Stand: 27.06.2026 21:43 Uhr
In vielen Teilen Norddeutschlands wurden am Samstag Temperaturen um die 40 Grad gemessen, historische Höchstmarken in vier Nordländern übertroffen. Aktuell gilt eine neue Unwetterwarnung vor schweren Gewittern.
Es war ein Tag, an dem die Hitzerekorde reihenweise gebrochen wurden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) vermeldete für Mecklenburg-Vorpommern einen vorläufigen neuen Allzeitrekord: 39,6 Grad seien an der Station Anklam gemessen worden. Auch Schleswig-Holstein hat einen neuen Allzeit-Messhöchstwert: In Grambek im Kreis Herzogtum Lauenburg wurden 39,2 Grad erreicht. 40,2 Grad wurden in Lüchow im Wendland gemessen, somit gibt es laut DWD auch in Niedersachsen einen neuen absoluten Höchstwert. In Hamburg war es heißer als je zuvor an einem Junitag. Die Station Neuwiedenthal verzeichnete 39,4 Grad Celsius, wie der DWD am Abend mitteilte.
Am Abend gab der DWD eine weitere Unwetterwarnung heraus: In der Nacht seien im Norden schwere Gewitter mit Starkregen um 30 Liter pro Quadratmeter im kurzer Zeit, lokal um 50 Liter pro Quadratmeter, Böen der Windstärke 11 und 12 und vier Zentimeter dicke Hagelkörner zu erwarten. Noch bis Sonntagabend warnt der Wetterdienst für den gesamten Norden vor starker bis extremer Hitze.
Unwetter ziehen über den Norden
In Schleswig-Holstein gab es bereits am Samstagnachmittag extremes Gewitter mit Hagel und Blitzen an der Flensburger Förde. Auch an der Westküste und an der Schlei wurden heftige Gewitter gemeldet. In Mecklenburg-Vorpommern dagegen bleiben die nächtlichen Gewitter zunächst aus. Trotz des Windes und Regens betragen die Temperaturen in der Nacht noch 19 bis 25 Grad.
Am Sonntag weitere Gewitter – zum Wochenstart etwas kühler
Neben Sonnenschein bleibt es am Sonntag weiter gewittrig bei 28 bis 35 Grad in Schleswig-Holstein und 24 bis 38 Grad in Mecklenburg-Vorpommern. Gewitter und Schauer dauern bis in die Nacht, die Temperaturen fallen auf 17 bis 22 Grad.
Nach ein paar einzelnen letzten Schauern nehmen zum Wochenstart am Montag Gewitter sowie Hitze ab. Norddeutschland erwarten Höchstwerte von 29 Grad am Tag und 14 Grad in der Nacht. Auch am Dienstag bleibt es bei 19 bis 28 Grad sommerlich, vereinzelt kommt es in Schleswig-Holstein im Tagesverlauf zu Regen, in Mecklenburg-Vorpommern kommen noch einmal Gewitter mit Starkregen hinzu.

Bei Temperaturen ab 30 Grad fühlen sich viele Menschen nicht mehr wohl. Was hilft, um die Hitze besser zu ertragen?
Deutsche Bahn und Metronom geben Reisewarnungen heraus
Nach der Deutschen Bahn rief am Samstag auch Metronom dazu auf, auf nicht notwendige Zugreisen zu verzichten. Die extreme Hitze führe zu erheblichen Einschränkungen im regionalen Zugverkehr. Mehrere hitzebedingte Störungen an der Schieneninfrastruktur beeinträchtigen den Betrieb der Metronom-Züge, wie das Unternehmen mitteilte. Gleichzeitig erreichten auch die Klimaanlagen in den Fahrzeugen ihre technischen Leistungsgrenzen. Es werde versucht, ein Grundangebot im Zugverkehr aufrechtzuerhalten. Wenn allerdings die vorgeschriebene Innentemperatur nicht mehr eingehalten werden kann, dürfen Passagiere nicht mehr befördert werden.
Hohe Einsatzzahlen bei Hamburger Feuerwehr
Die Hamburger Feuerwehr verzeichnete bis zum späten Nachmittag schon mehr als 1.000 Einsätze. Normalerweise habe man rund 1.000 Einsätze binnen 24 Stunden, sagte ein Sprecher. Das Aufkommen sei definitiv höher. Dazu tragen demnach auch Notfalleinsätze wegen der Hitze bei. Die notfallmedizinische Versorgung sei aber gesichert.
Nur bedingte Abkühlung an den Küsten
Abkühlung an der Nord- und Ostseeküste ist an diesem Wochenende nur bedingt möglich, sagte NDR Meteorologe Wache. Das Wasser habe mittlerweile eine Temperatur von 21 Grad. „Das ist für Juni viel zu hoch und dementsprechend ist es nur eine bedingte Abkühlung im Moment“, sagte Wache auf NDR Info.
Volle Strände, volle Ostsee
Trotzdem drängen sich Menschen an den Meeresstränden. Der Strand sei „brechend voll“, sagte am Samstag etwa Lukas Reuter von der DLRG-Ortsgruppe Haffkrug-Scharbeutz. „Zumindest in den Kernorten Timmendorfer Strand und Scharbeutz.“ Auch der Strand in Binz auf Rügen war nach Angaben der dortigen Rettungsschwimmer gegen Mittag voll – trotz An- und Abreisetag. Ähnliches berichtet die DLRG aus Grömitz und Warnemünde.
Hamburg: Baden in der Elbe „lebensgefährlich“
In Hamburg warnte Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) vor dem Baden in der Elbe. Die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern wiesen darauf hin, dass die Hitze die Blaualgenblüte verschlimmert. Diverse Badegewässer seien betroffen. Welche Badeseen in Ihrer Region in Norddeutschland gut fürs Schwimmen und eine kleine Abkühlung geeignet sind, erfahren Sie in dieser detaillierten Übersicht.

Norddeutsche Badeseen haben meist sauberes Wasser. Aktuelle Karten zeigen, wo es aktuell Einschränkungen gibt.
Viel Wasser trinken – auf ältere und kranke Menschen achten
Experten raten, bei Hitze viel zu trinken, damit der Körper nicht dehydriert. Auf Alkohol und Zucker sollte bei sehr hohen Temperaturen verzichtet werden. Tim Staeger vom ARD Wetterkompetenzzentrum empfiehlt zudem, es besonders zur heißesten Tageszeit zwischen 16 und 18 Uhr ruhiger angehen zu lassen.
Besondere Aufmerksamkeit sollte älteren und kranken Menschen, Schwangeren und Kleinkindern zukommen. Bei ihnen ist es besonders wichtig, dass sie genug trinken. „Bitte schauen Sie an diesem Wochenende nach Ihren Nachbarn, Verwandten und Mitmenschen und bringen einen Kasten Wasser mit“, appellierte Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) an die Bevölkerung.

Kreislaufzusammenbrüche und Herzrhythmusstörungen können die Folge großer Hitze sein. Betroffen sind vor allem Ältere.
Mehrere Veranstaltungen abgesagt
Der für Sonntag geplante Hamburger Halbmarathon und die Parade der „Harley Days“ wurden wegen der Hitze abgesagt. Der ursprünglichen ebenfalls für Sonntag angesetzte erste Renntag des Galopp-Derbys in Hamburg-Horn wurde auf kommenden Mittwoch verlegt. Auch in Niedersachsen fallen diverse Events wetterbedingt aus. Zudem wurden mehrere Veranstaltungen in Mecklenburg-Vorpommern und in Schleswig-Holstein abgesagt.

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