
AUDIO: Leipzig: Sächsischer Verdienstorden für Gerald Riedel (2 Min)
Porträt
Stand: 27.06.2026 10:00 Uhr
Mit dem Verdienstorden werden Menschen in Sachsen geehrt, die über Jahrzehnte hinweg Verantwortung für eine gute Sache übernehmen. Einer von ihnen ist Gerald Riedel aus dem Landkreis Leipzig. Der Elektromeister im Ruhestand bewahrt mit großem Engagement die Geschichte des Braunkohletagebaus und hält die Erinnerung an seine verlorene Heimat lebendig.
In der zweiten Reihe passiert so viel Gutes, dass sie auch mal nach ganz vorn muss. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat diese Woche den Sächsischen Verdienstorden, die höchste Auszeichnung des Freistaates, verliehen. An besondere Persönlichkeiten mit besonderem Engagement weit über das Verlangte hinaus. Dazu gehört auch der 76 Jahre alte Gerald Riedel aus Liebertwolkwitz, ein menschlicher Bodenschatz der Leipziger Tagebaulandschaft.
Aber einen Verdienstorden bekommen? Na, wenns sein muss: „Ich brauch das auch nicht. Aber irgendwo freut man sich schon, aber deshalb macht man es nicht, sondern weil es einem Spaß macht, sagt Riedel im Gespräch mit MDR SACHSEN.
Die Faszination begann früh
Da beschreibt sich Gerald Riedel sehr gut selbst, man merkt schnell, dass der Mann weiß, was er will, ihm Harmonie aber immer wichtiger ist als verbissen etwas durchzusetzen. Zu DDR-Zeiten hat er als Elektriker die ganz großen Anlagen im Braunkohletagebau Espenhain betreut. Beruf, Hobby, Leidenschaft alles in einem, das hatte sich schon früh abgezeichnet. „Dann kriegte ich eine Eisenbahn mit sechs Jahren. Dann wurde bis in die Nacht hinein gebastelt. Und das hat sich dann auch weiter gesponnen im Unterrichtstag in der Produktion. Da waren wir im Tagebau. Da konnte man noch als Klasse auf den Bagger hoch. Das war für mich Wahnsinn.“

Magdeborn verschwindet
Gerald Riedel kommt aus Magdeborn, das machte die Liebe zum Tagebau nicht einfacher: „Ich habe meinen eigenen Heimatort wegbaggern helfen.“ Da war er Anfang 30, als sein Heimatort von der Landkarte verschwand, aber härter noch traf ihn die Wende, und das drohende Ende des Tagebaus. Gerald Riedel wäre nicht er selbst, sähe er in sowas nicht eher Anfang als Ende. Er meisterte auch seinen nächsten Beruf als Kundendienstleiter eines Kleinbetriebs, aber vor allem lebte durch ihn gedanklich der Tagebau weiter: „Da hab ich damals schon Abteilungsleiter zusammengerufen und wir haben im Gasthof gesessen, haben Namen rangeholt. Das war eine gute Voraussetzung für die Ehemaligentreffen.“

Vereinsarbeit und Ehemaligentreffen halten Erinnerung wach
Dafür haben er und andere Unterstützer 800 bis 1.000 Briefeinladungen geschrieben. Leute beisammenhalten, das ist sein Ding. Natürlich organisiert er auch Treffen der ehemaligen Magdeborner, mit Heimatverein und ganz viel lebendiger Erinnerung. „Alle quatschen miteinander und alle sind wieder mal zusammen. Das macht einen glücklich“, erzählt Riedel weiter.
Nun gibt es ja auch noch den Bergbau-Technik-Park an der Autobahn. Wer mag da wohl Gründungsmitglied und bis heute Vorsitzender sein? Natürlich er, denn wie 76 Jahre alt, so fühlt er sich nicht: „Ich fühl mich noch wie 17 – wer rastet, der rostet“. Und das lässt Gerald Riedel weder bei sich noch bei den Stahlriesen zu.
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MDR (sme)