Dass eine so heftige Bieterschlacht um den Augsburger Großmotorenbauer Everllence tobte, verwundert nicht. Das Unternehmen weckte derart große Begehrlichkeiten, weil es eine Industrie-Perle mit enormem Potenzial ist. Denn das Unternehmen hat Technologien für den Einsatz alternativer und damit klimafreundlicher Kraftstoffe für die Schifffahrt entwickelt. Mit Großwärmepumpen des Hauses lässt sich die Energieversorgung für zehntausende Menschen ebenso klimafreundlich gestalten. 

Everllence-Verkauf ist für VW langfristig ein Fehler

Everllence-Chef Uwe Lauber und sein Team haben aus der Geburtsstätte des Dieselmotors hartnäckig ein Dekarbonisierungs-Unternehmen geformt, was sich weltweit herumgesprochen hat. Insofern ist es aus VW-Sicht – langfristig betrachtet – ein Fehler, sich von der verlässlichen und technologisch interessanten Augsburger Gewinnmaschine zu trennen. Das gilt umso mehr, als Everllence massiv vom KI-Boom profitiert. Denn das Unternehmen liefert reichlich Motoren für entsprechende Rechenzentren, die einen enormen Energiebedarf haben. 

Everllence-Verkauf stillt Milliarden-Hunger von VW

Dass sich Volkswagen von einer derart zukunftsträchtigen Sparte trennt, lässt sich nur mit einem verschärften Milliarden-Bedarf erklären. Bei dem Deal hat die VW-Kapitalnot und nicht die Vernunft Regie geführt. Die Konzern-Chefs hatten Dollarzeichen in den Augen. Deshalb kam wohl der amerikanische Bieter Bain Capital zum Zug. Das eröffnet dem deutschen Unternehmen sicher zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten in den USA. Doch eine europäische Lösung unter Regie des schwedischen Bieters EQT wäre besser gewesen. Wieder einmal setzt Europa nicht auf Europa.