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Berlin – Ein letztes Kapitel der NS-Geschichte soll verschwinden. Auf dem berühmten Kapitulationsfoto vom Mai 1945 sieht man den Berliner Stadtkommandanten Helmuth Weidling († 1955), wie er aus einem Schutzraum kommt, und sich der Roten Armee ergibt. Dieser Nazi-Bunker soll jetzt abgerissen werden. BILD erfuhr exklusiv: Ein Hamburger Investor will dort 66 Wohnungen und ein Geschäftshaus bauen.
Der Betonklotz im Untergrund ist der letzte Rest der Machtzentrale des Dritten Reiches. Er war das Fundament von Hitlers Neuer Reichskanzlei und diente Mitarbeitern als Unterschlupf.
„Bunker ist in Top-Zustand“
Der Eingang liegt unter dem Hügel einer Brache in Top-Lage – hinter den Landesvertretungen von Hessen und Brandenburg. Das Brandenburger Tor steht in Sichtweite. Unterwelten-Forscher Dietmar Arnold (61) protestiert gegen den Abriss: „Man kann 2026 nicht mehr die Spuren der Täter einfach wegreißen. Der Bunker ist in Top-Zustand.“ Seine Idee: hier eine Erinnerungsstätte zur Kapitulation zu errichten und den Wohnungsbau auf dem Areal örtlich zu verschieben.

Berlins Stadtkommandant Helmuth Weidling tritt aus dem Bunker der Neuen Reichskanzlei in der Voßstraße. Diese „Gefangennahme“ durch die Rote Armee wurde vier Tage nach Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde in Tempelhof nachgestellt
Foto: picture alliance/akg-images
Auch die interne Empfehlung des Landesdenkmalrates, die der BILD vorliegt, sieht einen „möglichen Abbruch kritisch“. In dem Papier heißt es: „Die Neue Reichskanzlei war Planungs- und Ausgangsort des Zweiten Weltkriegs und steht symbolhaft auch für das katastrophale Ende des NS-Regimes.“
Senat will keinen Wallfahrtsort
Konter von Berlins Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt (65): „Die Denkmalschützer sehen nicht die Notwendigkeit, das zu erhalten – aber die Notwendigkeit der Dokumentation.“ Es gebe in Berlin schon genug gut besuchte und erhaltene Unterwelten. Auch Berlins Bausenator Christian Gaebler (61, SPD) blockt ab: „Wir stehen dem Neubau von Wohnungen nicht im Wege, um einen Bunker zu erhalten, der dann womöglich noch zum Wallfahrtsort wird.“

Diese Brache an der Voßstraße in Berlin-Mitte hat ein Hamburger Investor im Laufe von zehn Jahren von verschiedenen Eigentümern zu einem veritablen Baugrundstück zusammengekauft. Ab 1939 stand hier Hitlers Neue Reichskanzlei. Unter dem Hügel aus Trümmerschutt liegt der Eingang zum Bunker
Foto: Privat

Der Entwurf des Architekturbüros blrm aus Hamburg sieht ein Wohngebäude (7 Geschosse, 66 Wohnungen) und ein Bürogebäude (6 Geschosse) vor. Den dafür notwendigen Abriss des Bunkers begleitet das Berliner Landesdenkmalamt
Foto: SMV Bauprojektsteuerung Berlin GmbH
Vom Bunker unter der Neuen Reichskanzlei ist die Hälfte erhalten. Während die Machtzentrale nach Kriegsende abgerissen wurde, war man beim Bunker vorsichtiger: Er lag im Todesstreifen zwischen Ost- und West-Berlin, und die Verkehrsbetriebe hatten Sorge um ihren nahen U-Bahn-Tunnel.

In Uniformmantel und Mütze besichtigt Hitler mit seinem Architekten Albert Speer (r., † 1955) den Neubau seiner Reichskanzlei (400 m lange Fassade). Seit 1937 waren Luftschutzräume verpflichtend. Der Bau (Bezug 1939) war mit 28 Millionen Reichsmark kalkuliert, wurde dreimal so teuer
Foto: bpk | Bayerische Staatsbibliothek | Archiv Heinrich Hoffmann
Und wer nutzte den Bunker? Hitler hatte ihn bei Bombenangriffen auch als Mutter-Kind-Unterschlupf freigegeben. Zeitweise betrieb das Rote Kreuz dort auch ein Not-Lazarett.
Führerbunker in der Nachbarschaft
Dem Führer selbst diente ein anderer Bunker unter dem Garten der Alten Reichskanzlei als Unterschlupf – etwa 120 Meter nördlich der Neuen Reichskanzlei. In diesem sogenannten Führerbunker tauchte Hitler während der letzten Kriegsmonate ab, heiratete Eva Braun und erschoss sich am 30. April 1945. Erhalten sind die Bodenplatte und Reste der Seitenwände des Bunkers. Mit Schutt verfüllt bedeckt die Reste heute ein Parkplatz.