Die angeklagte Gina H. mit ihrem Verteidiger.

AUDIO: Fabian-Mordprozess: Spezialist spricht von „unbedingtem Tötungswillen“ (1 Min)

Stand: 26.06.2026 13:41 Uhr

Hochspezialisierte Fallanalytiker können laufende Ermittlungen im Hintergrund unterstützen. Welche Erkenntnisse sie zum Tod des achtjährigen Fabians aus Güstrow gewonnen haben, soll heute vor Gericht besprochen werden.

von Andreas Frost

Der Mord an dem achtjährigen Fabian aus Güstrow ist vermutlich mit einem „unbedingten Tötungswillen“ ausgeführt worden. Das sei aus der Ausführung der Tat zu schließen, wie ein Fallanalytiker des Landeskriminalamts (LKA) am Freitag im Prozess gegen die Angeklagte Gina H. vor dem Landgericht Rostock sagte. So seien etwa alle sechs Stiche in die Brust des Jungen aus derselben Richtung erfolgt. Die Tat grenze an einen sogenannten Overkill, da auch weniger Stiche tödlich gewesen wären. Der Zeuge ging zudem davon aus, dass es sich um eine Beziehungstat gehandelt hat.

Die Angeklagte im Fall Fabian im Gerichtssaal.

Die Angeklagte sieht sich als Opfer eines Shitstorms. Das beklagte sie bei Fabians Vater kurz nach dem Tod des Kindes.

Unterstützung für die Ermittler

Ein Team aus hochspezialisierten Analytikern hatte die Ermittlungen der Mordkommission im Fall Fabian Anfang des Jahres unter die Lupe genommen, um – unter der Annahme, der oder die Täterin sei noch nicht bekannt – daraus Schlüsse zu ziehen. So konnten die Spezialisten aus den Ermittlungsergebnissen zum Beispiel nicht herauslesen, ob ein Mann oder eine Frau für die Tat in Frage kam oder ob die Stiche mit der linken oder der rechten Hand ausgeführt wurden.

„Durch die Hölle gegangen“

An diesem 15. Prozesstag wollte das Gericht außerdem zwei Polizisten als Zeugen hören und abgehörte Telefonate der Angeklagten im Verhandlungssaal vorspielen. Ein von den Ermittlern abgehörtes Telefonat sorgte am vergangenen Dienstag im Gerichtssaal für Aufmerksamkeit. Demnach beklagte Gina H. in einem Gespräch mit Fabians Vater kurz nach dem Fund des toten Jungen am 14. Oktober vergangenen Jahres, „durch die Hölle gehen zu müssen“. Der Verlust des Kindes sei schlimm genug, aber sie erlebe wegen der Nachforschungen verschiedener Journalisten und der Vorverurteilungen in den sozialen Medien einen „Albtraum“.

Nachts am Fundort der Leiche

Die 30-Jährige war vier Jahre lang mit Fabians Vater liiert. Zwei Tage vor diesem Telefonat hatte sie der Polizei gemeldet, sie habe gerade Fabian zusammen mit einer Freundin zufällig während eines Spaziergangs an einem Tümpel in Klein Upahl (Landkreis Rostock) entdeckt. Laut Zeugenaussagen waren sie und zwei Bekannte dort allerdings bereits in der Nacht zuvor.

Angeklagt wegen heimtückischen Mordes

Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. heimtückischen Mord vor, denn sie habe Fabian am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt, ihn bei Klein Upahl erstochen und die Leiche angezündet. Die Ermittler vermuten, dass Gina H. glaubte, Fabian stünde ihr bei ihrem Versuch im Wege, Fabians Vater wieder für sich zu gewinnen.

Ein Mann sitzt mit aufgesetzten Kopfhörern vor einem Laptop, der die Website von Google zeigt

Sie wünschen sich Informationen aus einer seriösen Quelle? Dann legen Sie NDR.de bei Google als bevorzugte Nachrichten-Quelle fest.