Blick auf ein VW-Werk.

Stand: 26.06.2026 15:13 Uhr

VW plant offenbar einen größeren Stellenabbau als bisher bekannt. Weltweit will der Konzern aus Wolfsburg 100.000 der rund 657.000 Arbeitsplätze streichen. Vier Werke könnten schließen, unter anderem in Niedersachsen.

Betroffen könnten unter anderem die Werke in Hannover und Emden sein. Auch das Werk in Zwickau (Sachsen) sowie das Audi-Werk in Neckarsulm (Baden-Württemberg) stehen auf der Kippe. Wenn die dort aktuell gebauten Modelle auslaufen, soll die komplette Produktion gestoppt werden. Ein entsprechendes Sanierungskonzept hat VW-Chef Oliver Blume nach NDR Informationen Führungskräften präsentiert. Zuerst hatte das „Manager Magazin“ berichtet und sich auf Insider berufen.

Neuer VW-Sparkurs: 50.000 Stellen zusätzlich betroffen

Mit den Sparplänen verdoppelt der VW-Konzern seine bisherigen Abbauziele. Bisher war bekannt, dass Volkswagen bis 2030 mit 50.000 Stellen weniger plant. Den Stellenabbau hatte der Konzern Ende 2024 mit den Gewerkschaften vereinbart. Bis 2030 gilt an den deutschen Konzernstandorten eine Beschäftigungssicherung, die mit der IG Metall vereinbart wurde. Demnach darf bei VW bis dahin niemandem betriebsbedingt gekündigt werden. Auch Standorte – außer Osnabrück – dürfen nach Tarif-Vereinbarung bis zu dem Zeitpunkt nicht geschlossen werden. Mitte 2027 soll in Osnabrück das letzte Fahrzeug mit VW-Logo vom Band rollen.

Betriebsrat kritisiert „unverantwortliche Drohungen“

Die Belegschaft kündigte auf die neuen Sparpläne umgehend Widerstand an. Der VW-Betriebsrat spricht von „unverantwortlichen Drohungen“, wie es in einer gemeinsamen Mitteilung von Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, Daniela Cavallo, VW-Betriebsratsvorsitzende, und Thorsten Gröger, Bezirksleiter IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, heißt. Sollten die Pläne vorangetrieben werden, würden die Arbeitnehmervertretenden diese mit aller Macht verhindern, hieß es.

Das Volkswagenwerk in Wolfsburg.

Bei der Hauptversammlung betonte Blume, das Sparprogramm zeige Wirkung. Trotzdem müsse der Wolfsburger Konzern weiter reagieren.

VW-Sprecher: Vorstand arbeitet an Neuaufstellung

VW wollte sich am Freitag nicht nicht direkt zu dem Sparkonzept äußern. Es handle sich um eine vertrauliche Unterlage, teilte ein Sprecher mit. Diese würden in zuständigen Gremien besprochen und verabschiedet. „Diesem Prozess werden wir nicht vorgreifen“, hieß es. Der Sprecher bestätigte allerdings, dass der Konzernvorstand in den vergangenen Monaten intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens gearbeitet habe.

Wird Aufsichtsrat den Plänen zustimmen?

Wie die Arbeitsplätze im VW-Konzern abgebaut werden sollen, ist unklar. Laut „Manager Magazin“ sollen die Pläne am 9. Juli im Aufsichtsrat beraten werden. Ob sie dort angenommen werden, ist unklar. Arbeitnehmervertreter stellen die Hälfte der Mitglieder, zusammen mit den beiden Vertretern des Landes Niedersachsen sind sie in der Mehrheit. Das Land ist mit 20 Prozent der Stimmrechte an VW beteiligt.

Stellungnahme von Lies und Hamburg

„Das Land Niedersachsen wird keiner Entwicklung zustimmen, die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt oder die bewährte Mitbestimmung infrage stellt“, teilten Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg (Grüne) in einer gemeinsamen Stellungnahme mit. Beide sitzen im Aufsichtsrat von Volkswagen. Die Zukunft des Konzerns werde nicht dadurch gewonnen, dass man „immer neue Werksschließungen oder immer größere Stellenabbauprogramme in den Fokus stellt“, teilten Lies und Hamburg weiter mit. Entscheidend sei, dass Volkswagen wieder aus eigener Stärke überzeuge – „mit wettbewerbsfähigen Fahrzeugen, innovativen Produkten, einer konsequenten Nutzung von Synergien und einer klaren strategischen Ausrichtung“.

„Umfassende Transformation“ als Ziel

Ein VW-Sprecher verwies auf die großen Probleme, mit denen der Wolfsburger Autobauer zu kämpfen hat. Das aktuelle Geschäftsmodell, Autos in Deutschland zu entwickeln, in Europa zu produzieren und weltweit zu exportieren funktioniere nicht mehr für alle Marken. Es gehe nun darum, „das Unternehmen insgesamt effizienter und schlanker aufzustellen sowie technologische Synergiepotenziale konsequent zu nutzen“. Ziel sei eine „umfassende Transformation“, der gesamte Konzern müsse sich tiefgreifend verändern, so der Sprecher.

Konzern schon länger in der Krise

Bei Volkswagen hatten sich die wirtschaftlichen Probleme zuletzt immer weiter zugespitzt. Ende April meldete der Wolfsburger Autobauer einen massiven Gewinneinbruch. Als Gründe gelten vor allem hohe Kosten, die US-Zölle und Probleme auf dem wichtigen Markt in China.

Das Volkswagen-Emblem hinter einer roten Ampel in Osnabrück.

2026 wird erneut kein einfaches Jahr für VW. Analysten betonen, dass der Konzern vor allem attraktive Modelle entwickeln muss.

Neufahrzeuge von Volkswagen stehen zur Auslieferung in den Autotürmen der Autostadt am Stammwerk von Volkswagen (Luftaufnahme mit Drohne).

Die Stellen sollen bundesweit bis 2030 gestrichen werden. Der Gewinn des Wolfsburger Autobauers ist stark eingebrochen.

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