon um 1900 nur 40 Prozent der Bewohnerschaft der Landeshauptstadt geborene Münchner Kindl waren, alle anderen zugewandert, damals ganz überwiegend aus Ober- und Niederbayern. Wenn man die Oberpfälzer einbeziehe, waren sogar mehr Ostbayern in die Stadt gewandert als Oberbayern.
Insbesondere der Brettl-, Kabarett- und Musik-Szene der Vorstädte werde nachgesagt, sich als typische Münchner Einrichtungen aus dem ländlichen und hier wieder besonders niederbayerischen Zuzug gespeist zu haben, führt Loibl aus. Noch heute gebe es dafür aktuelle Beispiele – er nennt Django Asül (Hengersberg), Ottfried Fischer (Ornatsöd bei Untergriesbach), Bruno Jonas (Passau) und Martin Frank (Hutthurm), die alle aus dem Bayerischen Wald oder wenigstens dem vorgelagerten Donauland kommen. Auf weitere Verflechtungen im Verhältnis München und der Bayerwald – von Fleischkonsum bis Eisenbahn – darf man am 28. Juni um 11 Uhr im Theater im Fraunhofer gespannt sein.