Ein Notruf aus Burtenbach nach Brüssel: Eine neue EU-Regulierung bedroht die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunft europäischer Nutzfahrzeughersteller wie Kögel. Strafzahlungen in Millionenhöhe, steigende Transportkosten sowie der Verlust von Arbeitsplätzen könnten die Folge sein – mit Auswirkungen für Wirtschaft und Verbraucher.
Markus Siegner ist seit Januar 2026 CEO bei Kögel Trailer GmbH. Er erklärt: „Wir sind als Lkw-Anhängerhersteller von einer Regularie betroffen, die uns dazu zwingt, bis 2030 erheblich CO₂ einzusparen und das bringt uns wirtschaftlich in die Existenznot.“ Das „Groteske“ an diesem Thema sei: „Ein Trailer an sich stößt erstmal kein CO₂ aus.“
Konkret geht es hierbei um die sogenannte Vecto-Verordnung. Vecto (Vehicle Energy Consumption Calculation Tool) ist ein EU-weites Berechnungswerkzeug, das jedem Auflieger – also dem Anhängerteil eines Lastwagens – einen virtuellen CO₂-Wert zuweist. Die zugrundeliegende Verordnung schreibt vor, dass dieser simulierte Wert bis 2030 um zehn Prozent (bei Sattelaufliegern) bzw. 7,5 Prozent (bei Anhängern) gesenkt werden muss. Das klingt technisch – hat aber weitreichende Folgen, wie Siegner erklärt: Auflieger haben keinen eigenen Motor und stoßen selbst kein CO₂ aus. Der errechnete Wert sei ein reines Computersimulationsergebnis, kein real messbarer Emissionswert, kritisiert Kögel deshalb.
Aiwanger kritisiert geplante EU-Vorgabe zu CO₂-Grenzwerten scharf
Um auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen, hat das Unternehmen aus Burtenbach am Freitagnachmittag einen eindrucksvollen Hilferuf organisiert: Zahlreiche Auflieger sind zu einem überdimensionalen SOS-Symbol formiert. Dieser Hilferuf schien auch in Bayerns Wirtschaftsministerium angekommen zu sein. Der stellvertretende bayerische Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) reist am Freitag an, um sich die Nöte vor Ort anzuhören – und über die geplante EU-Vorgabe zu schimpfen. „Ihr dürft euch nicht jeden Unsinn gefallen lassen, ihr müsst lauter werden“, sagt er in Richtung des Herstellers. Er spricht von einer EU-Klimaideologie, „wenn sogar Anhänger von Lkws zunehmend in die CO₂-Visiere geraten.“ Das führe zu weit. Und am Ende werde der Joghurtbecher, der mit einem Kögel Auflieger transportiert werde, durch derartige ideologische Politik auch für den normalen Bürger teurer.
Die Problematik hinter der Vorgabe beschreibt CEO Siegner so: „Wenn wir diese Regularien umsetzen wie geplant, dann führt das zu Mehrkosten.“ Er spricht von einer Preissteigerung von bis zu 50 Prozent pro Auflieger – diese Mehrkosten treffen Speditionen und Transportunternehmen und landen letztlich beim Endverbraucher. Doch setze man sie nicht um, führe es zu „sehr teuren Strafzahlungen“. Für die Kögel Trailer GmbH bedeutet das laut eigenen Angaben bis zu 63,7 Millionen Euro pro Jahr (laut Artikel acht der Verordnung werden 4250 Euro je Gramm CO₂ pro Tonnen-Kilometer und pro zugelassenem Fahrzeug fällig). Siegner macht deutlich: „Wir werden Arbeitsplätze verlieren, wenn wir hier nicht umsteuern.“

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Hinter dem SOS-Signal sieht man eine Vielzahl von geparkten Aufliegern. Laut EU müssen die nun klimaneutraler werden.
Foto: Alexander Kaya
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Hinter dem SOS-Signal sieht man eine Vielzahl von geparkten Aufliegern. Laut EU müssen die nun klimaneutraler werden.
Foto: Alexander Kaya
An der Verordnung kritisieren die Hersteller insbesondere, dass das Modell rein theoretische Optimierungen wie eine geringere Bauhöhe oder ein niedrigeres Gewicht positiv bewertet – reale Auswirkungen wie weniger Ladevolumen, zusätzliche Leerfahrten und steigendes Verkehrsaufkommen aber unberücksichtigt bleiben. Damit drohe laut Kögel sogar ein Anstieg der Gesamtemissionen. Siegner hofft deswegen, „dass Brüssel umsteuert und wir eine pragmatische Lösung finden.“
Kögel Trailer GmbH und sieben weitere europäische Auflieger-Hersteller haben gemeinsam rechtliche Schritte eingeleitet. Eine erste Klage beim Gericht der Europäischen Union wurde als unzulässig abgewiesen, informiert die Firma aus Burtenbach – die Klägergemeinschaft hat daraufhin Rechtsmittel eingelegt. Das Verfahren liegt nun beim Europäischen Gerichtshof.