Herford. Die Temperaturen steigen weiter: Für das Wochenende rechnen Meteorologen mit den bislang höchsten Temperaturen des Jahres in Herford. 37 Grad werden am Freitag und Samstag, 26. und 27. Juni, erwartet, wohlgemerkt im Schatten. Der Deutsche Wetterdienst hat eine Warnung vor „extremer Hitze“ herausgegeben. Sie gilt bis Samstagabend 19 Uhr.
Der Lübbecker Meteorologe Friedrich Föst spricht bei der aktuellen Wetterlage von einer absoluten Ausnahmesituation. „Man liest und hört ja immer: Früher war es auch schon mal so heiß. Dem ist nicht so. Einen so heißen Juni mit diesen Tages- und Nachttemperaturen hat es hier so noch nicht gegeben.“
Der Experte erwartet, dass die Temperaturen in der Nacht von Freitag auf Samstag nur knapp unter 30 Grad fallen werden. Betroffen seien vor allem Regionen in Höhenlagen, wozu auch die Stadt Vlotho zählt. Auch Hüllhorst und Oberbauerschaft im Kreis Minden-Lübbecke oder der Bielefelder Ortsteil Brackwede dürften Hitze-Nächte bevorstehen.
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Fällt der Hitzerekord in Herford?
Auf diese Abkühlung auf dem Spielplatz am Herforder Linnenbauerplatz müssen Kinder vorerst weiter verzichten.
| © Archiv: Katharina Eisele
Tagsüber könnte in Herford zudem der Hitzerekord fallen, so Wetterexperte Föst. Die bislang höchste jemals gemessene Temperatur liegt bei 38,1 Grad und wurde am 25. Juli 2019 registriert.
Da tut eine Abkühlung gut. Allerdings ist das nicht an allen Orten in Herford möglich. So muss das beliebte Spielschiff auf dem Linnenbauerplatz weiterhin ohne Wasser auskommen. Wie die Stadt auf Anfrage mitteilt, werde das Wasserspiel auch weiterhin nicht eingeschaltet, auch nicht jetzt während der Hitzewelle.
Hintergrund sind die laufenden Arbeiten am benachbarten Neubau. Die dadurch entstehenden Staubpartikel könnten das Wasser verunreinigen und so zu hygienischen Problemen führen. Im schlimmsten Fall drohen Filter, Pumpen und Düsen der Anlage zu verstopfen. Einen Termin, wann das Wasser wieder fließen kann, gibt es bislang nicht.
Inzwischen haben sich viele auf die hohen Temperaturen eingestellt. Ob Schulen, Geschäfte oder Veranstalter – sie alle reagieren. Ein Überblick:
Diese Veranstaltungen in Herford werden abgesagt
Die Kinder probieren sich bei der Herforder Kitaolympiade, wie hier bei einer Art Hürdenlauf im Jahr 2025, an verschiedenen Bewegungsstationen aus.
| © Archiv: Björn Kenter
Eigentlich sollten rund 300 Kinder am Freitag, 26. Juni, zusammenkommen und gemeinsam Sport treiben. Aufgrund der hohen Temperaturen, bis zu 37 Grad Celsius sind derzeit vorausgesagt, fällt der Kinder-Olympiade allerdings aus. „Wir befinden uns aktuell auf der Suche nach einem Ersatztermin und werden diesen umgehend bekannt geben“, schreibt Julian Schütz vom Stadtsportverband.
Auch der Culture Cup, ein gemischtes Fußball-Frisbee-Turnier, wird aufgrund der Hitze abgesagt. Das gibt der Kreissportbund bekannt. Eigentlich sollte es am Samstag, 27. Juni, im Herforder Ludwig-Jahn-Stadion stattfinden.
Ebenfalls abgesagt wird das gemeinsame Abendessen „Tischlein deck dich“ in der Kinderkathedrale der Stephanus-Kirchengemeinde in Hiddenhausen.
Der Herforder Wochenmarkt endet am Samstag früher: Die Marktbeschicker bauen ab 12 Uhr ihre Stände ab. Die Markthalle Herford hat wie gewohnt von 7 bis 15 Uhr geöffnet.
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Hier gibt es Hitzefrei an Herforder Schulen
Das Land NRW hat seine Hitzefrei-Regelungen ausgeweitet: Angesichts der anhaltend hohen Temperaturen sind den Schulen nun kurzfristig zusätzliche Handlungsmöglichkeiten für den Unterricht in der Sekundarstufe II eingeräumt worden. So könne die Dauer der Unterrichtsstunden verkürzt werden, beispielsweise auf 30 Minuten bei Beibehaltung des regulären Stundenplans.
Zudem ist zulässig, „Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe II ‚Hitzefrei‘ am Nachmittag zu erteilen, insbesondere wenn das Unterrichtsende durch Kurzunterricht vorgezogen wurde“, heißt es vom Schulministerium. Die Regelung gelte ab sofort zunächst befristet bis zum Ende des Schuljahres am 31. Juli.
Ob die Möglichkeit zum Hitzefrei genutzt werde, das regele eigenverantwortlich jede Schule für sich.
Die Schüler der Klassen 5 bis 10 am Friedrichs-Gymnasium haben wie zuletzt auch bereits nach der 4. Stunde (11 Uhr) Schluss. „Bis zum Beginn der Hausaufgabenbetreuung ist eine Betreuung für Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen gewährleistet“, heißt es vom FGH.
Neu ist, dass nun auch für die Sekundarstufe 2, also die Jahrgänge 11 und 12, der Unterricht jeweils nach der 6. Stunde (12:50 Uhr) vor Ort endet. „Der eigentliche Nachmittagsunterricht findet in Distanz statt“, heißt es vom Gymnasium.
Gleiches gilt für das benachbarte Ravensberger Gymnasium. „Wir machen das immer in Absprache mit dem FGH“, so das Gymnasium.
Schulleiter Frank Braksiek erklärt die Hitze-Maßnahmen an der Gesamtschule Friedenstal in Herford.
| © Gesamtschule Friedenstal
An der Gesamtschule Friedenstal endet der Unterricht an den langen Tagen (Mittwoch und Donnerstag) für die Jahrgänge 5 bis 10 um 12.40 Uhr. Für die Jahrgänge 5 und 6 gibt es ein Betreuungsangebot an diesen Nachmittagen, falls das gewünscht ist, sagt Schulleiter Frank Braksiek. Auch die Oberstufe hat für den Rest der Woche ab 12.40 Uhr hitzefrei.
Für die kommende Woche gebe es noch keinen Plan, da die Wetteraussichten noch zu ungenau seien.
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Hier gibt es kein Hitzefrei in Herford
Auch die Otto-Hahn-Realschule reagiert auf die hohen Temperaturen. Der Unterricht findet in den kommenden Tagen zwar planmäßig statt, die einzelnen Stunden dauern jedoch nur 30 Minuten. Zudem werden alle AGs gestrichen.
„Sollte sich das Wetter unerwartet in dieser Woche vorzeitig abkühlen, kehren wir tagesaktuell zur vollen Unterrichtszeit zurück“, sagt Schulleiter Karsten Heumann auf NW-Nachfrage.
„Für die nächste Woche lege ich mich noch nicht fest. Wir warten ab, wie sich das Wetter entwickelt. Grundlegend geht es immer um eine Abwägung zwischen Arbeitsschutz und Sicherstellung der Lernzeit.“
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So ist die Lage an Herfords Grundschulen
Die Grundschule Falkstraße wird wie auch schon zuletzt ihren Schülern kein offizielles Hitzefrei erteilen, das teilt das Sekretariat auf NW-Anfrage mit. Stattdessen liege es, wie zu Beginn des Schuljahres für besondere Wetterlagen wie große Hitze oder Unwetter vereinbart wurde, im Ermessen der Eltern, ihre Kinder zu Hause zu lassen.
Schulleiterin und Kollegium möchten damit die Familien nicht zusätzlich unter Druck setzen. Ein kurzfristiger Unterrichtsausfall würde zudem einen erheblichen organisatorischen Aufwand bedeuten, etwa bei der Rückversicherung, ob Kinder betreut sind oder allein zuhause wären.
Die Schule reagiert stattdessen innerhalb des regulären Betriebs auf die hohen Temperaturen: In den vierten und fünften Stunden werden kühlere Räume genutzt und der Unterricht an die Wetterlage angepasst.
Ähnliche Regelungen gelten an vielen weiteren Grundschulen in der Stadt.
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Keine klaren Regeln: Wann gibt es eigentlich Hitzefrei?
Schülerinnen und Schüler auf dem Heimweg: Wegen der extremen Temperaturen gibt es an vielen Schulen in Herford hitzefrei.
| © Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Nach Angaben des Schulministeriums NRW gibt es kein automatisch festgelegtes Hitzefrei. Die Entscheidung trifft die jeweilige Schulleitung. Wichtige Richtwerte seien dabei:
- Über 27 Grad Raumtemperatur: Hitzefrei kann erteilt werden.
- Unter 25 Grad Raumtemperatur: Hitzefrei darf nicht erteilt werden.
- Zwischen 25 und 27 Grad: Die Schulleitung entscheidet nach Situation vor Ort.
Dabei müssen unter anderem Ganztagsangebote und Schülerbusse berücksichtigt werden. Grundschulkinder sowie Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 und 6 dürfen nur nach vorheriger Absprache mit den Eltern früher nach Hause geschickt werden. Klassenarbeiten sollten, wenn möglich, verschoben werden.
Für die Oberstufe (Sekundarstufe II) gab es bis zur aktuellen Hitzewelle grundsätzlich kein Hitzefrei. Bei gesundheitlichen Problemen konnten einzelne Schülerinnen und Schüler jedoch vom Unterricht befreit werden. Nun gelte: Auch der Unterricht in der Oberstufe kann früher beendet werden. Außerdem sollen Schulen bei großer Hitze Rücksicht auf die verminderte Leistungsfähigkeit nehmen; Klassenarbeiten sollten möglichst nicht geschrieben werden.
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Hohe Temperaturen in Herford: Lübbecker Meteorologe klärt auf
Meteorologe Friedrich Föst kommt aus Lübbecke und erklärt das aktuelle Wetterphänomen.
| © Privat
Grund für die aktuell hohen Temperaturen sei laut dem Lübbecker Meteorologen Friedrich Föst eine Erweiterung des Azorenhochs, das sich über dem Atlantik befindet. „Das schwappt auch etwas in Richtung Mittelmeer“, erklärt Föst. Die warme Luft aus dem Mittelmeerraum ströme dann nach Mitteleuropa: „Die Hitzewelle wird gerne mit El Niño in Zusammenhang gebracht, aber der Einfluss ist so marginal, dass es diese Hitzewelle auch ohne El Niño gegeben hätte.“
Der Deutsche Wetterdienst warnt für Herford – ebenso für ganz OWl und weitere Teile Westdeutschlands, für den Donnerstag, 25. Juni, vor „extremer Hitze“. Die Warnung gilt ab 11 Uhr und gilt bis zum Freitagabend.
Vor allem für ältere und pflegebedürftige Menschen könne die Hitze zur Gefahr werden. „Vermeiden Sie nach Möglichkeit die Hitze, trinken Sie ausreichend Wasser und halten Sie die Innenräume kühl“, rät der Wetterdienst.
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