Oberbürgermeister kritisiert VW
„So geht man mit guten Partnern nicht um“
26.06.2026 – 17:02 UhrLesedauer: 3 Min.
Ein großes VW-Logo (Symbolbild): Auch Braunschweig könnte von den kolportierten CEO-Plänen betroffen sein. (Quelle: IMAGO/Darius Simka)
Vorlesen
Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00
1x
Jetzt neu bei t-online:
Schriftgröße anpassen!
Artikel teilen
VW plant offenbar weitere drastische Schritte im Sparkurs. Das stößt vielerorts auf Unverständnis. Auch Braunschweig könnte von den Maßnahmen betroffen sein.
Braunschweigs Oberbürgermeister Thorsten Kornblum hat mit deutlichen Worten auf die kolportierten Pläne des Automobilkonzerns Volkswagen reagiert. „Die Stadt Braunschweig steht solidarisch hinter allen Beschäftigten unseres VW-Standorts“, sagte der SPD-Politiker in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme.
Der Hintergrund: In einem Bericht des „Manager Magazins“ heißt es unter anderem, dass Konzernchef Oliver Blume die in der Einheit „Komponenten“ zusammengefassten Werke zur Teilefertigung aus dem aktuellen Konzernverbund herauslösen und in eigene Gesellschaften einbringen möchte. Dies würde auch das Werk in Braunschweig betreffen.
Kornblum: „Die Komponente ist unantastbar“
Kornblum zeigt sich von dem Vorhaben irritiert: „Die Art und Weise der Kommunikation von Volkswagen ist schon sehr verwunderlich, so geht man mit guten Partnern nicht um“, sagte er. „Für mich gilt ganz klar: Die Komponente ist unantastbar! Sie ist fester Bestandteil des VW-Konzerns und das muss sie auch bleiben.“
Das Komponentenwerk in Braunschweig sorge mit seiner „hervorragenden Entwicklung und Fertigung aus einer Hand“ für Innovationskraft im Konzern. „Auch das VW-Gesetz und die Mitbestimmung des Landes Niedersachsen dürfen nicht ausgehebelt werden“, ergänzte Kornblum.
Gewerkschaft und Betriebsrat kündigen Widerstand an
Dem Bericht des „Manager Magazins“ zufolge sind die Pläne Teil eines deutlich verschärften Sparkurses. Bereits am 9. Juli soll der Aufsichtsrat darüber beraten. Gewerkschaft und Betriebsrat kündigten umgehend Widerstand gegen die Pläne an.
Bis zu 100.000 Stellen könnten demnach weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werke in Deutschland könnten sogar komplett schließen, heißt es. Die Pläne seien Teil des neuen Zielbilds 2030, das der Vorstand am Mittwoch behandelt habe.
- Werke vor Schließung? VW will wohl bis zu 100.000 Stellen streichen
- Existenzgefährdende Lage? Bei VW schrillen intern offenbar die Alarmglocken
IG Metall und VW-Betriebsrat zeigten sich entsetzt. „Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von IG-Metall-Chefin Christiane Benner, Bezirksleiter Thorsten Gröger und Betriebsratschefin Daniela Cavallo.
„Die erneuten Medienberichte verunsichern unsere Belegschaft und unsere Standortregionen zu Recht“, heißt es in der Mitteilung. „Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und unsere Standorte sind unverantwortliche Drohungen.“
Diese VW-Werke sind von Schließung bedroht
Bei der Aufsichtsratssitzung im Juli droht damit ein heftiger Schlagabtausch: Arbeitnehmervertreter stellen dort die Hälfte der Mitglieder, IG-Metall-Chefin Benner ist sogar stellvertretende Vorsitzende des Gremiums. Zusammen mit den beiden Vertretern des Landes Niedersachsen sind sie in der Mehrheit. Das Land ist mit 20 Prozent der Stimmrechte an VW beteiligt und hat bei wichtigen Entscheidungen ein Veto-Recht.

