rbb: Vor allem der DB-Schriftzug wirkt gemütlich und rundlich. War das eine bewusste Entscheidung?

Spiekermann: Bei der Bahn haben wir ganz von vorne angefangen. Das war, glaube ich, 2003 – fertig waren wir 2008. Damals war der ICE noch relativ neu, und ich dachte zunächst: Die Bahn ist schick, modern, technisch. Ein Kollege meines Teams entwarf eine Schrift, die zum Zug passte: breit, langgezogen, sehr technisch. Auf den ersten Blick fand ich sie gelungen. Aber die Schrift war zu modisch, zu stark auf den ICE zugeschnitten. Das hätte nicht funktioniert.

In Absprache mit dem Auftraggeber habe ich mich noch einmal neu drangesetzt und mich gefragt: Was braucht die Bahn wirklich? Die Schrift muss auf Fahrplänen funktionieren, auch im Kleingedruckten. Man steht irgendwo im Regen, hat es eilig, das Licht ist schlecht – trotzdem müssen die Informationen gut lesbar sein.

Wir lesen am meisten und am besten Schriften mit Serifen, also mit den kleinen Strichen, die man aus Zeitungen und Büchern kennt. Deshalb hat die Schrift vielleicht etwas Gemütliches. Das soll so sein – trotz der Geschwindigkeit.