Doppelter Erfolg für Neusser Lebensretter: Beim Erste-Hilfe-Landeswettkampf in Siegburg sicherten sich gleich zwei Teams der Johanniter aus Neuss den Sieg. Bei der Bewältigung realitätsnaher Szenarien überzeugten sowohl die erwachsenen Ersthelfer in der Kategorie S als auch die jüngsten Teilnehmer im Alter von sechs bis elf Jahren in der Kategorie C. Damit qualifizierten sich beide Mannschaften für den Bundeswettbewerb 2027 in Hannover, bei dem sie den Landesverband Nordrhein-Westfalen vertreten werden.
Der Landeswettkampf gilt als einer der wichtigsten Leistungsvergleiche der Johanniter. Dabei geht es nicht nur darum, medizinisches Wissen möglichst fehlerfrei anzuwenden. Die Teilnehmer müssen sich in verschiedenen Einsatzlagen zurechtfinden, unter Zeitdruck Entscheidungen treffen und dabei als Team funktionieren. Neben der Versorgung von Verletzten fließen deshalb auch Kommunikation, Zusammenarbeit und Kreativität in die Bewertung ein.
Die erwachsenen Teilnehmer erwarteten mehrere anspruchsvolle Szenarien. Zu ihren Aufgaben gehörten unter anderem die Versorgung eines Radfahrers mit schweren Verletzungen, ein Paragliding-Unfall mit mehreren Betroffenen sowie die Rettung einer eingeklemmten Lkw-Fahrerin. In jeder Situation mussten die Teams zunächst die Lage einschätzen, die Verletzten betreuen und anschließend die erforderlichen Erste-Hilfe-Maßnahmen einleiten.
Auch die jüngeren Teilnehmer mussten ihr Können unter Beweis stellen. Sie hatten einen simulierten Spielplatzunfall zu bewältigen. Dabei mussten sie Wunden versorgen, Verletzungen erkennen, einen Notruf absetzen und sich gleichzeitig um die Betreuung der Betroffenen kümmern. Trotz ihres jungen Alters meisterten sie die Aufgaben so erfolgreich, dass sie sich am Ende den ersten Platz sicherten.
Auch wenn die Szenarien möglichst realitätsnah gestaltet werden, unterscheiden sie sich von echten Einsätzen. Ein entscheidender Unterschied ist laut Trainer Dieter Guderley von der Johanniter-Unfall-Hilfe das Fehlen von „Gefühlen, wenn man dem Patienten ins Gesicht sieht“. Gerade diese emotionale Belastung könne in einer echten Notfallsituation zusätzlichen Druck erzeugen. Umso wichtiger sei es, dass die grundlegenden Abläufe sicher beherrscht würden.
Doch nicht allein medizinisches Wissen entschied über den Erfolg. Kooperation und Kreativität seien entscheidend, sagt Guderley. Ziel in der Vorbereitung sei es, die jungen Ersthelfer „so zu einer Gruppe zu formen, dass sie miteinander arbeiten können“. Die Teilnehmer müssten lernen, sich gegenseitig zu vertrauen, Aufgaben sinnvoll aufzuteilen und auch unter Zeitdruck gemeinsam Entscheidungen zu treffen.
Damit das gelingt, werde regelmäßig trainiert. Zwar sammeln viele der erwachsenen Teilnehmer bereits Erfahrungen im Sanitätsdienst, dennoch müsse man das Gelernte „immer wieder auffrischen“. Schließlich könne jede Einsatzlage anders verlaufen und neben fachlichem Können auch Konzentration und Flexibilität verlangen.
Neben den Einsatzübungen mussten die Mannschaften weitere Aufgaben lösen, bei denen Kreativität, Kommunikation und Zusammenhalt gefragt waren. Auch diese Stationen flossen in die Gesamtwertung ein. Die Qualität in gerade diesen Aspekten habe die beiden Siegerteams ausgezeichnet und letztlich zum Erfolg beigetragen.
Für die Johanniter stand jedoch nicht allein das Abschneiden in der Wertung im Mittelpunkt. Der Wettbewerb bot den Teilnehmern die Möglichkeit, ihr Wissen unter realistischen Bedingungen anzuwenden, Erfahrungen mit anderen Teams auszutauschen und gemeinsam als Mannschaft zu wachsen. Ein drittes Neusser Team belegte in der Jugendklasse den neunten Platz und sammelte dabei ebenfalls wichtige Wettkampferfahrung.
Mit dem Doppelsieg richten die Johanniter den Blick nun auf den Bundeswettbewerb in Hannover. Gleichzeitig wollen sie weitere Menschen für die Erste Hilfe begeistern. Künftig sollen zusätzliche Kurse für Kinder und Jugendliche angeboten werden, um schon früh die Grundlagen der Ersten Hilfe zu vermitteln. „Es macht immer Sinn, so früh wie möglich zur Ersten Hilfe zu kommen“, sagt Dieter Guderley.